BERLINER MORGENPOST: Kommentar von Thomas Fülling zum überlasteten Flughafen Tegel

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Es grenzt wahrlich an ein Wunder, dass der
Flughafen Tegel nicht längst unter dem Ansturm zusammengebrochen ist.
Konzipiert haben die Architekten den TXL einmal zur Abfertigung von
höchstens sechs Millionen Passagieren pro Jahr, im Vorjahr passierten
dort bereits knapp 21 Millionen Fluggäste die Gates. Wie sehr der TXL
an seine Grenze stößt, wird an Spitzentagen wie jetzt zu Beginn der
Sommerferien besonders deutlich. Es ist vor allem dem großen Einsatz
der Flughafen-Mitarbeiter zu verdanken, dass der Airport noch nicht
kollabiert ist. Trotz teils widriger Arbeitsbedingungen halten sie
den inzwischen 40 Jahre alten Airport irgendwie am Laufen. Weil
Berlin sich für viel Geld einen großen schicken Airport am Rande der
Stadt bauen will, hat die Flughafengesellschaft jahrelang nichts
mehr in Tegel investiert. Selbst als die für 2012 geplante
BER-Eröffnung abgesagt wurde, passierte am TXL lange Zeit so gut wie
nichts. Erst als große Airlines wie die Lufthansa die Zustände
monierten, wurde etwas getan. Die Toiletten sind inzwischen
größtenteils saniert, defekte Drehtüren ausgetauscht und besonders
altersschwache Gepäckbänder erneuert. Doch Tegel muss noch mindestens
weitere zweieinhalb Jahre durchhalten. Bei weiter steigenden
Passagierzahlen. Im Großen lässt sich nicht mehr viel ändern, im
Kleinen gibt es aber noch jede Menge Verbesserungsbedarf. Gerade
jetzt, wenn viele Gelegenheitspassagiere sich einfinden, wird
deutlich, dass es an Helfern und Ansprechpartnern mangelt. Das
betrifft den Flughafenbetrieb ebenso wie die Arbeit der
Dienstleister. Nicht nur Touristen verzweifeln, wenn sie den
richtigen Bus für ihre Weiterfahrt suchen. Die Anzahl der
Ticketautomaten reicht längst nicht aus. Ein Dauerärgernis sind auch
die von der BVG eingesetzten Busse, die auf Fahrgäste mit großem
Gepäck nicht ausgelegt sind. Geradezu hinterwäldlerisch ist der
Service, den Fluggästen geboten wird, die ihren Koffer vermissen. Der
TXL ist für viele Gäste das Eintrittstor nach Berlin. Eine gute
Visitenkarte für die Stadt ist er derzeit nicht.

Pressekontakt:
BERLINER MORGENPOST

Telefon: 030/2591-73650
bmcvd@axelspringer.de

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