Berufliche Chancen verbessern: Mit der Initiative ProAbschluss Berufsabschluss nachholen (FOTO)

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In Deutschland ist man zu Recht stolz auf das duale
Berufsausbildungssystem und den hohen Anteil an Menschen mit
abgeschlossener Ausbildung. Diese Fachkräfte sind eine wesentliche
Stütze der einheimischen Wirtschaft. Weitgehend unbekannt ist aber,
dass auch hierzulande sehr viele Menschen arbeiten, ohne für den
ausgeübten Job den geeigneten Berufsabschluss zu haben. Im
wirtschaftsstarken Bundesland Hessen sind über 320.000
sozialversicherungspflichtig Beschäftigte – etwa 13 Prozent der
hessischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – ohne anerkannten
Berufsabschluss.

In der Praxis führen viele von ihnen trotzdem hochqualifizierte
Arbeiten aus. So wie Tino Sirlin, 35, aus Grasellenbach in Südhessen,
der 2016 seinen Berufsabschluss als Industrieelektriker nachgeholt
hat. »Ich war auch ohne Abschluss ganz erfolgreich«, bekennt der
alleinerziehende Vater heute. Seit vielen Jahren schon ist Sirlin bei
der ABG Industrie Elektro GmbH im benachbarten Bensheim angestellt,
war erst im Außen-, später im Innendienst. Als Ungelernter
erfolgreich zu sein – das ist eher die Ausnahme. Menschen ohne
Berufsabschluss sind viermal so häufig von Arbeitslosigkeit betroffen
und finden oft nur schwer einen neuen Arbeitsplatz. Denn bis zu 80
Prozent aller bei der Arbeitsagentur gemeldeten Arbeitsplätze sind
Stellen für Fachkräfte mit entsprechendem Berufsabschluss. Obwohl
Sirlins Arbeitsplatz nicht gefährdet war, wollte er den
Berufsabschluss aber trotzdem nachholen. »Ohne Berufsabschluss kommt
man über eine bestimmte Stufe einfach nicht hinaus«, stellt er fest
und fügt hinzu: »Man muss auch immer mehr kämpfen und etwas mehr
leisten als der Rest, um zu beweisen, dass man etwas kann.«

Auch für Katrin Blackburn war es wesentlich, den Berufsabschluss
noch nachzuholen. Die 35-jährige Mutter arbeitet im Vollschichtsystem
im Duty-Free-Shop von Gebr. Heinemann SE & Co KG am Flughafen
Frankfurt am Main. Blackburn hat ebenfalls 2016 ihren Abschluss
nachgeholt, als Einzelhandelskauffrau. Befragt über ihre Motivation
sagt sie stolz: »Selbstbestätigung vor dem eigenen Kind, das war mir
wichtig.« Viele Menschen wollen einen Fehler der Vergangenheit
korrigieren, den sie seit Jahren bereuen. Ein Berufsabschluss
steigert aber nicht nur Selbstwertgefühl und sozialen Status, sondern
auch das Einkommen. Im Durchschnitt liegt der Bruttostundenlohn bei
Personen mit Berufsabschluss um etwa 60 Prozent über dem Niveau von
Ungelernten.

2016 hatte sich Tino Sirlin dazu entschlossen, seinen Abschluss
als Industrieelektriker anzugehen. Der Impuls kam von der
Unternehmensleitung, die Potenzial in ihm sah. »Es war wirklich
stressig«, sagt er heute, obwohl bei ihm dank seiner Vorkenntnisse
nur sieben Wochen Theorie- und Praxislehrgänge ausreichten und er den
Abschluss bei der IHK Darmstadt sogar als Jahrgangsbester gemacht
hat. Sirlin wurde aber nicht nur durch seine Firma, sondern auch
wesentlich durch ProAbschluss unterstützt, einer Initiative des
Landes Hessen. Sie ist für hessische Beschäftigte gedacht, die keinen
passenden Berufsabschluss haben und die beruflich noch etwas
erreichen wollen. Ein Manko wie der frühere Abbruch einer Ausbildung
kann so korrigiert werden. Fachliche, kostenfreie Beratung zum Wie
und Wo gehört ebenso zu den Leistungen wie die finanzielle
Unterstützung. Voraussetzung: Älter als 27 Jahre muss man sein, einer
sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen und seinen
Hauptwohnsitz in Hessen haben. Auch geringfügig Beschäftigte können
die Zuschüsse beantragen, wenn der Arbeitgeber
Sozialversicherungsbeiträge abführt. Alles andere klären überall in
Hessen die zahlreichen ProAbschluss-Beratungskräfte, zu finden auf
www.proabschluss.de.

