140 Jahre dunkle Psychiatriegeschichte Ueckermünde: Zwielichtiges Jubiläum und „ein Blumenstrauß“ für die Toten: „Die Stimmen der Übriggebliebenen“ von Christian Discher (FOTO)

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Stolz präsentiert sich die Psychiatrie in Ueckermünde im Nordosten
Deutschlands mit ihrer 140-jährigen Tradition. Erst im Oktober 2015
wurde der große „Jubiläums-Festakt“ gefeiert. Bei den Reden standen
wirtschaftliche Interessen im Vordergrund. Für die Opfer des
Euthanasieprogrammes während der Naziherrschaft wurde „ein
Blumenstrauß“ niedergelegt. Die Auseinandersetzung mit der eigenen
Geschichte fehlte, kritisierte der Allgemeine Behindertenverband in
Mecklenburg-Vorpommern e. V.

Christian Discher wurde 1997 auf der Akutstation Haus 12
behandelt. „Er schildert, wie er in einem grauenvollen Herrschafts-
und Willkürsystem erniedrigt wurde“, schreibt der Sprach- und
Religionsphilosoph Ropers über Dischers Tagebucherzählung Die Stimmen
der Übriggebliebenen. „In einer Pubertätskrise sollte mir geholfen
werden“, erzählt Discher. „Nach dem achtwöchigen Aufenthalt habe ich
damals die Klinik als Mehrfachbehinderter verlassen.“

Der Autor berichtet von massiven Menschenrechtsverletzungen. Das
Verabreichen willensbrechender Medikamente, grundloses Festschnallen,
Wegsperren und Demütigungen prägten den Alltag. Die Geschichte von
Verletzung und Unrecht wiederholt sich, auch in Ueckermünde. Diese
Einrichtung blieb hinter verschlossenen Türen ein Raum ohne Recht auf
Selbstbestimmung, in dem Menschen sich nicht wehren konnten, wo noch
2016 dieselben Ärzte arbeiten, ohne je zur Rechenschaft gezogen
worden zu sein.

Trotz der zahlreichen Versuche des Autors auf die massiven
Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen, hüllen sich Politik
und Ärzteschaft in Schweigen. „Aufklärung ist nicht erwünscht. Wer
weiß, was noch alles ans Tageslicht kommen würde“, sagt Discher. Das
Einzige was bleibt, sind die Erinnerungen an seine Freunde, von denen
viele bereits aus dem Leben geschieden oder von den Medikamenten so
gezeichnet sind, dass ihnen eine Teilhabe am öffentlichen Leben nicht
mehr möglich ist.

Ein bemerkenswertes Buch und Zeugnis eines Überlebenden
psychiatrischer Folter und Zwangsbehandlung, der es geschafft hat,
seine Sprachlosigkeit zu überwinden. Die Stimmen der Übriggebliebenen
jetzt auch als eBook erhältlich.

Christian Discher
„Die Stimmen der Übriggebliebenen“
underDog-Verlag
ISBN-10: 3981425723
ISBN-13: 978-3981425727

Über den underDog-Verlag:

Als gemeinnütziger Verlag bieten wir Autoren mit schweren
Schicksalsschlägen eine Plattform, ihre Geschichten öffentlich zu
machen. Vor allem Autoren, die bisher kein Gehör gefunden haben,
konnten ihre Geschichten bei uns publizieren und ihr Leben ein Stück
weit aufarbeiten.

Ansprechpartner:
Herr Olaf Junge
E-Mail: info@underdog-verlag.de
Tel. : 040-63977489
Mobil: 0170-3293418

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