Aus drei mach eins – das Ende der Altenpflege / Gesundheits- und Familienministerium legen Arbeitsentwurf eines Gesetzes zur Pflegeausbildung vor

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Lange war es strittig zwischen den Ministerien,
jetzt haben Gesundheits- und Familienministerium den Ländern einen
Arbeitsentwurf eines Gesetzes zur Zusammenlegung, Neustrukturierung
und Akademisierung der Pflegeberufe vorgelegt. Die drei Ausbildungen
Krankenpflege, Altenpflege und Kinderkrankenpflege sollen vereint
werden; es soll nur noch einen gemeinsamen Abschluss als
„Pflegefach-frau“ oder „Pflegefachmann“ geben. „Damit wird die
Altenpflege in Deutschland abgeschafft“, befürchtet Bernd Meurer,
Präsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste
(bpa). „Aus drei Ausbildungen, die jede für sich bisher drei Jahre
dauert, soll jetzt eine werden, die auch nur drei Jahre dauert. Wie
soll das möglich sein ohne einen massiven Kompetenzverlust?“

Nach Ansicht des bpa-Präsidenten droht damit eine Verflachung des
Wissens, an-statt die geriatrische Kompetenz des Altenpflegeberufs zu
stärken. Außerdem bleibt es offensichtlich – wie von einer
Bund-Länder-Arbeitsgruppe vorgeschlagen – bei der Halbierung der
Einsatzzeit in der Praxis der Altenpflegeeinrichtungen.
„Pflege-Azubis werden weniger Praxiserfahrungen machen und weniger
als bisher lernen können“, so Meurer. „Die ausbildungswilligen
Pflegeeinrichtungen sehen sich einem Bürokratiemonster ausgesetzt und
müssen zudem diverse Kooperationsverträge schließen, sind für die
Schulplätze verantwortlich und müssen für alle Praxiseinsätze bis hin
zu deren Finanzierung Sorge tragen. Obendrein müssen sie das volle
finanzielle Risiko tragen und sich an einem komplizierten
Umlagefonds beteiligen.“

Über diesen komplizierten Fonds sollen auch die laufenden
Schulkosten bestritten werden, die bisher Ländersache sind. An diesem
Fonds muss sich auch die Pflegeversicherung beteiligen. „Hier soll
sich eine Sozialversicherung an den Schul-kosten der Länder
beteiligen. Das ist skandalös!“, sagt Meurer. „Das ist genauso, als
wenn die Arbeitslosenversicherung herangezogen würde, um die
Berufsschulen für die Schlosser zu finanzieren. Wir sagen: Hände weg
von der Pflegeversicherung, wir brauchen das Geld, um die Leistungen
für die Pflegebedürftigen zu finanzieren. Diese Zweckentfremdung wird
sich in Zeiten steigender Sozialhilfe-ausgaben rächen, der
Sozialhilfeträger wird noch früher zum Ausfallbürgen“, so Bernd
Meurer.

Die Kritik des bpa entzündet sich auch daran, dass die genauen
Inhalte der Ausbildung nicht in dem Gesetz stehen. Diese sollen erst
später durch eine Fachkommission erarbeitet werden. Diese wird vom
Bundesfamilienministerium und vom Bundesgesundheitsministerium
benannt und deren Ergebnisse sind von diesen zu genehmigen. „So
bleibt der Gesetzentwurf eine Black Box, bei der wesentliche In-halte
der Ausbildung später durch die Ministerien außerhalb des Gesetzes
festgelegt werden. Das Parlament hat dann keinen Einfluss mehr
darauf, ob und was von den Inhalten der Altenpflege übrig bleibt“,
sagt der bpa-Präsident.

Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa)
bildet mit mehr als 8.500 aktiven Mitgliedseinrichtungen die größte
Interessenvertretung privater Anbieter sozialer Dienstleistungen in
Deutschland. Einrichtungen der ambulanten und (teil-)stationären
Pflege, der Behindertenhilfe und der Kinder- und Jugendhilfe in
privater Trägerschaft sind im bpa organisiert. Die Mitglieder des bpa
tragen die Verantwortung für rund 260.000 Arbeitsplätze und circa
20.000 Ausbildungsplätze (siehe www.youngpropflege.de oder auch
www.facebook.com/Youngpropflege). Das investierte Kapital liegt bei
etwa 20,6 Milliarden Euro.

Pressekontakt:
Für Rückfragen: Herbert Mauel, Bernd Tews, Geschäftsführer, Tel.:
030/30 87 88 60, www.bpa.de

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