Allg. Zeitung Mainz: Popanz / Kommentar zu EU und Osteuropa

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Konrad Adenauer wird folgender Satz zugeschrieben:
„Ob wir gut leben, entscheidet die Innenpolitik. Ob wir leben die
Außenpolitik.“ In Westeuropa ist diese Maxime aus der Nachkriegszeit
vergessen. In Osteuropa nicht: In Georgien oder auf dem Balkan hat
sich der Mantel der Geschichte noch nicht über sie gelegt, in der
Ukraine ist sie aktuell bittere Realität. Die EU sollte sich also
genau überlegen, ob ein Kurs des „Allen wohl und niemand wehe“
wenigstens verstanden werden kann. Verstanden von denjenigen, die
sich so viel mehr erhoffen als warme Worte. Natürlich steckt allen
Verantwortlichen in Brüssel, Berlin, Paris oder Straßburg seit
anderthalb Jahren der Schrecken in den Knochen. Und natürlich ist es
nicht klug, Wladimir Putin ohne Not zu reizen. Allein, die Not ist
da. Die Union kann nicht unbegrenzt neue Mitglieder aufnehmen, aber
gegenüber der Ukraine ist sie in der Pflicht, wenigstens eine
konkrete Perspektive aufzuzeigen. Stattdessen sendet sie aus Riga ein
Signal der Ratlosigkeit. Moskaus Propaganda wird es zu einem der
Feigheit und Bedeutungslosigkeit umzudeuten wissen. Wird Europa auch
dann noch nur bedauernd mit den Achseln zucken, wenn der starke Mann
im Kreml auf Mariupol und damit auf dem Land zur Krim vorrücken
lässt? Es rächt sich bitter, dass die EU über Jahrzehnte zwar immer
weiter gewachsen ist, aber gleichzeitig verdrängt, dass Größe auch
politisches Gewicht bedeuten muss. Wladimir Putin hat das genau
begriffen. Europa hingegen weicht vor dieser Erkenntnis wieder einmal
zurück und wird für immer mehr Menschen, die wie wir einfach nur gut
leben wollen, vom Versprechen zum Popanz.

Pressekontakt:
Allgemeine Zeitung Mainz
Alexandra Maus
Newsmanagerin
Telefon: 06131/485980
amaus@vrm.de

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