Deutsche Umwelthilfe veröffentlicht Studie zur Belastung der innerstädtischen Luft in Stuttgart mit dem Luftschadstoff NO2

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Höchste Schadstoffwerte ausgerechnet beim
Katharinenhospital durch die Universität Heidelberg gemessen –
Grenzwertüberschreitungen auch an Kindergärten und Schulen –
festgestellte Verursacher sind neben Diesel-Pkw auch städtische Busse
– Nach dem Scheitern des „Placebo-Feinstaubalarms“ wird die Deutsche
Umwelthilfe Fahrverbote auf rechtlichem Weg durchsetzen

Im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH) hat das Institut für
Umweltphysik der Universität Heidelberg im Dezember und Januar die
Belastung der Stuttgarter Luft mit dem Schadstoff NO2
(Stickstoffdioxid) gemessen. Der Hauptverursacher sind
Dieselfahrzeuge. Dabei wurden insbesondere an sensiblen Orten wie
einem Krankenhaus, Kindergärten und Schulen hohe Überschreitungen der
gesetzlichen Grenzwerte festgestellt.

Das Heidelberger Institut hat mit einem mobilen NO2-ICAD-Messgerät
stationäre sowie mobile Messungen durchgeführt. „Mit unserem neuen
mobilen Instrument können wir vergleichsweise einfach präzise
NO2-Messwerte an verschiedenen Orten erheben und somit das Bild der
wahren Schadstoffbelastung vervollständigen. In Stuttgart konnten wir
dies an zwölf Orten durchführen und dabei zeigen, dass die hohe
Schadstoffbelastung in großen Bereichen der Innenstadt anzutreffen
ist. Außerdem konnten mit dem System auch NO2-Emissionen von
Fahrzeugen charakterisiert werden, die die Hauptverursacher dieser
hohen Schadstoffbelastung darstellen“, sagt Denis Pöhler von der
Universität Heidelberg. Er hat mit seinem Team die Messungen
durchgeführt und ausgewertet.

Für die stationären Messungen der Heidelberger Experten wurde
nicht nur an bekannten belasteten Straßen, sondern auch an Orten
gemessen, an denen besonders schutzbedürftige Menschen leben
beziehungsweise ihre Zeit verbringen. Zudem wurden mit
stichprobenhaften mobilen Fahrzeugemissionsmessungen auch die
NO2-Emissionen von Pkw und Bussen bestimmt. Hierzu fährt das
Messfahrzeug hinter den zu untersuchenden Fahrzeugen her und
analysiert die dort entstandenen Abgase. Spitzenreiter war nach dem
Hauptbahnhof mit 126 µg/m3 ausgerechnet das Katharinenhospital mit
einem gemessenen Mittelwert von106 µg/m3, der sogar noch höher lag
als am Neckartor mit 99 µg/m3. Erschreckend hoch sind auch die
gemessenen NO2-Werte mit 82 µg/m3 am Zeppelin Gymnasium, der
Römerschule mit 65 µg/m3 sowie der Kindertagesstätte Lukas mit 63
µg/m3. Die Abschätzung der Jahresmittelwerte für die einzelnen
Messorte, unter Berücksichtigung der aktuellen Luftverschmutzung in
Stuttgart, ergibt, dass zahlreiche dieser Orte eine deutliche
Überschreitung des erlaubten Jahresmittelwertes von 40µg/m³
aufweisen.

Die Ergebnisse der stationären Messungen zeigen eine hohe
Belastung selbst an verkehrsfernen Standorten wie der Stuttgarter
Fußgängerzone und dem Rathaus. Bei den mobilen Messungen fällt auf,
dass nicht nur moderne Diesel-Pkw teilweise hohe Emissionen
aufweisen. Auch bei mehreren Bussen wurden hohe NO2-Emissionen
festgestellt.

„Mit unseren Messungen wollen wir zeigen, dass ausgerechnet
Krankenhäuser, Schulen und selbst Kindertagesstädten dem
Dieselabgasgift NO2 ungeschützt ausgesetzt werden. Seit zehn Jahren
verweigern Stadtverwaltung und Landesregierung den Stuttgarter
Bürgern das –Recht auf saubere Luft–. Leiden müssen ausgerechnet die
besonders empfindlichen Kleinkinder, Schüler und kranke Menschen“,
sagt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH.

Angesichts der verheerenden Luftsituation und dem gescheiterten
„Placebo-Fahrverbot“ Mitte Januar zeigte sich die DUH bei der
heutigen Pressekonferenz in Stuttgart zuversichtlich, noch in diesem
Jahr weitreichende Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in der Stuttgarter
Umweltzone über die im November 2015 eingereichte Klage vor dem
Verwaltungsgericht Stuttgart durchsetzen zu können.

Die bislang vorliegenden Angaben über die Luftbelastung in
Stuttgart stammen aus stationären Messstationen. Zuständig für die
Überwachung der Luftgüte ist die Landesanstalt für Umwelt, Messungen
und Naturschutz Baden-Württemberg LUBW. Die bekannteste dieser
Messstellen liegt am Neckartor. Hier werden die Werte für NO2 und
Feinstaub seit Jahren überschritten. So auch am 26.01.2016: Am
Neckartor wurden laut LUBW 68 µg/m3 Feinstaub gemessen. Das heißt der
Grenzwert von 50 µg/m3 wurde abermals deutlich überschritten.

„Die Hauptverursacher dieser hohen Schadstoffbelastung sind
Diesel-Pkw, die auf der Straße bis zu hundertmal mehr NO2-Emissionen
aufweisen als Benzinfahrzeuge. Um die Belastung der Menschen schnell
auf ein akzeptables Niveau zu senken, müssen Diesel-Pkw mit
manipulierten Abgaswerten aus der Stadt verbannt werden. Auch bei
niedrigeren Außentemperaturen muss die Wirksamkeit der Abgasreinigung
sichergestellt werden“, sagt Axel Friedrich, Internationaler
Verkehrsberater.

Hintergrund

Am 19.11.2015 hat die DUH Klagen gegen mehrere für die
Luftreinhalteplanung zuständige Bundesländer eingereicht, darunter
auch gegen Baden-Württemberg konkret wegen der Untätigkeit der
Behörden in der Landeshauptstadt Stuttgart. Weitere Informationen zur
Klage finden Sie unter: http://l.duh.de/p191115 Den Bericht der
Universität Heidelberg zu den stationären und mobilen NO2-Messungen
in Stuttgart vom 24.01.2016 finden Sie unter: http://l.duh.de/p280116
Pressefotos finden Sie unter: www.duh.de/luft_stuttgart.html

Pressekontakt:
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer
Mobil: 0171 3649170, E-Mail: resch@duh.de

Dr. Axel Friedrich, Internationaler Verkehrsberater
Mobil: 0152 29483857, E-Mail: axel.friedrich.berlin@gmail.com

Dr. Denis Pöhler, Institut für Umweltphysik, Universität Heidelberg
Tel.: 06221 546311, Mobil: 0176 20504718, E-Mail:
denis.poehler@iup.uni-heidelberg.de

Ann-Kathrin Marggraf, Pressereferentin
Tel.: 030 2400867-21, Mobil: 0151 26749133, E-Mail: marggraf@duh.de

DUH im Internet: www.duh.de, Twitter: https://twitter.com/Umwelthilfe

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