Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im September 2015

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– Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem soliden Aufschwung.

– Die Verunsicherung um die Wirtschaftsentwicklung in China sowie in anderen rohstoffproduzierenden Schwellenländern hat die Risiken wieder stärker in den Blick treten lassen. Das weltwirtschaftliche Umfeld ist schwieriger geworden.

– Die Industrieproduktion ist moderat aufwärtsgerichtet. Im Bausektor gibt es nach dem schwachen Frühjahr Anzeichen einer Belebung.

– Der Arbeitsmarkt entwickelt sich weiter positiv, jedoch mit etwas geringerer Dynamik.

Im Spätsommer ist die Konjunktur in Deutschland intakt. Trotz außenwirtschaftlicher Verunsicherung im Zusammenhang mit den Finanzmarktturbulenzen in einigen Schwellenländern und einem lediglich moderaten weltwirtschaftlichen Tempo ist die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland aufwärtsgerichtet.[1] Die industrielle Produktion entwickelte sich im Juli nach einem rückläufigen Sommermonat wieder positiv. Auch die Bauwirtschaft hat nach den jüngst vorliegenden Indikatoren zum Wachstumspfad zurückgefunden. Obgleich das Welthandelsvolumen im ersten Halbjahr zurückging, war im deutschen Außenhandel zuletzt eine positive Entwicklung zu beobachten. Die nach wie vor günstige Situation am Arbeitsmarkt, eine auch infolge des Preisniveaurückgangs auf den Rohstoffmärkten niedrige Teuerungsrate und positive Einkommensaussichten stützen den Konsum der privaten Haushalte in Deutschland. Jüngst veröffentlichte Stimmungsindikatoren waren aufwärtsgerichtet und deuten trotz der Verunsicherung über die weitere Entwicklung in China auf eine günstige konjunkturelle Entwicklung hin. Auch die vorliegenden harten Indikatoren signalisieren, dass die deutsche Wirtschaft gut in das dritte Vierteljahr gestartet ist.

Im Juni hat die weltweite Industrieproduktion etwas Schwung gewonnen. Die Dynamik kam aus den Schwellenländern. Allerdings signalisieren Indikatoren wie das ifo-Weltwirtschaftsklima oder der Markit Composite PMI keine durchgreifende Verbesserung. Auch die jüngsten Finanzmarkturbulenzen legen nahe, dass sich die Risiken insbesondere in den Schwellenländern eher erhöht haben. Für China hat die Unsicherheit über den Zustand der Wirtschaft deutlich zugenommen. Die niedrigen Ölpreise dämpfen die Wachstumsaussichten der rohstoffexportierenden Schwellenländer wie Russland oder Brasilien. In den Industrieländern war das Wirtschaftswachstum im ersten Halbjahr dagegen relativ robust. Insbesondere in den Vereinigten Staaten ist das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal 2015 kräftig gestiegen. Aber auch im Eurogebiet setzte sich die moderate konjunkturelle Erholung fort. Im Vergleich zum Vorquartal nahm das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal 2015 im Euroraum um 0,4 % zu. [2] Die niedrigen Ölpreise und die weiterhin eher expansiv ausgerichtete Geldpolitik sollten in der Weltwirtschaft insgesamt weiter für positive Impulse sorgen. Dagegen könnten sich die jüngsten Turbulenzen an den Devisen-, Rohstoff- und Finanzmärkten dämpfend auf die Realwirtschaft auswirken. Insgesamt dürfte sich daher das globale Wirtschaftswachstum im weiteren Verlauf kaum beschleunigen.

Die deutschen Unternehmen haben ihre Warenausfuhren im Berichtsmonat Juli dennoch merklich ausgeweitet. Im Vergleich zum Vorquartal sind die nominalen Ausfuhren um 2,4 % gestiegen. Die Ausfuhrpreise blieben zuletzt nach einem kräftigen Anstieg seit Beginn des Jahres weitgehend unverändert, sodass sich auch preisbereinigt ein deutlicher Zuwachs der Warenausfuhren ergab. Die nominalen Wareneinfuhren sind im Berichtsmonat Juli mit 2,2 % ähnlich stark gestiegen wie die Ausfuhren. Die Einfuhrpreise gingen im Berichtsmonat Juli aufgrund rückläufiger Rohstoffpreise weiterhin zurück.

