Dossier: 25 Jahre Deutsche Einheit – So denken die Menschen in Ost und West

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25 Jahre nach der Wiedervereinigung verblasst
die Erinnerung an den Alltag im geteilten Deutschland – auf die
politische Einheit folgte in vielen Fragen des Lebens auch die
Einigkeit unter den Bürgern. Einige unterschiedliche Werte und
Einstellungen halten sich allerdings bis heute, wie repräsentative
forsa-Umfragen im Auftrag von CosmosDirekt belegen.

„Jetzt wächst wieder zusammen, was zusammen gehört.“ Diesen Satz
prägte Altkanzler Willy Brandt nach dem Mauerfall im Herbst 1989. Ein
knappes Jahr später feierte Deutschland die Wiedervereinigung. „Auch
ein Vierteljahrhundert nach der Wiedervereinigung finden sich noch
deutliche Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen, zum Beispiel
in gesellschaftlichen oder politischen Fragen und Einstellungen“,
sagt Dr. Peter Matuschek, Leiter der Politik- und Sozialforschung
beim renommierten Meinungsforschungsinstitut forsa in Berlin. Das
Dossier von CosmosDirekt liefert beachtenswerte Abweichungen zwischen
Ost und West im Überblick. Es fasst die Ergebnisse mehrerer
repräsentativer forsa-Studien zusammen, für die insgesamt mehr als
12.000 Menschen befragt wurden. Der Online-Versicherer CosmosDirekt
beauftragt forsa regelmäßig mit repräsentativen Untersuchungen, die
Einblicke in zahlreiche Lebensbereiche der Deutschen gewähren. Dabei
werden verschiedene soziodemographische Merkmale wie Alter,
Geschlecht und Wohnort berücksichtigt.

Jugend in Kirche und Gesellschaft (1)

Mit Kommunion und Konfirmation treten junge Christen offiziell ins
kirchliche Leben ein. Als säkulare Alternative zu religiösen Festen
hat auch die Jugendweihe eine lange Tradition: Bis heute feiern
Familien so den Übergang ihrer Kinder vom Jugend- ins
Erwachsenenalter.

– Während im Westen hauptsächlich Konfirmation und Kommunion
gefeiert werden, bevorzugt der Osten die nicht-religiöse
Alternative: 63 Prozent der Befragten feierten in den
vergangenen drei Jahren in ihrer Familie eine Jugendweihe, 31
Prozent eine Konfirmation und 6 Prozent eine Kommunion. Im
Westen der Bundesrepublik lag die Konfirmation mit 51 Prozent
vorn, gefolgt von der Kommunion (46 Prozent) und Jugendweihen (3
Prozent) werden dort hingegen kaum gefeiert.

Familie nur mit Trauschein? (2)

Schon 1950 schaffte man in der DDR den rechtlichen Unterschied
zwischen ehelichen und unehelichen Kindern ab. In der Bundesrepublik
hatte noch bis 1970 das Jugendamt automatisch die Vormundschaft für
uneheliche Kinder inne. Die Gleichstellung aller Kinder, ob ehelich
oder nicht, ist in Gesamtdeutschland erst seit 2011 rechtskräftig.

– Bis heute scheinen die Westdeutschen ein konservativeres
Familienbild zu verfolgen: Zwei Drittel (67 Prozent) sehen in
der Planung eines gemeinsamen Kindes einen Anlass zum Heiraten.
Im Osten ist die Familienplanung dagegen für nur 46 Prozent ein
Beweggrund, um in den Bund der Ehe zu treten.

Gleichstellung in der Partnerschaft (3)

Selbst ist die Frau: Emanzipation wurde in der DDR gefördert und
1950 mit dem Gesetz über die Rechte der Frau verbindlich geregelt. In
der Bundesrepublik trat ein vergleichbares Gesetz erst 1977 in Kraft.
Bis heute lassen Alltagsphänomene erahnen, dass die Gleichstellung
der Frau unterschiedlich stark gelebt wird.

