Deutscher Volkshochschul-Verband gewinnt 18 Städte und Landkreise für strategische Grundbildungsplanung – Projekt „AlphaKommunal – Transfer“ will funktionalen Analphabetismus in Deutschland abbauen

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Ob im Arbeitsleben oder in der Freizeit: Für Menschen
ohne Grundkenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen ist
gesellschaftliche Teilhabe besonders schwer. Nun haben sich 18 Städte
und Landkreise in fünf Bundesländern entschlossen, Grundbildung fest
in der kommunalen Bildungsplanung zu verankern. Sie wollen gezielt
Strategien entwickeln, um funktionalen Analphabetismus abzubauen und
Betroffene für Grundbildungsangebote der Volkshochschulen zu
gewinnen. Unterstützt werden Sie vom Deutschen Volkshochschul-Verband
(DVV) und seinen Landesverbänden im Projekt AlphaKommunal – Transfer.

„Kommunen in Deutschland verfügen über vielfältige Ansatzpunkte
und Möglichkeiten, den nachholenden Erwerb von Grundbildung zu
fördern. Denn sie sind nah an den Menschen. Und ihre Volkshochschulen
vor Ort sind in der Lage, passgenaue Lernangebote zu entwickeln, sagt
Ulrich Aengenvoort, Direktor des Deutschen Volkshochschul-Verbandes,
anlässlich des Weltalphabetisierungstags am 8. September.
AlphaKommunal -Transfer wird gefördert mit Mitteln des
Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Modellregionen
sind Rheinland-Pfalz, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und
Schleswig-Holstein.

Wesentlicher Bestandteil des Projekts sind Fortbildungen für
kommunale Beschäftigte in Bürgerbüros und anderen publikumsintensiven
Bereichen. In jeweils vierstündigen Seminaren lernen sie, wie sie
funktionalen Analphabetismus erkennen und wie sie Betroffene
ansprechen und auf Lernangebote an Volkshochschulen hinweisen können.
Auch sollen Personal- und Betriebsräte sowie Führungskräfte in
Ämtern, kommunalen Betrieben und lokalen Wirtschaftsunternehmen für
das Thema sensibilisiert werden, damit sie betroffenen Kolleginnen
und Kollegen Hilfe anbieten können.

In den 18 beteiligten Kommunen sollen lokale
Grundbildungsbeauftragte vor Ort die relevanten Akteure aus
Verwaltung und Politik, Wirtschaft und Weiterbildung systematisch
vernetzen. Stützen können sie sich dabei auf die Erfahrungen dreier
Pilotkommunen. Das Ergebnis der ersten Projektphase – 2012 bis 2015 –
sind umfangreiche Materialien mit hilfreichen Praxistipps.

Für Kommunen ist Grundbildungsplanung ein Instrument der
Arbeitsförderung, um Potenziale für das Gemeinwesen und die
Wirtschaft zu mobilisieren und soziale Transferkosten zu senken. Denn
Menschen, die nicht ausreichend lesen, schreiben und rechnen können
sind stärker von Erwerbslosigkeit bedroht oder betroffen. Oft stehen
ihnen nur einfache Tätigkeiten offen, verbunden mit niedrigem
Einkommen und geringen Aufstiegschancen.

Eine der Modellkommunen ist die Stadt Neumünster in
Schleswig-Holstein. Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras sagt: „Nur ein
verschwindend geringer Teil der Menschen mit unzureichenden Lese- und
Schreibkenntnissen besucht entsprechende Kurse. Wir wollen aktiv
Strukturen aufbauen, um diese Menschen anzusprechen und zu beraten.
Durch das Projekt können wir für unsere eigene Bildungsplanung auf
Konzepte und Erfahrungen zurückgreifen, um mehr Einwohnerinnen und
Einwohner von Neumünster zu motivieren, in Alphabetisierungskurse zu
gehen. Unser besonderes Ziel ist, die Teilhabemöglichkeiten der
betroffenen Menschen zu verbessern und die Arbeitslosenquote in
dieser Zielgruppe zu senken. Als wichtiger Knotenpunkt der
norddeutschen Wirtschaft werden wir schließlich davon profitieren.“

Mit Fördermitteln des Bundes werden die Volkshochschulverbände in
den beteiligten Bundesländern regionale Grundbildungsbeauftragte
einsetzen, die die kommunalen Aktivitäten unterstützen und vernetzen.
Pro Modellregion stehen dafür in den kommenden zwei Jahren jeweils
110.000 Euro zur Verfügung.

Das Projekt AlphaKommunal – Transfer hat eine Laufzeit von Oktober
2015 bis September 2018. Es ist eingebettet in die Nationale Dekade
für Alphabetisierung, die Bund und Länder im September 2015
ausgerufen haben, um die Lese- und Schreibfähigkeiten von Erwachsenen
in Deutschland deutlich zu verbessern. Bundesweit gibt es
wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge rund 7,5 Millionen
funktionale Analphabeten.

Angebote zur Grundbildung und zum Nachholen von Schulabschlüssen
sind ein wichtiger Schwerpunkt des VHS-Kursprogramms und der
wachstumsstärkste Programmbereich der Volkshochschulen in
Deutschland.

Weitere Informationen auf
http://grundbildung.de/projekte/alphakommunal-transfer.html

Beteiligte Kommunen:

Niedersachsen:
Gifhorn
Salzgitter
Wolfsburg

Rheinland-Pfalz:
Neuwied
Trier
Worms

Sachsen-Anhalt:
Burgenlandkreis
Magdeburg
Landkreis Mansfeld Südharz
Saalekreis

Schleswig-Holstein:
Flensburg
Kaltenkirchen
Neumünster
Oldenburg
Wedel

Thüringen:
Jena
Landkreis Saalfeld-Rudolstadt
Landkreis Unstrut-Hainich

Pressekontakt:
Ulrike Arnold, Projektleitung AlphaKommunal – Transfer,
Tel.: 0228 97569-157, E-Mail: arnold@dvv-vhs.de

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