Armuts- und Reichtumsbericht / Nahles Interpretation der Lohnspreizung istärmlich

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Ein zentraler Befund des aktuellen Armuts- und
Reichtumsberichts ist ein Rückgang der Reallöhne bei den unteren 40
Prozent der abhängig Beschäftigten gegenüber 1995. Die Initiative
Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) verweist darauf, dass dies in
erster Linie durch die Integration von Millionen Arbeitslosen und
Zuwanderern in den Arbeitsmarkt zu erklären ist. Diese
Arbeitsmarkterfolge dürfen nicht durch neue Regulierungen zunichte
gemacht werden.

Die Bundesregierung hat heute den Fünften Armuts- und
Reichtumsbericht im Kabinett beschlossen. Bundesarbeitsministerin
Andrea Nahles hebt immer wieder hervor, dass sie die im Vergleich zu
1995 gesunkenen realen Bruttostundenlöhne in den unteren vier
Zehnteln der abhängig Beschäftigten für einen der zentralen
besorgniserregenden Befunde des Berichts hält und fordert deshalb
einen „Pakt für anständige Löhne“.

Die INSM weist darauf hin, dass diese Interpretation der Zahlen
aus mehreren Gründen in die Irre führt:

Erstens lassen sich die Jahre 1995 und 2015 kaum seriös
vergleichen. Deutschland hat seit 1995 5 Millionen abhängig
Beschäftigte dazugewonnen, davon 4 Millionen allein seit dem
Inkrafttreten des Hartz-IV-Gesetzes. Die Zahl der Arbeitslosen ist
heute um knapp 1 Million niedriger als 1995 und sogar um gut 2
Millionen niedriger als 2005. Außerdem arbeiten in Deutschland
mittlerweile sehr viel mehr Zuwanderer als vor zwanzig Jahren,
beispielsweise aus den osteuropäischen EU-Ländern. Die betrachteten
Einkommensgruppen sind also mit anderen Menschen besetzt. In den
unteren Lohnzehnteln finden sich vor allem viele Geringqualifizierte,
die zuvor arbeitslos waren und erst dank der Arbeitsmarktreformen
eine Stelle gefunden haben. „Die Situation dieser Menschen hat sich
nicht verschlechtert, sondern verbessert, nämlich vom
Arbeitslosenunterstützungsempfänger zum Lohnbezieher“, betont
INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr.

Zweitens sind die Reallöhne auch im unteren Bereich in der
jüngeren Vergangenheit wieder gestiegen, und zwar stärker als die
höheren Löhne, wodurch sich die Lohnspreizung sogar wieder verringert
hat. Zu diesem Ergebnis kommt eine ganze Reihe von Studien. Eine
aktuelle Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln zum
Niedriglohnsektor (weniger als zwei Drittel des mittleren
Stundenlohns, derzeit rund 10 Euro) hat ergeben, dass dessen Anteil
an allen Beschäftigten seit 2007 mit nur leichten Schwankungen nahezu
konstant ist und zuletzt im Jahr 2015 bei 21,7 Prozent lag.

Dass die Unternehmen in Deutschland heute so viel mehr Menschen
beschäftigen als vor zehn Jahren, darunter viele im
Niedriglohnsektor, ist ein Erfolg der Liberalisierung des
Arbeitsmarkts. Und immerhin ein Viertel der Niedriglohnbezieher im
Jahr 2014 hatte 2015 den Sprung in eine höhere Einkommensklasse
geschafft. „Die Grundlage für höhere Löhne kann nur eine bessere
Ausbildung sein“ so Hubertus Pellengahr. „Nur wenn sich die
Chancengerechtigkeit erhöht und auch Kinder aus bildungsfernen
Elternhäusern ein höheres Qualifikationsniveau erreichen, können die
Löhne in Deutschland substanziell steigen. Hier besteht im
Bildungssystem nach wie vor Handlungsbedarf.“

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ist ein
überparteiliches Bündnis aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.
Sie wirbt für die Grundsätze der Sozialen Marktwirtschaft in
Deutschland und gibt Anstöße für eine moderne marktwirtschaftliche
Politik. Die INSM wird von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und
Elektro-Industrie finanziert.

Pressekontakt:
Tel. 030 27877-171; presseservice@insm.de

Original-Content von: Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), übermittelt durch news aktuell

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