Aachener Zeitung: Kommentar „Vollumfänglich“ Armin Laschet und die CDU fühlen sich bestätigt Bernd Mathieu

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Sie sind weg, verschwunden, die Klausuren der
studierenden Armin-Laschet-Schützlinge an der RWTH Aachen. Bleiben
wir bei der Version mit dem auf dem Postweg aufgetauchten
Bermuda-Dreieck, das die Erkenntnisse des wissenschaftlichen
Nachwuchses spur- und gnadenlos aus der für uns sichtbaren irdischen
Welt entfernte. Vernachlässigen wir die Frage, warum 28 Klausuren
kein Paket, kein Päckchen, kein Einschreiben sind. Merken wir uns,
dass es offensichtlich in manchen Studiengängen völlig normal ist,
die Studierenden rund vier Monate lang auf 28 Noten warten zu lassen
und erst nach fünf Monaten zu merken, dass ohnehin nichts mehr da
ist. Was macht man in einem solchen Fall? Man sagt: Oh je, da ist
etwas schiefgelaufen. Tut mir leid. Und dann geht man in die
Offensive und spricht einen entscheidenden Satz: Ich entschuldige
mich dafür in aller Form. Und: Daran ist nun nichts mehr zu ändern,
wir schreiben die Klausuren neu. Wer jedoch als Alternative (um
gegenüber den Studierenden nicht unangenehm aufzufallen) eine
Rekonstruktion „versucht“, begibt sich auf dünnes Eis. Nein! Das gilt
natürlich nicht, wenn man sich detaillierte Notizen gemacht hat.
Pikant wird die Angelegenheit nur, wenn die Notizen so umfangreich
sind, dass man bei 28 geschriebenen Klausuren 35 Noten vergibt. Darf
man sagen, dass man sich da irgendwie vergaloppiert hat? Politiker
dürfen das aber angeblich nicht. Sie glauben, dass sie in allen
Lebenslagen unangekratzte Souveränität, Stärke und Meinungshoheit
demonstrieren müssen. Also tritt man nach Bekanntwerden einer derart
eklatanten und peinlichen Panne, die zudem wenig Respekt vor der
Leistung junger Studierender offenbart, nicht an die Öffentlichkeit
und gibt das einfach zu, sondern taktiert, zeigt sich dabei
ungewöhnlich einsilbig und lehnt sogar Interviews ab, was aber nicht
beunruhigend ist, weil sich das spätestens im nächsten Wahlkampf
ändern wird. Da teilt (gestern) das zuständige
NRW-Wissenschaftsministerium mit, es könne nicht bestätigt werden,
dass Armin Laschet „die ihm als lehrbeauftragtem Prüfer obliegende
Sorgfalt voll umfänglich hat walten lassen“. Es sei festzuhalten,
„dass keinerlei für die Bewertung der Prüfungsleistung ausreichend
aussagekräftigen Unterlagen existieren, die eine Bewertung (…) ohne
die Klausuren ermöglichen würden.“ Es folgt der Clou des Tages: Der
wissenschaftspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion sieht Armin
Laschets bisherige Darstellungen durch das Ministerium
„vollumfänglich bestätigt“. Wie bitte? Rekonstruktion aufgrund der
Notizen: sagt Laschet. Keine ausreichend aussagekräftigen Unterlagen:
sagt das Ministerium. Vollumfänglich bestätigt: sagt die CDU. Hier
wurde und wird eine Chance verspielt – etwas „vollumfänglich“
aufzuklären, sich zu entschuldigen, es besser zu machen. Stattdessen
der übliche Verlautbarungskram der Politiker-Kaste. Schade.

Pressekontakt:
Aachener Zeitung
Redaktion Aachener Zeitung
Telefon: 0241 5101-389
az-blattmacher@zeitungsverlag-aachen.de

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