Allg. Zeitung Mainz: Doch / Kommentar zur Demonstration in Köln / Von Lars Hennemann

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Dem Philosophen Laotse wird folgender Satz
zugeschrieben: „Wahre Worte sind nicht immer angenehm, aber angenehme
Worte sind nicht immer wahr.“ Nun denn: Wer immer noch der Illusion
anhängt, es gäbe einen politisch ansprechbaren, liberalen Islam in
Deutschland, der darf jetzt offiziell ins Wolkenkuckucksheim
umziehen. Natürlich ist es aller Ehren wert, wenn sich 3000 Menschen
muslimischen Glaubens in Köln gegen die Vereinnahmung ihrer Religion
durch Fanatiker verwahren. Hut ab für jeden, der dort war. Aber was
sind 3000 Teilnehmer? Vor noch nicht einmal einem Jahr gingen an
gleicher Stelle fünfzehn mal so viele Menschen für den türkischen
Präsidenten Erdogan auf die Straße. In beiden Fällen zeigt sich die
Macht des Dachverbandes Ditib, der mit scheinheiligen Argumenten
hantiert. Kein Mensch islamischen Glaubens wurde durch den
Demonstrationsaufruf stigmatisiert. Vielmehr verhält es sich genau
anders herum: Mit der Kundgebung bestand die Gelegenheit, von der
Diskussion über „den Islam“ herunter zu kommen. Jetzt muss die
Debatte weiter gehen. Denn nicht nur Ditib verweigerte sich, sondern
auch viele nicht organisierte liberale Moslems. Auch sie hätten
Zeichen setzen können. Nicht nur gegen etwas, sondern vor allem für
die Werte, die sie vermutlich tatsächlich mit uns teilen: Freiheit
des Glaubens, des Wortes und Toleranz. Solange diese Hoffnung aber
keine weithin akzeptierte Gestalt und keine wirklichen
Ansprechpartner findet, muss der Satz, dass Islamismus und Islam
nichts miteinander zu tun

Pressekontakt:
Allgemeine Zeitung Mainz
Wolfgang Bürkle
Newsmanager
Telefon: 06131/485980
online@vrm.de

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