Badische Neueste Nachrichten: Gute Nachbarschaft

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Mehr als ein halbes Jahrhundert lang gehörten
böse Worte über die Vergangenheit der Tschechen zum Pflichtprogramm
bayerischer Ministerpräsidenten. Der Instinktpolitiker Horst Seehofer
hat die Klagemauer zwischen den Nachbarn durchbrochen und bekommt
dafür viel Beifall. Sogar von den Sudetendeutschen, die ihn jetzt mit
dem renommierten Karls-Preis ehrten. Von München nach Prag sind es
vier Stunden auf nunmehr bestens ausgebauten Autobahnen. Die Menschen
diesseits und jenseits der Grenze, die einst Eiserner Vorhang hieß,
werden längst jene guten Nachbarn, die sie waren, bis die
Nationalsozialisten die Grundlagen für Hass und Vertreibung schufen
und das Unrecht an den Deutschen in Böhmen und Mähren erst möglich
machten. Lange herrschte auf der politischen Bühne Eiszeit. Vor allem
in Bayern fühlten sich konservative Politiker in der Pflicht, alle
Jahre wieder zum Sudetendeutschen Tag über Pfingsten das Trennende zu
betonen. Auf der Gegenseite wurde Heimatliebe gern als Revanchismus
missverstanden, obwohl gerade unter Sudetendeutschen der Wunsch nach
echter Versöhnung seit vielen Jahren nicht zu überhören ist.
Seehofers Forderung nach einem Gedenktag für Vertreibung und
Vertriebene ist kein unbilliges Verlangen, sondern logische
Konsequenz einer Annäherung, die nicht auf das Vergessen setzt,
sondern auf die Einsicht, dass Geschichtslosigkeit der beste
Nährboden für neuen Hass und den Fortbestand alter Vorurteile wäre.

Pressekontakt:
Badische Neueste Nachrichten
Klaus Gaßner
Telefon: +49 (0721) 789-0
redaktion.leitung@bnn.de

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