BERLINER MORGENPOST: Europa muss sich teilen – Leitartikel von Jochim Stoltenberg

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Es klingt paradox, kommt der Wahrheit aber leider
sehr nah: Die EU war zu attraktiv und damit zu erfolgreich, um auf
Dauer die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen zu können.
Mittlerweile 28 Mitgliedsländer auf einen Nenner zu bringen,
zumindest solidarisch miteinander umzugehen, hat sich als kaum
lösbare Aufgabe entpuppt.

Die Politik sollte sich ehrlich machen und eingestehen: Die EU ist
zu groß geworden. Sie ist überdehnt. Eine bittere Einsicht. Aber das
erneute Gefeilsche während des jüngsten Krisengipfels der
europäischen Staats- und Regierungschefs und dessen mehr oder weniger
entscheidungsloses Ende erlauben kaum noch einen anderen Schluss.

Rettung verspricht eine Gemeinschaft der zwei Geschwindigkeiten.
Die Idee ist nicht neu. Wolfgang Schäuble und sein CDU-Kollege Karl
Lamers haben sie schon vor mehr als zwanzig Jahren propagiert, um der
erstarrten Gemeinschaft wieder Beine zu machen. Ein solches Europa
der abgestuften Mitgliedschaft gibt es im Ansatz bereits: Weder der
Eurozone noch dem Schengen-Abkommen gehören alle EU-Mitglieder an.

Die Schaffung eines Kerneuropa, umgeben von zögernden Partnern,
denen die Tür ins Zentrum nicht verschlossen bleiben darf, wäre ein
ebenso langwieriger wie schwieriger Prozess. Aber sie wäre das
überfällige Signal, dass das so schwerfällig gewordene Europa seine
selbst produzierte Blockade aufheben will.

Der ganze Kommentar im Internet unter: www.morgenpost.de/206841145

Pressekontakt:
BERLINER MORGENPOST

Telefon: 030/887277 – 878
bmcvd@morgenpost.de

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