Allg. Zeitung Mainz: Die Risse der Räson / Kommentar von Lars Hennemann zu Russland

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Jemand, der wie Wladimir Putin bereit ist, das
Völkerrecht zu brechen und anderen Staaten asymmetrische Kriege
aufzuzwingen, der führt auch Krieg gegen das eigene Volk, wenn es
einer perversen Staatsräson dient. Es gäbe in Russland durchaus viele
Menschen, die die jetzt vernichteten Lebensmittel gut gebrauchen
könnten. Was die Irrsinnsaktion für die russische Innenpolitik
bedeutet, wird sich noch weisen. Gut möglich, dass Putins Denkmal
jetzt Risse bekommt, die auch langfristig nicht mehr zu kitten sein
werden. Für den Westen muss die jetzige Entwicklung ein Signal sein,
dass man sich unbedingt weiterhin intensiv um Russland und die
Konflikte im Osten Europas kümmern muss. Seit einem Jahr wirken die
wirtschaftlichen Sanktionen auf Russland ein, und sie wirken, wie man
sieht, entgegen den Parolen mancher Scharfmacher tatsächlich.
Zusammen mit den Minsker Konferenzen haben sie die Ukraine-Krise in
einen wackligen Schwebezustand überführt. An diesen Zustand darf man
sich keinesfalls gewöhnen. Zum einen, weil er nicht ewig halten wird.
Zum anderen, und auch das ist ein Teil der Wahrheit, weil man
Russland nicht bis ans Ende aller Tage demütigen kann. Wer
Lebensmittel verbrennt, der schreckt auch vor anderen Dingen nicht
zurück. Und am Ende werden die Falschen – die kleinen Leute in
Russland UND in der Ukraine – dafür bezahlen. Es muss jetzt
schleunigst wieder Bewegung geben, Verhandlungen über eine Lösung
nach Minsk. Ansonsten wird es so sicher wie das Amen in der Kirche
sein, dass Putin sein nächstes außenpolitisches Abenteuer startet, um
von seinen Problemen zuhause abzulenken.

Pressekontakt:
Allgemeine Zeitung Mainz
Werner Wenzel
Newsmanager
Telefon: 06131/485980
online-zentral@vrm.de

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