– Mehr als zwei Drittel der Ostdeutschen (68 Prozent) geben an,
gemeinsame Alltagsausgaben würden in ihrer Beziehung von beiden
Partnern gleichermaßen getragen – im Westen kümmern sich nur 54
Prozent der Partner zu gleichen Teilen.
– Auf das Thema Sparen und Geldanlegen antworten die Bundesbürger
unterschiedlich: 53 Prozent der Menschen in den neuen
Bundesländern geben an, beide Partner sorgten zu gleichen Teilen
für ein finanzielles Polster – im Westen sparen 43 Prozent
gemeinsam.

Mit Gottes Hilfe (2)

„Der Anteil derjenigen, die einer Religionsgemeinschaft angehören,
ist in Westdeutschland – trotz starker Rückgänge – nach wie vor
deutlich höher als in Ostdeutschland“, sagt Dr. Peter Matuschek von
forsa. „Im Jahr 2012 lag er bei 82 Prozent im Westen und 32 Prozent
im Osten. Diese –Entkirchlichung– in Ostdeutschland ist natürlich ein
deutliches Erbe der DDR.“

– Im Osten wie im Westen gehört heute die kirchliche Zeremonie
nicht zwingend zu einer Hochzeit dazu. Jedoch zeigen sich
Unterschiede: Während jeder zehnte Ostdeutsche (11 Prozent) aus
religiösen Gründen vor den Traualtar treten möchte, spricht der
Glaube bei jedem fünften Westdeutschen für eine Heirat (19
Prozent).

Karneval, Fastnacht, Fasching (4)

Die deutschen Jecken-Hochburgen liegen vornehmlich in Gebieten mit
katholischer Tradition – Ostdeutschland ist dagegen überwiegend
evangelisch bzw. säkular geprägt und bietet deutlich weniger
Rosenmontagsumzüge.

– In ganz Deutschland gehören Karnevalsumzüge dazu. Besucht werden
sie im Westen von 63 Prozent der Bundesbürger, die angeben,
Karneval zu mögen. Im Osten wagt sich mit 34 Prozent jeder
dritte „Jeck“ auf die bunten Straßenparaden.

Ganz Deutschland ist optimistisch (1)

Ob Heirat, gemeinsame Finanzen oder Brauchtum: Stellenweise ticken
die Uhren auch heute noch unterschiedlich. „In anderen Bereichen
haben sich die Gewohnheiten, Meinungen und Einstellungen zwischen Ost
und West weitgehend angeglichen. Die Unterschiede sind nicht größer
als etwa zwischen Nord- und Süddeutschen“, sagt Dr. Peter Matuschek.

– Ein Beispiel ist der Blick, den die Bundesbürger in die Zukunft
richten. In Ost und West fällt dieser inzwischen nahezu
gleichermaßen positiv aus. 74 Prozent der Menschen in den alten
Bundesländern verspüren Zuversicht, in den neuen Bundesländern
sind es 70 Prozent.

(1) Repräsentative forsa-Umfrage im Auftrag von CosmosDirekt. Im
März 2015 wurden 768 Eltern befragt, deren Kinder in den letzten drei
Jahren Kommunion, Konfirmation oder Jugendweihe hatten. (2)
Repräsentative forsa-Umfrage „Meinungen rund um das Thema Hochzeit
und Scheidung“ im Auftrag von CosmosDirekt. Im Juni 2015 wurden
insgesamt 3.050 Verheiratete, Heiratswillige, Ledige und Geschiedene
ab 18 Jahren in Deutschland befragt. (3) forsa-Studie „Arbeit,
Familie, Rente – was den Deutschen Sicherheit gibt“ im Auftrag von
CosmosDirekt, Mai 2014. Befragt wurden 2.001 Personen ab 18 Jahren in
Deutschland. (4) Repräsentative forsa-Umfrage im Auftrag von
CosmosDirekt. Im Januar und Februar 2015 wurden 1.011 Bundesbürger ab
18 Jahren befragt, die die Karnevalszeit mögen.

Bei Übernahme der Originaltexte im Web bitten wir um
Quellenangabe:
http://www.cosmosdirekt.de/faktencheck-dossier-ost-west

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