Auszubildende werden knapp: Hilferuf aus der Altenpflege / bpa: Brandenburg muss folgenschweres Pflegeberufsgesetz im Bundesrat stoppen

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„Mit Einführung der geplanten generalistischen
Pflegeausbildung müssten wir die Ausbildung in unserem Dienst
einstellen.“ Mit klaren Worten sendet Simone Leske, Betreiberin eines
ambulanten Pflegedienstes in Eisenhüttenstadt und Mitglied im
Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa), einen
Hilferuf an die brandenburgische Landesregierung. „Wenn das
Pflegeberufsgesetz tatsächlich eingeführt wird und Altenpflege,
Krankenpflege und Kinderkrankenpflege zusammengelegt werden, können
kleine Pflegebetriebe die Ausbildung nicht mehr leisten.“ Damit
würden flächendeckend Ausbildungsplätze verloren gehen.

Mit dem Pflegeberufsgesetz plant die Bundesregierung einen
einheitlichen Ausbildungsgang für die drei bisher eigenständigen
Pflegefachberufe. Am 26. Februar 2016 befasst sich der Bundesrat mit
dem entsprechenden Entwurf. Die Bundesländer könnten deutlichen
Protest einlegen. „Das Land Brandenburg muss sicherstellen, dass es
bei uns auch in Zukunft genügend Ausbildungsplätze und gut
ausgebildete Altenpflegefachkräfte gibt; ansonsten gerät die
pflegerische Versorgung im Land in Gefahr“, warnt die
brandenburgische bpa-Landesvorsitzende Ellen Fährmann. Engagiere sich
die Landesregierung nicht für einen Stopp des Pflegeberufsgesetzes,
sei sie für künftige Personalprobleme in der ambulanten und
stationären Altenpflege mitverantwortlich.

Besondere Sorge macht den Pflegeunternehmen in Brandenburg die
künftig deutlich verkürzte praktische Ausbildung in der Altenpflege.
Weil alle Azubis auch Praktika in der Krankenpflege, der
Kinderkrankenpflege und sogar der Psychiatrie durchlaufen müssten,
werde die Zeit der praktischen Anleitung im Pflegedienst oder im
Pflegeheim halbiert, sorgt sich Betreiberin Simone Leske.

Leske kritisiert aber auch die grundsätzliche Idee einer
Zusammenlegung der drei Pflegeberufe: „Die Inhalte aller drei
Ausbildungsberufe unterscheiden sich deutlich – besonders in der
Praxis – und sind nur bedingt miteinander vereinbar.
Krankenschwestern sind für die Akutpflege, die Behandlungspflege und
die Unterstützung der Ärzte besonders qualifiziert. Wird die
Ausbildung wie geplant an deren Ausbildungsinhalte ausgerichtet,
kommen Schwerpunkte der Altenpflege wie die Betreuung, die
Pflegeplanung, die Betreuung demenziell Erkrankter oder die
sozialpflegerischen Aufgaben unter die Räder. Zukünftige
Pflegefachkräfte sind weder theoretisch noch praktisch auf die
Altenpflege und die Versorgung dieser wachsenden Gruppe richtig
vorbereitet – eine Katastrophe für die pflegebedürftigen Menschen,
die Pflegedienste und Pflegeheime und ebenso für die künftigen
sogenannten Fachkräfte.“

Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa)
bildet mit mehr als 9.000 aktiven Mitgliedseinrichtungen (davon rund
300 in Brandenburg) die größte Interessenvertretung privater Anbieter
sozialer Dienstleistungen in Deutschland. Einrichtungen der
ambulanten und (teil-)stationären Pflege, der Behindertenhilfe und
der Kinder- und Jugendhilfe in privater Trägerschaft sind im bpa
organisiert. Die Mitglieder des bpa tragen die Verantwortung für rund
275.000 Arbeitsplätze und circa 21.000 Ausbildungsplätze (siehe
www.youngpropflege.de oder auch www.facebook.com/Youngpropflege). Das
investierte Kapital liegt bei etwa 21,8 Milliarden Euro.

Pressekontakt:
Für Rückfragen: Sabrina Weiss, Landesreferentin Brandenburg, Tel.
030/338 47 52 50, www.bpa.de

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