Armutsbericht: Unterschiede bei Lebenserwartung nehmen zu

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Die Unterschiede in der Lebenserwartung von armen
und wohlhabenden Menschen in Deutschland vergrößern sich weiter. Dies
ist eine der Feststellungen des jährlichen Armutsberichtes des
Paritätischen Wohlfahrtsverbandes und anderer Sozialverbände, der am
Donnerstag, 2. März, in Berlin vorgestellt wird.

Der Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Prof. Rolf
Rosenbrock, erklärt im NDR-Politikmagazin „Panorama“ im Ersten
(Sendung: Donnerstag, 2. März, 21.45 Uhr): „Die Lebenserwartung
steigt für die wohlhabenden Menschen in jedem Jahr stärker als für
die ärmeren Menschen, und deshalb vergrößert sich der Abstand. Die
Schere geht weiter auseinander.“ Laut einer Studie des Robert
Koch-Instituts (RKI) sterben Männer, die an oder unter der
Armutsgrenze leben, im Schnitt 10,8 Jahre früher als wohlhabende
Männer. Bei Frauen beträgt die Differenz ca. acht Jahre. Der
Untersuchung zufolge haben arme Männer eine durchschnittliche
Lebenserwartung von 70,1 Jahren, wohlhabende Männer von 80,9 Jahren.
Bei Frauen liegen die Zahlen bei 76,9 Jahren bzw. 85,3 Jahren. Als
Gründe für die immensen Unterschiede nannte Rosenbrock ein
riskanteres Gesundheitsverhalten in Bezug auf Ernährung, Bewegung,
Rauchen und Alkohol. Dies erkläre jedoch nur die Hälfte des
Unterschieds. Prof. Rosenbrock: „Die Menschen sterben auch früher,
weil sich der psychische Druck durch die insgesamt beengte
Lebenssituation und meist auch schlechtere Arbeitsbedingungen oder
auch durch Arbeitslosigkeit negativ auf das eigene Leben und die
Möglichkeiten der Teilhabe auswirkt.“

Die Unterschiede zwischen Armen und Wohlhabenden fallen gerade in
Bezug auf schwerwiegende chronische Erkrankungen wie Herzinfarkt,
Schlaganfall, Diabetes mellitus oder chronisch-obstruktive
Lungenerkrankung deutlich aus. „Wir können davon ausgehen, dass das
Risiko, an diesen Erkrankungen zu erkranken, zwei bis drei Mal höher
ist bei Personen, die von Armut betroffen sind“, so Dr. Thomas
Lampert vom Robert Koch-Institut.

Im Bereich der gesetzlichen Rente führe dies de facto zu einer
Umverteilung von unten nach oben, so Rosenbrock: „Die armen Menschen,
die ihr Leben lang Beiträge zur Rentenversicherung bezahlt haben und
dann im Durchschnitt vielleicht noch vier, fünf Jahre die Rente
genießen können, finanzieren im Grunde genommen die Rente der
wohlhabenderen, länger lebenden mit. Und das ist, wenn man genau
hinguckt, natürlich ein sozialpolitischer Skandal erster Güte.“

Die Auswirkungen von Armut auf Gesundheit und Lebenserwartung sind
zum ersten Mal Thema im sogenannten „Armutsbericht“ des Paritätischen
Gesamtverbandes. Die Studie des RKI basiert auf der
Gesundheitsberichterstattung des Bundes sowie laufenden Erhebungen
des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Mehr zur Sendung
unter www.panorama.de

Pressekontakt:
Norddeutscher Rundfunk
Presse und Information
Iris Bents
Tel.: 040/4156-2304

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