DER STANDARD-KOMMENTAR „Frauen werden anders beurteilt“ von Alexandra Föderl-Schmid

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Was haben Angela Merkel, Margaret Thatcher, Jill
Abramson, Gabi Burgstaller und Kathrin Zechner gemeinsam? Als
Regierungschefinnen, New York Times-Chefredakteurin, Landeshauptfrau
und ORF-Programmdirektorin sind sie in einer Führungsfunktion tätig.
Diese Positionen bringen es mit sich, dass sie mit Beurteilungen
konfrontiert sind und sich öffentlich Untergriffe gefallen lassen
müssen, denen Männer nicht ausgesetzt sind. Es gibt auch
diffamierende Bezeichnungen, die nur auf Frauen gemünzt werden. Hexe
ist so ein Begriff. Aus Anlass des Todes der britischen
Premierministerin Thatcher war auf Twitter und in Foren „Die Hex– ist
tot!“ eine beliebte Reaktion. Wegen ihrer Politik kann man sie
kritisieren. Aber nicht so. Als „schnippisch“ wurde der Führungsstil
der noch nicht lange agierenden New York Times-Chefredakteurin
Abramson von einem Kollegen beschrieben, der sie in einem Artikel
sehr persönlich attackierte. Dass sie hysterisch sei, wurde
suggeriert, es fehlte nur: stutenbissig. Dass es in der
österreichischen Medienbranche noch viel tiefer geht, bewies jüngst
der Herausgeber des Branchenblattes Extradienst, Christian Mucha, der
in seiner Kolumne unter dem Titel „Piss me, Kate!“ ORF-Programmchefin
Zechner extrem untergriffig attackierte. Erstaunlich war auch die
über Twitter verbreitete Einschätzung von Falter-Chefredakteur
Florian Klenk zum Salzburger Wahlergebnis, das Gabi Burgstaller zum
politischen Rückzug bewogen hat: „Interessant, dass zum 2. Mal eine
Landeshauptfrau abgewählt wurde, weil Frauen unter ihrer
Verantwortung Mist bauten (Klasnic/Herberstein).“ Wenn alle
Landeshauptmänner abgewählt würden, unter deren Verantwortung Männer
Mist gebaut haben, dann müssten in Österreich viele Jobs im
politischen Bereich neu besetzt werden. Eine Diskussion über
Frauenquoten in der Politik wäre dann überflüssig. Es gibt auch
Beschreibungen, die positiv gemeint sind, aber ganz anders ankommen.
So wurde Christine Lagarde,von Spiegel online zur Powerfrau des
Jahres 2012 gekürt: „Mit Eleganz und Köpfchen, Charme und Chuzpe hat
sich die Chefin des Internationalen Währungsfonds 2012 als Stimme der
Vernunft in der Eurokrise profiliert.“ Bei Männern werden Aussehen
und Hirnleistung nur selten beschrieben. Nur für Frauen gilt das
Eigenschaftswort emsig, Männer arbeiten dagegen viel. Wenn eine Frau
durchsetzungsstark ist und noch dazu mit beträchtlichem Einfluss,
dann verleitet das gleich dazu, sie mit Peitsche, Pickelhaube oder
gar mit Hitlerbärtchen zu zeigen. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela
Merkel erträgt diese unerträglichen Karikaturen, die in Polen und in
südeuropäischen Ländern über sie kursieren, mit Gelassenheit. Sie
kommentiert sie nicht einmal. Ignorieren kann man diese Darstellungen
nicht. Sie sind genauso wichtig wie das Thema zu wenig Frauen in
Führungspositionen, zu dem Merkel ins Berliner Kanzleramt lud. Diese
Schmähungen sind mit ein Grund, warum manche Frauen nicht an die
Spitze wollen, weil sie sich dem nicht aussetzen möchten. Diese
Sprüche und Beschreibungen sind genauso diskriminierend wie die Form
von „unguter Anmache“, die zur Aufschrei-Debatte rund um
FDP-Politiker Rainer Brüderle geführt hat. Wenn es um Leistung geht,
sollen Frauen nicht anders beurteilt werden als Männer.

Rückfragehinweis:
Der Standard
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