Amtschef- und Agrarministerkonferenz / Tierärzteverband fordert faktenbasierte Entscheidungen zu Antibiotikaresistenzen

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Der Bundesverband Praktizierender
Tierärzte (bpt) begrüßt, dass bei der Amtschef- und
Agrarministerkonferenz am 13. – 15. April in Göhren-Lebbin erneut
über Wege und Strategien zur Lösung des wichtigen Themas der
Antibiotikaresistenzen beraten wird. Das hat bpt-Präsident, Dr.
Siegfried Moder, vergangene Woche in einem Schreiben an die
Landwirtschaftsminister von Bund und Ländern hervorgehoben.

Unverständlich sei jedoch laut Moder, dass seitens einiger
Bundesländer Maßnahmen zur Minimierung des Antibiotikaeinsatzes, wie
die Abschaffung von Mengenrabatten und Einführung von Festpreisen,
gefordert würden, die am eigentlichen Kern des Problems vorbeigingen.
Wider besseres Wissen werde sogar erneut die Abschaffung von Rabatten
mit dem tierärztlichen Dispensierrecht verknüpft. „Nicht nur die
durch das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation
nachgewiesene, deutliche Reduzierung der Antibiotikamengen, auch die
jüngsten Veröffentlichungen des Bundesamts für Verbraucherschutz und
Lebensmittelsicherheit zum Rückgang der Zahlen zum betrieblichen
Therapiehäufigkeitsindex belegen deutlich, dass wir mit der 16.
AMG-Novelle auf dem richtigen Weg sind,“ erläutert der bpt-Präsident.

Eine noch weitere Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes in der
Landwirtschaft werde nach Auffassung des Verbandes nur möglich sein,
wenn das Antibiotikum im Verhältnis zu möglichen Alternativen, wie
Investitionen in Haltung, Hygiene, Fütterung oder
Tiergesundheitsberatung durch den Tierarzt, wesentlich verteuert
würde. „Die Abschaffung von Mengenrabatten wird im Verhältnis dazu
keinen nennenswerten Beitrag leisten“, betont Moder. „Ganz im
Gegenteil: In Frankreich hat sich gezeigt, dass das Rabattverbot
sogar zu einer Verbilligung der Antibiotika geführt hat.“

Auch der Vorschlag zur Einführung von Festpreisen sei schwer
umsetzbar, glaubt der Verbandspräsident. Es sei zwar richtig, dass es
im Bereich der verschreibungspflichtigen Humanarzneimittel Festpreise
gebe, diese würden jedoch zwischen den pharmazeutischen Unternehmen
und den Krankenkassen ausgehandelt. Ein solches System fehle in der
Tiermedizin. Der Aufbau einer entsprechenden Verwaltung, vor allem
einer effektiven Kontrolle, würde zu einer nicht unerheblichen
finanziellen Belastung der staatlichen Haushalte führen.

Als völlig inakzeptabel bezeichnet Moder die wiederholte
Verquickung der Abschaffung von Rabatten mit dem tierärztlichen
Dispensierrecht. „Erst in 2014 hat das Bundesministerium für
Ernährung und Landwirtschaft ein unabhängiges Gutachten vorgelegt,
das sehr klar zeigt, dass die Vorteile des Dispensierrechts die
Nachteile bei weitem überwiegen“, erklärt er. In dem sich
anschließenden Fachdiskurs, in den alle gesellschaftlich relevanten
Gruppen einschließlich Länder und NGOs mit einbezogen waren, wurde
deutlich, dass es nur wenige Argumente gegen das Dispensierrecht
gibt. Einzig Fragen der Preisgestaltung für Tierarzneimittel wurden
kritisch beleuchtet und verschiedene Möglichkeiten zu deren
Modifikation, wie die Rabattierung, angesprochen. Als Alternativen
wurden die Einführung einer Steuer oder von Mindestpreisen
vorgeschlagen. Beide Varianten wären aus Sicht des Verbandes deutlich
besser geeignet, um Antibiotika teurer zu machen und damit den Anreiz
zu deren Anwendung zu reduzieren. Auch rechtlich dürfte es einfacher
sein, das Höchstpreissystem der Arzneimittelpreisverordnung auf ein
Mindestpreissystem umzustellen.

Überdies verweist Moder auf die vom Bundesministerium beauftragte
Studie, die untersuchen soll, ob und gegebenenfalls welchen Einfluss
die Rabatte auf die Entstehung von Antibiotikaresistenzen und welche
Auswirkungen deren Abschaffung damit für Tierärzte, Landwirtschaft
und die pharmazeutische Industrie haben. Um in dieser Sache zu einer
faktenbasierten Entscheidung zu kommen, fordert Moder von den
Landwirtschaftsministern, die Ergebnisse dieser Studie abzuwarten wie
auch die aufgezeigten Argumente bei den anstehenden Beratungen zu
berücksichtigen.

Pressekontakt:
Bundesverband Praktizierender Tierärzte e. V
Referat Kommunikation
Hahnstr. 70
60528 Frankfurt/M.

Ansprechpartner:
Astrid Behr
T. 069/669818-15
Fax 069/669818-55
E-Mail: bpt.behr@tieraerzteverband.de

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