Diskriminierung – ein Problem der Digitalisierung?

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Gegen Diskriminierung
 

17. August 2016. Diskriminierung ein wachsendes Problem in der Gesellschaft. Erschreckend sei, so Uwe Hoffmann, der Geschäftsführer des Deutschen Schutzverbandes gegen Diskriminierung e. V. (DSD, www.gegendiskriminierung.de), dass es mittlerweile eine Kultur der persönlichen Diffamierung gäbe. Ein Grund dafür sei die aussterbende kritische Vernunft. Ein Kommentar des DSD-Geschäftsführers.

Unsere Gesellschaft verliert die kritische Vernunft, die öffentliche, sachliche Diskussion und den öffentlichen Streit. Die knüppelharte Franz-Josef-Strauß-Rhetorik ist – in den Zeiten der Vorverurteilung, Diffamierung und Verdächtigung – nicht mehr existent. Es wird geschrien statt gestritten und an die Stelle der lautstarken Wirtshausdiskussion mit Versöhnungsbier treten Social-Media-Kommentare mit persönlicher Beleidigung und Diskriminierung. Aus kampfeslustigen Streithähnen von einst sind handzahme Papageie geworden, die jeden meinungspolitischen Trend nachplappern und mangels kritischer Argumentation, beleidigend und diskriminierend werden.

Dabei sollte unsere aufgeklärte Gesellschaft zwischenzeitlich begriffen haben, dass die eigene Lebensform – von der sexuellen Ausrichtung über den Glauben bis zur Ernährung – Ausdruck der Persönlichkeit ist. Moderne Kritik beschränkt sich auf Herabsetzung und der autonome Betroffene wird dauerdiskriminiert. Eine Bundeskanzlerin wird nicht mehr an ihren Taten gemessen, sondern gewertet. Wertung anhand ihrer Herkunft, Vergangenheit, Aussehen oder dem Sprach- und Kleidungsstil.

Mit der digitalen Beleidigungs-Kommunikation, wächst auch die Zahl derer, die sich von ihr diskriminiert fühlen. Unsere Blabla-Gesellschaft produziert so ständig neue verbal ausgegrenzte Gruppen, sät Hass und Neid und sorgt dafür, dass die Saat von Radikalen, gleich welcher Couleur, politisch gedüngt und bewirtschaftet wird. Auf dem digitalen Screen unserer Kommunikation, wird aus jeder Behauptung eine Verschwörung, aus jedem Statement eine Täuschung. Aus der Argumentation ist die Bejahung oder Ablehnung einer bestehenden Meinung geworden. Im positiven Fall wird sie überhöht, im negativen mit Beleidigungen derer, die sie geäußert haben, geahndet. Das geht so lange gut, bis sich jemand in der virtuellen Realität massiv diskriminiert fühlt und in der realen Welt dagegen vorgehen will. Deshalb appelliere ich an die Vernunft: Streit? Ja, gern. Der ist auch nötig. Wer aber mitreden möchte, sollte sich vorher informieren. Und nicht nur über das Volkshirn Google.

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