Allg. Zeitung Mainz: Kein Spaziergang / Kommentar zu SPD-Parteitag und Eurogegnern

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Wahlen gewinnt man nicht allein mit einer großen
Klappe. Hinter ihr muss zumindest hierzulande auch Kompetenz stecken,
am liebsten geballte. Erstere hat Peer Steinbrück zweifelsfrei,
letztere auch. Das hat er als Finanzminister in der Großen Koalition
unter Angela Merkel sehr wohl bewiesen. Doch Peer Steinbrück ist auch
einer, der sich oft genug nicht so im Griff hat, wie das sein
zackiger Auftritt vermuten lässt. Das dürfte die Wahlkampfstrategen
der SPD noch vor große Probleme stellen. Gestern ist Steinbrück vor
seine Genossen getreten und hat damit die Schlacht um die Macht
eröffnet. Viel Neues ist ihm indes nicht eingefallen, auch wenn er
sein Kernthema, den Kampf gegen die soziale Ungerechtigkeit nicht nur
lautstark ankündigte, sondern sehr wohl auch mit in der Tat
beschämenden Fakten untermauerte. Fakten, die beim Blick hinter die
Kulissen einer ökonomisch so exzellent dastehenden Nation wie
Deutschland eine Menge Handlungsbedarf erkennen lassen. Steinbrücks
Problem allerdings ist, dass eine deutliche Mehrheit der Bürger der
Kanzlerin weit mehr Kompetenz attestieren, diesen Handlungsbedarf
abzuarbeiten als ihm und seiner Partei. Sollte sich dies in den
kommenden Monaten nicht radikal ändern, werden weder die SPD noch ihr
Kandidat eine Chance haben, Angela Merkel aus dem Kanzleramt zu
vertrieben.

Der könnte allerdings von anderer Seite Ungemach drohen. Denn die
gestern gegründete Partei der Eurogegner will der schwarz-gelben
Koalition von rechts Druck machen. Auch wenn eine klare Mehrheit der
Deutschen ihre D-Mark-Nostalie längst abgelegt hat, die Turbulenzen
um die Rettung derer, die in Europa nach Einführung des Euro zulasten
vor allem auch von uns gelebt haben, verursachen bei vielen
hierzulande großes Unbehagen. Unbehagen, das den Angstschürern der
„Alternative für Deutschland“ am 22. September zumindest einen
Achtungserfolg bescheren könnte. Und da könnte der eine oder andere
am Ende bitter nötige Prozentpunkt verloren gehen, den Angela Merkel
braucht, um so weiter machen zu können wie bisher. Will sie also am
Abend des 22. September Rainer Brüderle und vor allem sich selbst zum
Sieg gratulieren, werden beide gut beraten sein, alle ihre Wähler –
denn in deren Reihen wollen die Euroabschaffer wildern – von der
Alternativlosigkeit des Euro zu überzeugen. Ein Spaziergang wird das
nicht.

Pressekontakt:
Allgemeine Zeitung Mainz
Florian Giezewski
Regionalmanager
Telefon: 06131/485817
desk-zentral@vrm.de

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