Allg. Zeitung Mainz: Alles gut? Kommentar von Peter Königsberger zum 1. Mai

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Gäbe es hierzulande die Gewerkschaften nicht, man
müsste sie schleunigst erfinden. Denn ohne sie wäre der weltweite
Erfolg der deutschen Wirtschaft nicht möglich. Es wird wohl kaum
einen Unternehmer geben, der dem -, wenn auch nicht unbedingt
öffentlich – nicht zustimmen würde. Denn zum Erfolg gehört in guten
wie in schlechten Zeiten Partnerschaft. Ein wesentlicher Pfeiler
dafür ist die weltweit hochbewunderte Tarifautonomie, also das
Miteinander auf Augenhöhe ohne Einmischung des Staates. Deutschlands
Wirtschaft wäre nie so schnell und so robust aus der letzten
Rezession – und nicht nur aus dieser – gekommen, wenn es kein
vertrauensvolles Miteinander gegeben hätte. Alles gut also im
Boomland Deutschland zum 1. Mai 2013? Bei näherem Hinsehen leider
nicht. Denn Millionen arbeiten als Leih- oder Zeitarbeiter oder haben
nur Minijobs, was nichts anderes bedeutet, als dass es hierzulande
längst zwei Klassen von Arbeitnehmern gibt: die, die Vollzeit und
sozialversicherungspflichtig nach Tarifen arbeiten, die ihnen ihre
Gewerkschaften erhandelt oder auch erstritten haben. Und die anderen,
die oft genug nicht einmal auf Basis eines Mindestlohns arbeiten.
Dafür mag es durchaus wirtschaftlich nachvollziehbare Gründe geben.
Aber damit kann und darf sich eine machtvolle Arbeitnehmervertretung,
wie sie die Gewerkschaften hierzulande noch immer darstellen, nicht
zufriedengeben, will sie ihre Position als Partner der Wirtschaft auf
Augenhöhe wie in den Augen der Arbeitnehmer behalten. Ob und welche
Antwort die Gewerkschaften darauf finden, wird darüber entscheiden,
welche Rolle sie künftig im gesellschaftlichen Kräfteverhältnis
spielen werden.Will die Wirtschaft ihre alles in allem verlässlichen
Partner im Rahmen der Tarifautonomie nicht verlieren, wird sie auf
Dauer mithelfen müssen zu verhindern, dass sich eine
Zweiklassengesellschaft innerhalb der Arbeitnehmerschaft verfestigt.
Tut sie das nicht, wird sich über kurz oder lang die Politik
einmischen. Zum einen, weil eine Zweiklassen-Arbeitnehmerschaft Neid
erzeugt, und der ist für den gesellschaftlichen Konsens, der
Deutschland im internationalen Wettbewerb so erfolgreich macht, pures
Gift. Zum anderen, weil Neid ein idealer Nährboden für radikales
Gedankengut ist. Ja, der 1. Mai ist der Tag der starken Worte, ab dem
2. Mai aber ist wieder das Streben nach Konsens gefragt. Daran sollte
jeder denken, der hierzulande Verantwortung trägt.

Pressekontakt:
Allgemeine Zeitung Mainz
Peter Schneider
Newsmanager
Telefon: 06131/485981
desk-zentral@vrm.de

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