Abhängigkeit Deutschlands von Fischimporten nimmt 2013 weiter zu

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Gemeinsame Pressemitteilung

Bundesregierung muss für Erholung der europäischen Fischbestände
sorgen

Deutschland ist weiterhin abhängig von Fischimporten. Der deutsche
Fischkonsum übersteigt mit über 15 kg pro Kopf die legalen
Fangmöglichkeiten deutscher Fischer bei weitem. Am kommenden Sonntag
(7.4.2013) ist der so genannte Fish Dependence Day erreicht. Von
diesem Tag bis zum Ende des Jahres stammt jeder in Deutschland
konsumierte Fisch rechnerisch aus dem Ausland. Darauf machen die
deutschen Mitgliedsverbände der europaweiten Kampagne OCEAN2012
aufmerksam. Sie fordern die deutsche Bundesregierung auf, im Rahmen
der Gemeinsamen Fischereipolitik eine zügige Erholung der
Fischbestände in der EU zu gewährleisten.

„Es ist höchste Zeit, dass die EU ihren internationalen
Verpflichtungen zum Wiederaufbau der europäischen Fischbestände
nachkommt“, betont die deutsche OCEAN2012-Koordinatorin Nina Wolff
von der Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH). „Wir fordern
Bundesministerin Aigner eindringlich auf, in den aktuellen
Verhandlungen zur Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik den
Wiederaufbau der Fischbestände bis 2020 zu ermöglichen und damit dem
Beschluss des Europäischen Parlaments zu folgen. Dafür müssen
nachhaltige Fanggrenzen ausnahmslos ab 2015 gelten.“

„Die Erholung der europäischen Bestände und eine größere
Eigenversorgung Europas mit Fisch ist auch eine
entwicklungspolitische Forderung: Die EU und Deutschland verursachen
als weltgrößter Importmarkt für Fisch zugleich die Überfischung der
Weltmeere und vergrößern so die Misere an den Küsten einiger
Entwicklungsländer“, erklärt Francisco Mari, Fischereiexperte von
Brot für die Welt. „Mit unserem Verzehr importierten Fischs tragen
wir zur Verarmung der Menschen an den Küsten des globalen Südens und
zur Verschärfung von Hungerkrisen bei.“

Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland sind darauf
angewiesen, dass eine verantwortungsvolle Fischereipolitik den Konsum
von Fisch aus nachhaltigen heimischen Beständen ermöglicht. „Für eine
wachsende Zahl von Menschen sind Verantwortung und Genuss untrennbar
– selbst deutsche Spitzenköche fordern inzwischen die nachhaltige
Nutzung unserer Fischressourcen“, sagt Ursula Hudson, die amtierende
Vorsitzende von Slow Food Deutschland. „Die Gesellschaft erwartet
eine zügige Lösung für die Probleme in unseren Meeren. Nachhaltige
Fanggrenzen bis 2015 sind in Europa machbar – daran muss sich die
Politik messen lassen.“

Ab dem 7. April 2013 ist Deutschland statistisch gesehen für den
Rest des Jahres vollständig auf den Import von Fisch und
Meeresfrüchten angewiesen. Die EU insgesamt ernährt sich knapp die
Hälfte des Jahres von Fisch aus auswärtigen Gewässern. Zu diesem
Ergebnis kommt ein aktueller Bericht der englischen New Economics
Foundation (nef) und OCEAN2012. Die Studie ermittelt für die
Europäische Union und jeden einzelnen Mitgliedstaat das Maß der
Selbstversorgung. Der Eintritt der Einfuhr-Abhängigkeit wird auf
Kalendertage umgerechnet und als „Fish Dependence Day“ des jeweiligen
Staates bezeichnet. Nur mit gesunden, das heißt genügend großen
Fischbeständen kann die Abhängigkeit Deutschlands von Fischimporten,
deren nachhaltiger Ursprung oft zweifelhaft ist, verringert werden.

Im Rahmen der Reform der europäischen Fischereipolitik fordert
OCEAN2012, die Überfischung und destruktive Fischfangmethoden zu
beenden. Der Zusammenschluss von europaweit 183 Organisationen setzt
sich darüber hinaus für eine angemessene und gerechte Nutzung der
Fischbestände ein.

Den nef-Report zu Fischimporten in der englischen Originalversion
finden Sie im Internet unter http://l.duh.de/fishdd. Weitere
Informationen zur OCEAN2012-Kampagne erhalten Sie unter
http://ocean2012.eu/?lang=de.

Pressekontakt:
Dr. Nina Wolff, Projektleiterin Meeresschutz Deutsche Umwelthilfe
e.V. (DUH) und OCEAN2012 Koordinatorin Deutschland
Mobil: 0170 8127346, E-Mail: wolff@duh.de

Francisco Mari, Projektreferent Agrarhandel und Fischerei, Brot für
die Welt Mobil: 0179 4621783, E-Mail:
francisco.mari@brot-fuer-die-welt.de

Dr. Ursula Hudson, Vorsitzende Slow Food Deutschland e.V.
Tel. 030 609886 761, Mobil: 0170 4336230, E-Mail:
ursula.hudson@slowfood.de

Daniel Eckold, Pressesprecher Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH)
Tel. 030 2400867 22, Mobil: 0151 5017009, E-Mail: eckold@duh.de

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