DER STANDARD-Kommentar: „Eurofighter: Kaputtes System“ von Michael Völker

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Eurofighter: Kaputtes System

Michael Völker

Wir haben Flugzeuge, die wir nicht brauchen und die wir uns nicht
leisten können. Eurofighter. 15 Stück. Und jetzt stellt sich heraus,
dass sie „Herstellungsfehler an einer großen Anzahl von Bohrungen am
Rumpfhinterteil“ haben, wie der Hersteller mitteilt. Die aktuell
bekannt gewordenen Mängel beeinträchtigen die Sicherheit. Bemerken
wird man das aber erst in 15 Jahren, versucht das
Verteidigungsministerium zu beruhigen.

Von den 15 Stück sind höchstens fünf einsatzfähig und die nur
bedingt. Es ist, alles in allem, ein Desaster. Vor allem ein
finanzielles Desaster. Eines, das die Republik dem damaligen
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und seiner glorreichen Mannschaft
verdankt. Verteidigungsminister: Herbert Scheibner. Finanzminister:
Karl-Heinz Grasser. Sie waren maßgeblich daran beteiligt, diesen Deal
einzufädeln.

Der Vorwurf der Korruption stand immer im Raum, konnte aber nicht
bewiesen werden. Bei internationalen Waffendeals sollen
„Begleitgeräusche“ eher die Regel als die Ausnahme sein. Die Justiz
hat im In- und Ausland ermittelt, rechtskräftige Verurteilungen von
Personen, die in den Ankauf der österreichischen Eurofighter
involviert waren, haben nicht stattgefunden. Noch sind nicht alle
Verfahren beendet; ein Vertragsausstieg wegen Bestechlichkeit
erscheint aber als höchst unwahrscheinlich. Also haben wir sie – und
werden sie wohl nicht so schnell los. Aber die Republik sollte es
versuchen:_die Flieger zurückzugeben. Die Lebensdauer ist laut
jüngsten Meldungen weit geringer als beim Kauf vereinbart. Airbus hat
den Abnehmerländern geraten, das Flugzeug weniger als bisher
einzusetzen und die jährliche Flugzeit zu halbieren. Der Defekt könne
zur Instabilität des Fliegers führen.

Vielleicht kann man das reparieren. Will man das reparieren? Das
Bundesheer hat ein Hightech-Flugzeug, das es – zumindest für die
Überwachung des österreichischen Flugraums – so gar nicht braucht.
Und sich auch nicht leisten kann: Die Eurofighter haben 1,7
Milliarden Euro gekostet. Die Betriebskosten liegen bei 80 Millionen
jährlich, eine Flugstunde kostet 63.000 Euro. Andere Abteilungen
klagen, dass sie kein Benzin für den Transport, keine Munition für
die Waffen haben. Kasernen, von denen wir zu viele haben,
verschimmeln und verfallen. Sparpotenzial ist sicher noch vorhanden.
Aber das ohnedies fast kaputte System führt sich gänzlich ad
absurdum, wenn das eingesparte Geld dann in den Erhalt der
Pannenfighter fließt.

Rückfragehinweis:
Der Standard, Tel.: (01) 531 70/445

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