Ärzte ohne Grenzen nimmt Rettungsaktivitäten im zentralen Mittelmeer wieder auf

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Ärzte ohne Grenzen hat am Wochenende die
Such- und Rettungsaktivitäten im zentralen Mittelmeer wieder
aufgenommen. Das Schiff Dignity 1 der internationalen
Hilfsorganisation war am Sonntag bereits an der Rettung von 308
Menschen beteiligt. In den kommenden Wochen wird Ärzte ohne Grenzen
die Hilfe mit zwei weiteren Schiffen ausbauen. Für Menschen auf der
Flucht gibt es nach wie vor keine sicheren und legalen Wege nach
Europa. Die Gewässer zwischen Libyen und Italien sind derzeit der
einzige Weg auf den europäischen Kontinent. 2015 sind laut
Internationaler Organisation für Migration im zentralen Mittelmeer
2.892 Männer, Frauen und Kinder ertrunken.

„Als wir 2015 unsere Such- und Rettungsaktion gestartet haben,
haben wir das Mittelmeer als Massengrab bezeichnet“, sagt Joanne Liu,
internationale Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen. „Seitdem hat sich
kaum etwas verändert. Vor den Krisen und Konflikte auf der ganzen
Welt fliehen weiterhin Millionen Menschen. Das Fehlen einer globalen
Lösung für die aktuelle Flüchtlingskrise, die Abschreckungspolitik
der europäischen Staaten sowie ihre Weigerung, Alternativen zur
tödlichen Fahrt über das Meer zu bieten, werden weiterhin Tausende
töten. Als humanitäre Helfer weigern wir uns, dabei von der Küste aus
zuzusehen.“

Die 50 Meter lange Dignity 1 hat den Hafen von Valletta auf Malta
am 21. April verlassen. Das Schiff, das 400 Menschen aufnehmen kann,
hat eine 16-köpfige Besatzung, einschließlich erfahrener
medizinischer Mitarbeiter. Es wird sich in den Gewässern nördlich von
Libyen aufhalten und aktiv nach Booten in Seenot suchen. Bei der
ersten Rettung am Sonntag wurden 205 Männer, 80 Frauen und 23 Kinder,
hauptsächlich aus Eritrea, von einem italienischen Rettungsboot
übernommen. Die Dignity 1 ist jetzt auf dem Weg nach Sizilien, wo die
Geretteten von Bord gehen werden.

In den kommenden Wochen werden zwei weitere größere Boote von
Ärzte ohne Grenzen ins Mittelmeer aufbrechen. Die Teams an Bord
leisten medizinische Nothilfe. Zudem können sie Dehydrierung,
Verbrennungen durch Treibstoff, Unterkühlung und Hautkrankheiten
behandeln, die sich bei den Einsätzen im Jahr 2015 als dringendste
medizinische Bedürfnisse herausgestellt haben. Ärzte ohne Grenzen
leistet zudem erste psychologische Hilfe. „Flüchtlinge und Migranten
suchen nach einem sicheren und besseren Leben. Es ist inakzeptabel,
sie wie Kriminelle zu behandeln oder – noch schlimmer – sie auf dem
Meer sterben zu lassen. Die europäischen Staaten müssen sichere
Alternativen zu den Meeresüberquerungen schaffen, proaktiv nach
Booten in Seenot suchen und die Menschen retten, statt sich auf
Abschreckung und Überwachung zu konzentrieren“, fordert Liu.

2015 haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen mit drei
Rettungsschiffen im zentralen Mittelmeer mehr als 23.000 Menschen in
120 Rettungsaktionen aus Seenot geborgen. Im Ägäischen Meer nördlich
der Insel Lesbos hat Ärzte ohne Grenzen in Partnerschaft mit
Greenpeace mehr als 14.000 Menschen gerettet, die von der Türkei nach
Griechenland flüchteten. Insgesamt haben Teams von Ärzte ohne Grenzen
im vergangenen Jahr auf dem zentralen Mittelmeer, dem Ägäischen Meer
sowie in Griechenland, Italien und den Balkanstaaten mehr als 100.000
Menschen medizinisch versorgt.

Aktuelle Informationen zur Situation auf dem Mittelmeer bei
Twitter: @MSF_Sea

Pressekontakt:
Pressestelle: Christiane Winje, 030 700 130 240,
christiane.winje@berlin.msf.org,
www.aerzte-ohne-grenzen.de, Twitter: msf_de

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