Die klug entwickelte Initiative hilft nicht nur den hessischen
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, sondern auch den lokalen
Unternehmen. Denn der Fachkräftemangel ist inzwischen fast überall
angekommen; insbesondere der Mittelstand ist betroffen. 50% der
deutschen Mittelständler sehen aktuell den drohenden Fachkräftemangel
als größte Gefahr für die weitere Entwicklung ihres Unternehmens, wie
die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young im Januar 2017 in
ihrem »Mittelstandsbarometer« ermittelt hat.

Dass der Fachkräftemangel reell ist, spürt auch Jörg Lobmeier im
hessischen Edermünde. Mit seinem innovativen Unternehmen Bautechnik
Lobmeier e. K. recycelt er Abbruchmaterial und stellt daraus neue
Baustoffe her. Im Bereich von Straßenunterbau aus
Hausmüllverbrennungs-Asche hat er sich nach eigenen Aussagen
deutschlandweit einen Spitzenplatz erarbeitet. »Unser
Unternehmenskonzept ist, dass wir alle sehr eng miteinander arbeiten.
Jeder weiß, um was es geht«, so Lobmeier. Doch als Lobmeier jüngst
eine qualifizierte Fachkraft für seinen Maschinenpark suchte, hatte
er zunächst kein Glück. Vor allem in der mittleren
Qualifikationsstufe sei kaum noch Personal zu bekommen. Den Grund
sieht Lobmeier in der gesellschaftlichen Entwicklung: »Viele junge
Leute machen heute Realschule und Abitur und wollen dann lieber einen
Bürojob, bei dem man sich nicht dreckig macht. Wer nicht ausgebildet
wird, fehlt uns in der Praxis.«

Lobmeier ist aber keiner, der lange lamentiert. Stattdessen suchte
er kurzerhand nach einer Lösung mit Leuten aus dem eigenen Betrieb.
Der 29-jährige Christian Scheliga, der vor zwei Jahren als
ungelernter Bagger- und Laderfahrer ins Unternehmen gekommen war und
sich brennend für die Maschinen- und Anlagentechnik des Unternehmens
interessierte, wurde kurzerhand »ins kalte Wasser« geworfen, wie er
selbst sagt. Seit Ende 2016 holt der ruhige junge Mann nun die
Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer nach. Jeden Freitag
besucht er dazu die Jugendwerkstatt Felsberg, eine nahegelegene
Berufsbildungseinrichtung, wo er einzeln trainiert wird.
Normalerweise ist ein Einzeltraining im deutschen
Berufsbildungssystem noch die Ausnahme. Die ungewöhnliche Lösung
wurde möglich durch die Initiative ProAbschluss, die hier, wie in den
meisten Fällen, die Hälfte der Bildungs- und Prüfungskosten
übernimmt. Scheliga, der schon viel Neues gelernt und auch im
Unternehmen angewendet hat, ist dankbar und fest entschlossen
durchzuhalten, damit sich das alles lohnt.

Finanziert wird ProAbschluss aus Mitteln des Landes Hessen und des
Europäischen Sozialfonds. Hessen ist das erste Flächenland, das eine
derartige Initiative gestartet hat. Dass die Chancen mit
Berufsabschluss viel besser sind als ohne, diese Erkenntnis greift
zwar allmählich um sich, aber vielen Menschen verleiht erst die
Unterstützung von außen den entscheidenden Impuls, Ziele endlich
umzusetzen. Manche Karrieren werden überraschend möglich, wenn
berufliche Erfahrung mit einem anerkannten Abschluss kombiniert
werden kann. Der eingangs erwähnte Tino Sirlin aus Grasellenbach zum
Beispiel ist heute Abteilungsleiter.

Im Newsroom: weitere Bilder (© ProAbschluss, Fotos: Kontrast
Fotodesign, Seippel & Weihe) kostenfreier Abdruck unter Angabe: ©
ProAbschluss

Pressekontakt:
Matthias Hischer
Seippel & Weihe Kommunikationsberatung GmbH
Bernardstraße 14-16
63067 Offenbach/Main
Tel.: +49 69 60 32 79 – 73
Fax: +49 69 60 32 79 – 11
Mobil: +49 171 964 8650
www.seippel-weihe.com

Original-Content von: ProAbschluss, übermittelt durch news aktuell

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