Das Kolpingwerk Deutschland fordert ein Nachdenkenüber die politische Kultur in unserem Land

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Mit Sorge beobachtet der Bundesvorstand des
Kolpingwerkes Deutschland eine zunehmende Entfremdung zwischen
Bürgerinnen und Bürgern sowie den etablierten politischen
Institutionen und Parteien. Er nimmt eine gefährliche Spaltung der
Gesellschaft in einen Teil, der sich aus unterschiedlichen Gründen
unverstanden und nicht vertreten fühlt, und in einen Teil, der diese
Diagnose für unberechtigt hält, wahr.

Der zunehmenden Sprachlosigkeit zwischen der politischen
Entscheidungsebene und den Bürgerinnen und Bürgern muss durch
ergänzende politische Mitwirkungsmöglichkeiten wie beispielsweise
Bürgerbegehren, Volksinitiativen und Volksentscheiden begegnet
werden.

Je komplexer politische Zusammenhänge werden, desto wichtiger ist
es, politische Debatten offener und transparenter unter Beteiligung
möglichst vieler Menschen zu führen. Einer Verfestigung von
ideologischen Lagern an den politischen Rändern muss begegnet werden.
Es wäre ein Schaden für die politische Kultur, wenn sich in
Deutschland – ähnlich wie in anderen europäischen Ländern –
rechtspopulistische Strömungen verstärkt entwickeln und verfestigen.
Gruppierungen und Parteien, die vorrangig dem Egoismus einzelner
Gruppen schmeicheln oder undifferenziert Ängste verbreiten, gefährden
den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Angesichts des Gefühls von Sprachlosigkeit zwischen politischen
Parteien und gesellschaftlichen Gruppen sind demokratische und
sozialstaatliche Tugenden wieder zu stärken. Gerade hier ist die
Integrationsfähigkeit aller etablierten Parteien deutlich gefordert.

Zu den demokratischen Tugenden gehört nach Ansicht des
Kolpingwerkes die Bereitschaft, sich an den öffentlichen Diskussionen
zu beteiligen, sich – falls nötig – auch für die eigene Meinung
öffentlich zu rechtfertigen sowie politische Entscheidungen vor einem
längerfristigen Zeithorizont nach dem Gemeinwohlprinzip zu bewerten.
Zu den sozialstaatlichen Tugenden zählen zudem Gerechtigkeitssinn und
Solidarität.

Eine weltoffene Demokratie setzt voraus, dass Bürgerinnen und
Bürger ihre Interessenartikulation wahrnehmen und nicht ihre
Mitverantwortung für die politische Willensbildung an andere Gruppen
und Institutionen delegieren. Das Gelingen des Gemeinwesens verlangt
kontroverse und von möglichst vielen aktiven Bürgerinnen und Bürgern
geführte Debatten. Talkshows allein können diese Debatten nicht
ersetzen.

Eine Banalisierung des Politischen durch Medien wird der
Komplexität des Politischen nicht gerecht. Gerade die
öffentlich-rechtlichen Medien haben eine besondere Verantwortung und
Pflicht zur politischen Artikulationsfähigkeit der Bürgerinnen und
Bürger beizutragen.

Gleichfalls müssen sich auch Verbände und zivilgesellschaftliche
Organisationen fragen lassen, ob sie sich hinreichend in politische
Willensbildungsprozesse einbringen. Das Recht auf politische
Mitbestimmung ist keine Selbstverständlichkeit, sondern muss auch
wahrgenommen werden. Deshalb ermutigt und stärkt das Kolpingwerk
Deutschland seine Mitglieder bewusst zum politischen Engagement.

Pressekontakt:
Kolpingwerk Deutschland
Martin Grünewald
Pressesprecher
St.-Apern-Str.32
50667 Köln
Tel: (0221) 20701-220
E-Mail: martin.gruenewald@kolping.de
Homepage: www.kolping.de

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