Aachener Zeitung: Kommentar Eine frohe Botschaft Das passt zu Weihnachten: Karlspreis für Franziskus Bernd Mathieu

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Eine frohe Botschaft ist das, eine richtig schöne
Weihnachtsbotschaft: Papst Franziskus wird neuer Karlspreisträger.
Die Reaktionen sind – von einigen kleinkarierten Kritikastern
abgesehen – geradezu überschwänglich. Und das quer durch die
politische Parteien. Man darf es salopp formulieren: Dem oft und
nicht immer zu Unrecht gescholtenen Karlspreis-Direktorium ist ein
Coup gelungen. Herzlichen Glückwunsch! Dieser Papst sagt, was er
denkt. Er bringt auf den Punkt, was er anprangert. Er spricht aus,
was er verlangt. Das nennt man Klartext. Für einen Papst mit dieser
Biografie steht über allem die Würde des Menschen. Und da gilt seine
Aufmerksamkeit ganz besonders den Benachteiligten, den Armen, den
Alten mit ihrer Einsamkeit, den Jungen und ihren Zukunftschancen, den
Arbeitslosen und den Migranten. Bei jeder Gelegenheit reklamiert
Franziskus die Kultur der Menschenrechte. Stets stellt er den
Zusammenhang zwischen dem persönlichen Lebensstil des Individuums und
der Rücksichtnahme auf das Gemeinwohl her. Wie verträgt sich das? Bei
ihm basiert das auf der konsequenten Absage an jede Form von
Egoismus. Er bindet jeden Mensch in einen sozialen Kontext ein, und
da geht es um Rechte und Pflichten, um soziales Verhalten. Das
Themenspektrum reicht von der Bedeutung der Familie und der Erziehung
über den behutsamen Umgang mit der Natur bis zur dringenden Lösung
des Migrantenproblems und der Würde der Arbeit. Würde: Das ist für
den Papst ein Schlüsselwort europäischer Geschichte. Der Argentinier
macht trotz aller Krisen, Befindlichkeiten und des großen
Vertrauensverlustes den Europäern Mut, sich auf ihre wunderbaren
Werte zu besinnen, die da lauten: Freiheit, Demokratie, Frieden,
Solidarität. Das ist ganz viel wert! Vergessen wir es nicht! Setzen
wir es nicht leichtfertig und populistisch und eigensüchtig aufs
Spiel! Wir haben viel zu verlieren: gut, dass Franziskus die Europäer
daran erinnert, auch an ihre dringend zu erledigenden Aufgaben und
ihre Verantwortung. Der Mann, der im Vatikan unverdrossen gegen
manche Auswüchse und Eitelkeiten der Kurie kämpft, ist, wie das
Direktorium in seiner Begründung formuliert, „eine Stimme des
Gewissens“. Er vereint die manchmal drastische Deutlichkeit seiner
Worte mit der extraordinären Toleranz seiner Haltung. Er ist
ungeduldig, wenn sich manche Entwicklung zeitlich an den
Ewigkeitsszenarien des Jenseits orientiert, er ist geduldig, wenn er
manche menschliche Schwäche des Diesseits toleriert. Im November 2014
las er in Straßburg den Europäern kräftig die Leviten und sprach von
einem „Gesamteindruck der Müdigkeit und der Alterung“, von der
„Impression eines Europas, das Großmutter und nicht mehr fruchtbar
und lebendig ist“. Damit verband er damals den eindringlichen Appell,
ein Europa aufzubauen, das sich nicht um die Wirtschaft, sondern um
die Heiligkeit der menschlichen Person drehe und ein Europa zu
„erwecken und zu fördern, das ein Protagonist ist und Träger von
Wissenschaft, Kunst, Musik, menschlichen Werten und auch Träger des
Glaubens.“

Europa lebendig halten! Seine Demokratie, seine Werte, seine trotz
der aktuellen Krisen und der bröckelnden Solidarität doch vorhandene
Stabilität wahren: Das ist die Botschaft des Papstes. Die gute, die
frohe, die optimistische, die ermutigende. Und sie ist, ganz gewiss,
karlspreiswürdig.

Pressekontakt:
Aachener Zeitung
Redaktion Aachener Zeitung
Telefon: 0241 5101-389
az-blattmacher@zeitungsverlag-aachen.de

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