DER STANDARD-KOMMENTAR „Der Schrott, den Strache erbt“ von Conrad Seidl

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Die FPÖ wird demnächst um ein Wrack reicher sein. Es
ist die Mitgift der FPK, die sich nach dem Debakel in Kärnten mit den
Freiheitlichen im Bund zusammenschließen wird: Wie eine Reliquie
hatten die Kärntner die Überreste jenes Autos aufbewahrt, in dem vor
viereinhalb Jahren Jörg Haider, damals Chef des BZÖ, zu Tode gekommen
war. Der alte Schrott könnte noch irgendwo einmal ausgestellt werden,
hört man. Oder man könnte noch einmal versuchen, den Crash Haiders zu
untersuchen – Stoff für Verschwörungstheorien wäre damit ja
vorhanden. Haiders Wrack hat darüber hinaus Symbolwert: Es erinnert
an bessere Zeiten, an jene Leichtigkeit, mit der die Freiheitlichen
vor Zeiten Stimmen und Wahlen gewonnen haben. An jene
Leichtgläubigkeit, mit der Wähler dem Parteichef gefolgt sind – und
sei es in eine andere Partei wie das BZÖ. Nachdenklichere erinnert es
auch an jene Leichtfertigkeit, mit der man unter Haider andere
angreifen und verächtlich machen konnte – um dafür postwendend von
der Öffentlichkeit mit Aufmerksamkeit bedacht zu werden, was
letztlich wieder Stimmen gebracht hat. Aber das alles ist Schrott.
Die Leute sind sensibler geworden. Die Medien lassen einem längst
nicht mehr alles durchgehen, was vor zwei, drei Jahrzehnten noch
einfach als flotter Spruch, vielleicht gar als mutiger Vorstoß gegen
Denkverbote durchgegangen ist. Und Wähler bleiben im Zweifel eher
daheim, als einem Nörgler nachzulaufen, dem sie keine Konzepte,
geschweige denn deren Umsetzung zutrauen. Heinz-Christian Strache hat
es schwer, das muss man zugeben. Er ist nicht Haider, er will
verständlicherweise auch kein Abklatsch von ihm sein. Er würde gerne
eine eigenständige Politik machen, er wird nicht müde, von seinen
Konzepten zu erzählen – und davon, dass ihm da leider keiner zuhören
will. Der Krawall, den Haider und Strache ausgelöst haben, hat sich
längst verselbstständigt und übertönt jede sachliche Äußerung. Und es
kommen immer neue politische Akteure auf den Plan, die sich auch auf
den Krawall verstehen. Auf Bundesebene sind es Stronach und sein
Team, auf Tiroler Landesebene war es gleich ein halbes Dutzend mehr
oder weniger bunter Listen, die den Freiheitlichen die Show gestohlen
haben. Die FPÖ ist nicht mehr die erste Adresse für Protest. Das
heißt aber noch lange nicht, dass ihre Zeit vorbei wäre: Die FPÖ hat
in ihrer 57-jährigen Geschichte immer wieder existenzbedrohende
Krisen überstanden – mit viel geringerem Wählerpotenzial, als sie es
nun auch nach drei Wahlschlappen hat. Immerhin: Strache ist auf
Bundesebene weiterhin eine nicht zu unterschätzende
Wahlkampfmaschine, und Wähler, die sich von seiner Art und seiner
Politik angesprochen fühlen könnten, gibt es ebenfalls mehr als
genug. Erreichen müsste die FPÖ sie halt. Strache selbst hat in
seiner ersten Wahlanalyse deutlich ausgesprochen, dass es in Tirol an
entsprechenden Persönlichkeiten gemangelt hat. Der Oberösterreicher
Manfred Haimbuchner hat einen zweiten wichtigen Aspekt analysiert:
Seine Partei brauchte nicht nur Spitzenkräfte, die den Wählern
attraktiv erscheinen – sie brauchte auch jene Parteistrukturen, die
die FPÖ so lange verachtet hat: die einfachen Mitglieder und
Funktionäre, die für die Partei laufen, werben – und womöglich nicht
aus einem dubiosen rechten Zirkel stammen.

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