Die Industrie befindet sich weiterhin auf einem moderaten Wachstumspfad. Die Industrieproduktion nahm im Juli – auch dank einer günstigen Konstellation der Ferientage – moderat zu und blieb auch in der Tendenz leicht aufwärtsgerichtet. Eine positive Dynamik ist vor allem bei den Herstellern von Investitionsgütern zu beobachten, die ihre Produktion seit einem Jahr kontinuierlich ausweiten. Dagegen geht die Erzeugung von Vorleistungsgütern seit Jahresbeginn spürbar zurück. Insgesamt positiv entwickeln sich auch die Industrieumsätze, insbesondere im Ausland. Der schwache Euro und die allmähliche konjunkturelle Erholung im Euroraum dürften hierzu beigetragen haben.

Die Auftragseingänge befinden sich trotz des Rückgangs im Juli auf einem hohen Niveau und bleiben in der Tendenz ebenfalls aufwärtsgerichtet. Das deutliche Minus bei der Auslandsnachfrage im Berichtsmonat Juli sollte dabei angesichts der starken Vormonate nicht überbewertet werden. Allerdings signalisiert der ifo Konjunkturtest, dass die gegenwärtige Debatte um China und das globale holprige Wachstumstempo nicht spurlos an den Unternehmen vorbeigehen könnte. Während die Lage von den Unternehmen laut ifo Konjunkturtest überaus gut bewertet wird, haben sich die Geschäftserwartungen in den letzten Monaten etwas eingetrübt. In der Baubranche wurde die Produktion nach der ausgebliebenen Frühjahrsbelebung im Juli wieder spürbar gesteigert. Zwar entwickeln sich die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe im bisherigen Jahresverlauf schwach. Angesichts der insgesamt guten Rahmenbedingungen und des gestiegenen Geschäftsklimas ist für die zweite Jahreshälfte jedoch mit einer Belebung im Bausektor zu rechnen.

Der private Konsum hat die Konjunktur auch im zweiten Quartal beflügelt. Der Wachstumsbeitrag fiel mit +0,1 Prozentpunkten allerdings geringer aus als in den Vorquartalen. Der Einstieg ins Herbstquartal gelang wiederum gut. Nach einem schwachen Frühjahrsergebnis sind die Umsätze im Einzelhandel im Juli wieder um 1,4 % auf einen neuen Jahreshöchststand gestiegen. Zudem entwickelt sich der Kfz-Handel weiter dynamisch. Die Stimmung unter den Händlern hat sich seit dem Jahreswechsel deutlich verbessert. Das Preisklima ist vor allem wegen der gesunkenen Energiepreise mit einem Anstieg des Verbraucherpreisniveaus im August von 0,2 % gegenüber dem Vorjahr ausgesprochen ruhig. Auch deshalb bewegt sich das Konsumklima der Verbraucher trotz leichter Abschwächung auf einem sehr hohen Niveau.

Die günstige Entwicklung am Arbeitsmarkt setzt sich fort. Die Zahl der Erwerbstätigen nahm im Juli saisonbereinigt mit einem Anstieg um 26.000 Personen stärker zu als in den Vormonaten. Gegenüber dem Vorjahr stieg ihre Zahl im Inland um 160.000 (Ursprungszahl) auf knapp 43,0 Mio. Personen. Es ist weiterhin die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, die für die Zuwächse sorgt. Sie erhöhte sich im Juni saisonbereinigt um 41.000 Personen. Nach Ursprungszahlen erhöhte sich die registrierte Arbeitslosigkeit im August jahreszeitlich bedingt auf 2,796 Mio. Personen; das sind 106.000 Arbeitslose weniger als vor einem Jahr. Saisonbereinigt ging die Arbeitslosigkeit nach leichtem Anstieg im Vormonat um 7.000 Personen zurück. Die Frühindikatoren sprechen für eine Fortsetzung der positiven Arbeitsmarkttendenzen mit gemäßigtem Tempo.

Hinweis:

Eine ausführliche Darstellung und Kommentierung der wirtschaftlichen Lage und Entwicklung wird in der Oktober-Ausgabe des Monatsberichts „Schlaglichter der Wirtschaftspolitik“ veröffentlicht. Diese Ausgabe wird voraussichtlich in der 40. Kalenderwoche auf der Internetseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zu finden sein.

[1] In diesem Bericht werden Daten verwendet, die bis zum 09. September 2015 vorlagen.

[2] Soweit nicht anders vermerkt, handelt es sich um Veränderungsraten gegenüber der jeweiligen Vorperiode auf Basis preisbereinigter sowie nach dem Verfahren Census X-12-ARIMA kalender- und saisonbereinigter Daten.

Pressekontakt

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWI)
Scharnhorststr. 34-37
11019 Berlin
Deutschland

Telefon: 030 18 615-6121
Telefax: 030 18 615-7020

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