Ärzte ohne Grenzen: EU muss dringend legale Fluchtwege nach Europa schaffen Jahresbilanz 2014: Spendeneinnahmen mit 113 Millionen Euro so hoch wie noch nie

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Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hat die
EU-Staaten aufgefordert, legale Fluchtwege nach Europa zu schaffen
und eine umfassende Seenotrettung im Mittelmeer zu gewährleisten. Bei
der Jahrespressekonferenz in Berlin einen Tag vor dem
Weltflüchtlingstag appellierte Florian Westphal, Geschäftsführer von
Ärzte ohne Grenzen in Deutschland, an die Bundesregierung,
Konsequenzen aus den zahlreichen Todesfällen im Mittelmeer zu ziehen.

„Menschen, die fliehen müssen, müssen fliehen können“, sagte
Westphal, der gerade von einem Projektbesuch auf Sizilien
zurückgekehrt ist. „Die EU muss ihre derzeitige Politik drastisch
ändern. Die europäischen Staaten zeigen vereinten politischen Willen
darin, Schleuser zu bekämpfen und die Boote zu versenken, statt sich
auf die Menschen in den Booten zu konzentrieren. Deutschland als
einflussreiches Mitglied der EU muss dafür sorgen, dass die
Vermeidung weiterer Todesfälle zur Priorität gemacht wird.“

Ärzte ohne Grenzen ist auf drei Rettungsschiffen mit medizinischen
Teams an Bord im südlichen Mittelmeer im Einsatz. Sie haben seit
Anfang Mai mehr als 3.800 Menschen aus Seenot gerettet.

In Bezug auf den Ebola-Ausbruch in Westafrika warnt Ärzte ohne
Grenzen vor einem möglichen Wiederaufflammen der Epidemie. „Die
Situation bleibt besorgniserregend“, sagte Volker Westerbarkey,
Vorstandsvorsitzender von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland. „Seit
Anfang Mai wurden in Guinea und Sierra Leone mehrfach Neuinfektionen
in Gebieten entdeckt, in denen mehrere Wochen lang keine Fälle
bekannt waren. Das deutet auf bislang unbekannte Übertragungsketten
hin. Die Welt muss aufpassen, dass sie Ebola nicht noch einmal
unterschätzt.“

Ärzte ohne Grenzen ist weiterhin mit mehr als 1.900 Mitarbeitern
in Westafrika im Einsatz und betreibt drei Ebola-Behandlungszentren.
Insgesamt haben die Teams der Organisation seit Beginn der Epidemie
in 17 Behandlungseinrichtungen mehr als 9.000 Patienten mit Verdacht
auf eine Ebola-Infektion aufgenommen, von denen sich mehr als 5.000
infiziert hatten. Etwa die Hälfte von ihnen hat überlebt.

Die privaten Spenden und Zuwendungen an Ärzte ohne Grenzen in
Deutschland sind im Jahr 2014 um 38 Prozent auf den Rekordwert von
113,4 Millionen Euro angestiegen. Die Ausgaben für die Projekte waren
mit 97,3 Millionen Euro ebenfalls um ein Drittel höher als im
Vorjahr. Die Länder mit den größten Anteilen waren die Demokratische
Republik Kongo, der Südsudan und die Zentralafrikanische Republik.
Die Einnahmen insgesamt lagen bei 121,1 Millionen Euro, die Ausgaben
bei 111,5 Millionen Euro.

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0163 8808 405
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