Bei Demenz die Initiative ergreifen, durch häusliche Ergotherapie das Heim vermeiden

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Menschen mit beginnender Gedächtnisschwäche
zeigen oft ein ähnliches Verhalten: Sie verharmlosen ihre
Erinnerungslücken und wollen sich selbst nicht eingestehen, dass sie
geistig abbauen. Gerade im Anfangsstadium von Demenzerkrankungen
kommt daher Angehörigen eine Schlüsselfunktion zu. „Sie können
oftmals bewirken, dass Betroffene früh genug Hilfe erhalten, um sich
ihre Fähigkeiten und die Selbstständigkeit länger zu bewahren. Und so
deutlich länger im vertrauten Umfeld bleiben können.“, verdeutlicht
Corinna Sibold, Ergotherapeutin des DVE (Deutscher Verband der
Ergotherapeuten e.V.), warum es sich unbedingt lohnt, wenn Angehörige
schon bei ersten Anzeichen von nachlassender Hirnleistung aktiv
werden.

Es ist nicht immer eine Demenz, wenn Gedächtnisstörungen
auftreten. Ebenso können ein Vitamin B12-Mangel, eine
Schilddrüsenfehlfunktion oder andere Erkrankungen Gedächtnisprobleme
verursachen. „Mit diesem Wissen ist es für manchen einfacher, den
Partner oder Angehörige, die vergesslich werden, anzusprechen. Denn
ich kann schon mal sagen, was mir auffällt und den anderen damit
beruhigen, dass auch andere Gründe als eine Demenz zu
Gedächtnisproblemen führen.“, bestärkt die Ergotherapeutin Corinna
Sibold diejenigen, die solche Veränderungen an nahestehenden Personen
wahrnehmen. Der Gang zum Arzt bringt Klarheit und es wird behandelt,
was behandelbar ist. „Im Zweifelsfall“ sagt sie, „können Angehörige
auch gemeinsam mit dem Hausarzt überlegen, wie es sich gut verpacken
lässt. Oder der Hausarzt nutzt die nächste Blutkontrolle oder
Routineuntersuchung, um das Thema behutsam anzusprechen.“

Puffert Auswirkung der Demenz: Aufgaben haben und gebraucht werden

Nach heutigem Stand der Wissenschaft gibt es keine Möglichkeiten,
einer Demenzerkrankung vorzubeugen. Bestimmte Faktoren können jedoch
den Ausbruch verzögern oder den Verlauf positiv beeinflussen. Neben
einer generell gesunden Lebensweise mit ausreichend Bewegung und dem
Pflegen von Sozialkontakten scheint das Wesentliche zu sein, dass
Menschen sich geistig fit halten. Insbesondere dadurch, dass sie
Aufgaben haben und gebraucht werden. Aus der Hirnforschung lässt sich
Ähnliches ableiten: Synapsen ändern sich, wenn sie genutzt werden,
wenn Menschen „ihr Hirn anstrengen“, um ihre Aufgaben zu bewältigen.
Die Bedeutung von Aufgaben und die daraus resultierende Bestätigung
ist einer der Kernpunkte der Ergotherapie. Ergotherapeuten stellen
generell die Betätigung, also das Erfüllen von Aufgaben und
Tätigkeiten, die für den Einzelnen bedeutsam sind, in den Mittelpunkt
ihrer Therapie.

Typisch Ergotherapie: Kompetenz der betreuenden Angehörigen
stärken

Die Ergotherapeutin Corinna Sibold hat zusammen mit ihrer Kollegin
Wiebke Flotho das Konzept HED-I, ein Programm für häusliche
Ergotherapie bei Demenz, entwickelt. Darin fließen alle Erkenntnisse
zusammen, die Betroffenen und deren betreuenden Angehörigen das
Zusammenleben in den eigenen vier Wänden ermöglichen – oft sogar so
lange, dass sich eine Aufnahme ins Pflegeheim vermeiden oder deutlich
hinauszögern lässt. Wie das Miteinander klappt, wenn ein
Demenzkranker in der Familie lebt, liegt vor allem am Umfeld. „Es
macht einen großen Unterschied, ob der Angehörige in der Lage ist,
mit der für ihn oft anstrengenden Situation umzugehen oder nicht. Und
wie fit und fähig sich ein Demenzkranker fühlt, hängt wesentlich
davon ab, ob die betreuende Person ihm bestimmte Kompetenzen
zugesteht oder ob sie ihm alles abnimmt, ob sie ihn respektiert, auch
wenn Fehler passieren. Ebenso maßgeblich für ein funktionierendes
Zusammenleben ist, dass wir die Aufgaben, die der Demenzkranke
selbstständig ausführt, so übersichtlich gestalten, dass er nicht
durcheinander kommt.“, veranschaulicht die Ergotherapeutin Sibold den
gekonnten Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen. Ergotherapeuten
vermitteln daher mit viel Fingerspitzengefühl und Empathie den
pflegenden Angehörigen und Betreuern Demenzkranker die nötigen
kommunikativen Fähigkeiten.

Nachhaltige Ergotherapie: Hilfe zur Selbsthilfe

Ebenso versetzen Ergotherapeuten die Angehörigen in die Lage, mit
geschultem Blick die Alltagsroutinen zu beobachten. Sind es leicht zu
erkennende Probleme, können sie oftmals dank des vorangegangenen
ergotherapeutischen Coachings Abläufe selbst ändern, sodass der
Demenzkranke sie wieder alleine bewältigen kann. Die enge
Zusammenarbeit im Haushalt der betroffenen Personen fördert das
Vertrauensverhältnis zu den speziell für häusliche Ergotherapie
geschulten Ergotherapeuten in besonderem Maße. Die Klienten scheuen
sich dann weniger, auch künftig um Unterstützung zu bitten, wenn es
nötig ist. Und die Ergotherapeuten wiederum pflegen – sofern dies
zuvor so verabredet und weiter Ergotherapie verordnet wurde –
regelmäßigen Kontakt mit dem pflegenden Angehörigen und erkundigen
sich nach dem Stand der Dinge. Sie kümmern sich um das Wohl der
Angehörigen, unterstützen sie bei der Suche nach Helfern, die je nach
Bedarf stunden- oder tageweise ins Haus kommen. Oder die
Ergotherapeuten besorgen eine Tagespflege, die mit den individuellen
Besonderheiten zurechtkommt. Denn nur wenn die betreuenden Personen
zwischendurch Kraft tanken, sich mit anderen Menschen beispielsweise
in Selbsthilfegruppen treffen und austauschen können und dann noch
Zeit für ihre eigenen Bedürfnisse finden, ist die Betreuung
Demenzkranker durch Angehörige ein Erfolgsmodell.

Informationsmaterial zum Thema Demenz sowie zu den weiteren
Behandlungsfeldern der Ergotherapie erhalten Interessierte bei den
Ergotherapeuten vor Ort; diese sind über die Therapeutensuche im
Navigationspunkt „Service“ des DVE (Deutscher Verband der
Ergotherapeuten e.V.) auf www.dve.info zu finden. Einen interessanten
Einblick in die Vorgehensweise bei HED-I vermittelt das Video auf der
Homepage des Verbands
https://www.dve.info/service/mediathek/videos.html, Ergotherapie bei
Demenz.

Pressekontakt:
Angelika Reinecke, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit des DVE e.V.
Telefon: 033203 – 80026, E-Mail: a.reinecke@dve.info

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