Chefinnen im Mittelstand: Keine Ausnahmenerscheinung mehr, aber weiter unterrepräsentiert

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– Jeder fünfte Mittelständler frauengeführt: insgesamt 700.000
Unternehmen
– Präsenz vor allem bei Dienstleistungen
– Zuwachs bei Chefinnen absehbar

Die wirtschaftliche Bedeutung frauengeführter mittelständischer
Unternehmen ist beträchtlich – aber nach wie vor sind Chefinnen im
deutschen Mittelstand unterrepräsentiert. Zu diesem zentralen
Ergebnis kommt eine aktuelle Auswertung von KfW Research auf Basis
des KfW-Mittelstandspanels. Seit der Jahrtausendwende pendelt der
Anteil kleiner und mittlerer Unternehmen mit weiblicher Führung
zwischen 15 und knapp 20 Prozent. Im Jahr 2013 – hierfür liegen die
aktuellsten repräsentativen Zahlen vor – erreicht er 19,4 %.

Damit steht zurzeit bei etwa 700.000 Mittelständlern eine Frau an
der Spitze. In diesen Unternehmen arbeiten rund vier Millionen
Erwerbstätige (14 % aller Beschäftigten im Mittelstand), werden
112.000 junge Menschen ausgebildet (9 %) und wurden im vergangenen
Jahr 15 Mrd. EUR in neue und gebrauchte Anlagen und Bauten investiert
(8 %). So beeindruckend diese Zahlen auf den ersten Blick sind – im
Vergleich zu ihrem Anteil an allen mittelständischen Unternehmen ist
das Gewicht der frauengeführten Unternehmen bei diesen
Kernindikatoren unterproportional.

Ursache ist der Unternehmenstyp, den Frauen lenken: Fast 60 % der
Firmen in weiblicher Hand entfallen auf den Dienstleistungssektor.
Dazu gehören etwa Unternehmen aus dem Bereich Pflege oder Aus- und
Weiterbildung ebenso wie Anwaltskanzleien, PR-Büros oder Finanz- und
Personalberatungen. Unternehmen aus diesen Branchen haben in der
Regel weniger Mitarbeiter und erzielen geringere Umsätze als
Unternehmen anderer Sektoren wie Bau, Handel und Verarbeitendes
Gewerbe.

Im Bereich „Erziehung und Unterricht“ weist fast jedes zweite
mittelständische Unternehmen eine Frau an der Spitze auf (46 %), im
Gastronomie- und Hotelgewerbe sind es 33 %, im Gesundheits- ,
Veterinär- und Sozialwesen 30 %. Nur sehr selten frauengeführt sind
dahingegen mittelständische EDV-Unternehmen (Chefinnenanteil 0,2 %)
oder der Kraftfahrzeughandel (4 %). Gründerinnen bleiben diesem Trend
übrigens treu: auch sie starten bevorzugt Dienstleistungsunternehmen
(75 % der Neugründungen laut KfW-Gründungsmonitor). Insgesamt steigt
der Frauenanteil bei den Neugründungen seit einigen Jahren. 2014
erreichte er einen Anteil von 43 % an allen Gründungen, bei den
Gründungen im Vollerwerb sogar einen Rekordwert von 41 %.

„Eine Ausnahmeerscheinung sind Frauen in den Führungsetagen des
Mittelstands nicht mehr, aber unsere Analyse zeigt: Es gibt hier noch
einiges aufzuholen“, sagt Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW.
„Die steigenden Zahl von Existenzgründungen durch Frauen wird zu
einem Zuwachs des Chefinnen-Anteils im Mittelstand führen. Das
Gesicht des Mittelstands wird weiblicher. Angesichts des
demografischen Wandels ist diese Entwicklung zu begrüßen:
Schrumpfende Erwerbsbevölkerung, drohende Fachkräfteengpässe und der
bevorstehende Generationswechsel bei den mittelständischen
Unternehmer sind deutliche Anreize, wenn nicht gar Zwänge, das
Potenzial von Frauen in den Chefetagen stärker zu nutzen als bisher.“

Die vollständige Studie mit detaillierten Angaben zu den Branchen
ist abrufbar unter: www.kfw.de/fokus.

Pressekontakt:
KfW, Palmengartenstr. 5 – 9, 60325 Frankfurt
Kommunikation (KOM), Nathalie Cahn,
Tel. +49 (0)69 7431 2098, Fax: +49 (0)69 7431 3266,
E-Mail: presse@kfw.de, Internet: www.kfw.de

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