Armutsbericht 2016: Verbände kritisieren anhaltend hohe Armut und fordern von Bundesregierung sozial- und steuerpolitischen Kurswechsel

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Ein Verharren der Armutsquote in Deutschland auf
hohem Niveau beklagt der Paritätische Wohlfahrtsverband in seinem
aktuellen Armutsbericht, der erstmals in erweiterter Form und unter
Mitwirkung weiterer Verbände und Fachorganisationen erscheint.
Während in neun Bundesländern die Armutsquoten 2014 gesunken seien,
belegt der Bericht einen Anstieg der Armut in den bevölkerungsreichen
Bundesländern Bayern und Nordrhein-Westfalen. Hauptrisikogruppen
seien Alleinerziehende und Erwerbslose sowie Rentnerinnen und
Rentner, deren Armutsquote rasant gestiegen sei und erstmals über dem
Durchschnitt liege. Die Herausgeber sehen daher auch keinerlei Anlass
zur Entwarnung und fordern von der Bundesregierung einen sozial- und
steuerpolitischen Kurswechsel, um dringend notwendige Maßnahmen zur
Armutsbekämpfung auf den Weg zu bringen.

Das gute Wirtschaftsjahr 2014 habe zu keinem nennenswerten
Rückgang der Armutsquote in Deutschland geführt. Die Armut verharre
mit 15,4 Prozent auf hohem Niveau, so der Bericht. Die Armutsquote
sei zwar von 2013 auf 2014 um 0,1 Prozentpunkte gesunken. Ob der
Negativtrend seit 2006, als die Armutsquote noch 14 Prozent betrug,
damit gestoppt sei, sei jedoch offen. Während es insbesondere in
Berlin und Mecklenburg-Vorpommern signifikante Rückgänge der
Armutsquoten gegeben habe, setze sich der Negativtrend in
Nordrhein-Westfalen ungebrochen fort. Das Ruhrgebiet bleibe mit Blick
auf Bevölkerungsdichte und Trend die armutspolitische Problemregion
Nummer Eins in Deutschland. Seit 2006 sei die Armutsquote im
Ruhrgebiet um 27 Prozent angestiegen auf einen neuen Höchststand von
20 Prozent. Die am stärksten von Armut betroffenen Gruppen sind nach
dem Bericht Erwerbslose (58 %). Auch die Kinderarmutsquote (19 %)
liegt nach wie vor deutlich über dem Durchschnitt, wobei die Hälfte
der armen Kinder in Haushalten Alleinerziehender lebt. Die
Armutsquote Alleinerziehender liegt bei sogar 42 %, was u.a. an
systematischen familien- und sozialpolitischen Unterlassungen liegt.
Alarmierend sei die Entwicklung insbesondere bei Rentnerhaushalten.
Erstmalig seien sie mit 15,6 Prozent überdurchschnittlich von Armut
betroffen. Die Quote der altersarmen Rentnerinnen und Rentner sei
seit 2005 um 46 Prozent und damit so stark angewachsen wie bei keiner
anderen Bevölkerungsgruppe. Ergänzend zu den empirischen Befunden
beleuchten die Experten in dem Bericht auch umfassend die Lebenslagen
einzelner nach der Statistik überdurchschnittlich von Armut
betroffener Personengruppen wie bspw. Kinder oder Migrantinnen und
Migranten, sowie derjenigen, die bisher gar nicht von der Statistik
erfasst werden, wie Obdachlose oder Flüchtlinge.

Herausgeber des Armutsberichts sind Der Paritätische
Gesamtverband, das Deutsche Kinderhilfswerk, der Volkssolidarität
Bundesverband, die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe, der
Deutsche Kinderschutzbund, der Verband alleinerziehender Mütter und
Väter, der Bundesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte und die
Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie. PRO ASYL hat sich
zudem mit seiner flüchtlingspolitischen Expertise in die Erstellung
des Berichts eingebracht. Die Herausgeber verstehen den gemeinsamen
Bericht als „parteiisch und aufklärerisch im besten Sinne“ und
erklären: „Wir sind Verbände und Fachorganisationen, die die
Lebenslagen der Betroffenen kennen und ihnen mit diesem Bericht eine
Stimme geben wollen. Wir wissen, wovon wir reden und was Armut in
Deutschland bedeutet. Es ist Zeit für eine Sozialpolitik, die
wirklich alle Menschen mitnimmt und keinen zurück lässt. Es ist Zeit
für einen sozial- und steuerpolitischen Kurswechsel, um Armut zu
bekämpfen und eine Verringerung sozialer Ungleichheit zu erreichen.“
Für den 7. und 8. Juli 2016 kündigen die Herausgeber als nächste
gemeinsame Aktion einen großen armutspolitischen Hauptstadtkongress
an, für den bereits weitere Mitveranstalter wie u.a. der DGB gewonnen
werden konnten.

Den Bericht, Pressestatements und eine detaillierte Suchfunktion
nach Postleitzahlen finden Sie im Internet unter:
www.der-paritaetische.de/armutsbericht Details zum Armutskongress am
7. und 8. Juli 2016 in Berlin unter: www.armutskongress.de

Pressekontakt:
Gwendolyn Stilling, Der Paritätische Gesamtverbande, Tel.
030/24636305, e-Mail: pr@paritaet.org

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