Archäologie belebt Uhldingen zur Winterszeit

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Archäologie fasziniert die Menschen. Das zeigten die über 500 Personen, die am Nikolaustag zum ?Tag der Offenen Tür? nach Unteruhldingen ins Pfahlbaumuseum strömten. Anlass war ein Adventscafé, begleitet von der Sonderausstellung ?23 plus – Archäologie im Bodenseekreis?.  Bei der Ausstellung handelt es sich um ein besonderes Projekt zur Regionalgeschichte: Am Anfang standen 23 Kleinstausstellungen, die im September und Oktober  in Volksbanken, Rathäusern und Sparkassen in jedem Ort des Bodenseekreises gezeigt wurden.  Hier konnten die  archäologischen Schätze von Jedermann betrachtet werden. Es folgte rund ein halbes Dutzend Vorträge in den Gemeinden des Bodenseekreises (die Zeitung berichtete). Abschließend galt es, bei einem ?Tag der Offenen Tür? im Pfahlbaumuseum den Heimat- und Geschichtsvereinen und der Bevölkerung zu zeigen, welche reiche Geschichte vor unserer Haustür liegt  ? und viele kamen.
10.000 Jahre Geschichte, verpackt in spannende Geschichten, waren Thema des Nachmittags. An Erzählstationen konnte Ort für Ort längst vergangenes Leben für kurze Zeit wieder erhellt werden. Die Studenten der Universität Tübingen und die Archäologen des Museums standen zu Scherben, Schmuck, Siedlungen und aufgedeckten Gräbern Rede und Antwort. Mitgebrachte Funde konnten bestimmt, noch unbekannte Fundstellen notiert werden. Das von den Forschern des Museums angestoßene Experiment einer dezentralen Betrachtung von Geschichte im Raum trug erste Früchte. Wenn das Interesse der Bürger geweckt wird, dann ergeben sich daraus neue Ansätze einer regionalen Geschichtsforschung am Bodensee, die ? mit Ausnahme der Pfahlbauten ? mehr als 100 Jahre brach lag. Am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Uni Tübingen entstehen derzeit erste Abschlussarbeiten mit Funden aus Neukirch, Salem und Überlingen unter der wissenschaftlichen Betreuung von Museumsdirektor Gunter Schöbel. Auch Überlegungen, die frühe Geschichte an den Originalorten zu zeigen, fanden großen Anklang. Manche Gemeinden planen Kleinausstellungen in Bibliotheken, Rathäusern und Schulen ? teils auch mit Kopien der Originalstücke, wenn diese Schätze von den großen Museen nicht entliehen werden können. Heimat- und Geschichtsvereine sind an weiteren Vorträgen oder an der Übernahme von Texten und Funden für ihre eigenen Heimatmuseen interessiert. Doch schon jetzt hat das Projekt die Bodenseegeschichte bereichert: Ein 7000 Jahre alter Eichenstamm aus Lindau ist neu bekannt geworden. Er ist der älteste bekannte Baumstamm am Bodensee. Mit über 5 Tonnen Gewicht ist er zugleich der schwerste aller neu entdeckten Funde. Eine Feuersteinklinge aus Überlingen-Bambergen mit nur wenigen Gramm ist der leichteste Neufund.  Der Verein für Pfahlbau- und Heimatkunde Unteruhldingen und das Pfahlbaumuseum sind gespannt, was sich aus diesem Experiment einer Geschichtsforschung unter Bürgerbeteiligung am Bodensee noch ergeben wird.  Auf jeden Fall etwas mehr Leben im Ort im Winterhalbjahr und spannende neue Erkenntnisse zur heimischen Geschichte ? so der Wunsch einer Anwohnerin, die gerne bei Ausgrabungen teilnehmen würde. Bis 22.12. kann die Ausstellung von Montag bis Freitag um 14 Uhr im Rahmen einer Sonderführung besichtigt werden, um 14.30 startet ein Rundgang durch die Pfahlbauten. Das Museum und die Ausstellung sind über die Feiertage am 26. -27.12., 1.1. und 3.1. jeweils von 10-16 Uhr geöffnet. Infos unter www.23plus.org und www.pfahlbauten.de

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