Energie-Revolution in USA: Gute Aussichten für Anleger

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Eine Analyse von Dr. Sönke Harrsen,
Vorstandsvorsitzender TEXXOL Mineralöl AG

In den USA vollzieht sich seit einigen Jahren ein grundlegender
Wandel, den Medien, Politiker und Experten als „Energie-Revolution“
bezeichnen. Gemeint ist damit, dass die Vereinigten Staaten als
weltweit größter Energieverbraucher dabei sind, ihre
Importabhängigkeit bei Erdöl und Gas zu vermindern und zu einem
bedeutenden Exporteur dieser Rohstoffe zu werden.

Ein für Anleger in diesem Sektor besonders interessanter Aspekt:
Die Produzenten können durch Exporte höhere Gewinne erzielen, da die
Preise für Öl und Gas in den USA kontinuierlich unter denen auf dem
Weltmarkt liegen. Abhängig von konjunkturellen Schwankungen können
die Unterschiede zeitweise sogar erheblich sein und bei Erdöl bis zu
20 Dollar pro Barrel betragen.

Zuvor muss allerdings eine juristische Hürde fallen. Es mehren und
verstärken sich die Anzeichen, dass das schon in naher Zukunft
geschehen wird. Zum Hintergrund: Ein im Dezember 1975 in Kraft
getretenes Gesetz verbietet die Ausfuhr von Erdöl bis auf wenige
Ausnahmen. Der Export von Gas ist nur in etwa 20 Länder generell
gestattet, mit denen die USA Freihandelsabkommen haben. Dazu zählen
unter anderem die Nachbarstaaten Kanada und Mexiko. Für den Verkauf
von Gas in andere Länder sind Sondergenehmigungen erforderlich.

Das Gesetz war eine Reaktion auf den „Öl-Schock“ von 1973. Die
OPEC, der damals wie heute überwiegend arabische Länder angehören,
hatte am 17. Oktober jenes Jahres ein Lieferembargo gegen mehrere
Staaten verhängt, die Israel kurz zuvor im Krieg gegen Ägypten und
Syrien unterstützt hatten. Zwar wurde das Embargo im März 1974 wieder
aufgehoben. Ein nachhaltiger Effekt blieb jedoch das starke Ansteigen
des Ölpreises, was vermutlich auch das Hauptmotiv der OPEC war. Mit
dem Ausfuhrverbot wollten die USA ihre Unabhängigkeit gegenüber den
ölexportierenden Ländern stärken und künftigen
Versorgungsschwierigkeiten vorbeugen.

Auf Grund der in den letzten Jahren stark gestiegenen
Eigenproduktion von Erdöl und Erdgas hat sich die Situation
grundsätzlich verändert. Hauptursache ist die technische
Weiterentwicklung der Fördertechnik aus Shale-Horizonten
(Schiefergestein). Die Lobby der großen Erdöl- und Gasproduzenten
drängt deshalb schon seit mehreren Jahren darauf, die strengen
Exportbeschränkungen weitgehend zu lockern oder am besten ganz
aufzuheben. Politisch unterstützt werden sie mit ihren Forderungen
vor allem von den oppositionellen Republikanern, aber auch durch eine
Reihe von Abgeordneten und Senatoren der Demokraten, die erdöl- und
erdgasproduzierende Bundesstaaten oder Regionen repräsentieren.

Export-Offensiven geplant

Es geht dabei auch um hochgesteckte außenpolitische und
geostrategische Pläne und Erwartungen: Eine auf die
„Energie-Revolution“ gestützte Export-Offensive soll es den USA
ermöglichen, die mit den USA verbündeten Länder, vor allem in Europa,
von russischen Erdgaslieferungen unabhängiger zu machen, indem die
Vereinigten Staaten als konkurrierender Exporteur von Flüssiggas
(LNG) auftreten. Voraussetzung dafür sind LNG-Terminals in den
Empfängerländern. In Polen und Litauen sind solche Anlagen schon im
Bau und könnten in diesem Jahr fertiggestellt werden. In weiterer
Terminal ist in Kroatien geplant. Manche Experten gehen davon aus,
dass asiatische Länder wie Japan und Indien als Importeure von Gas
aus USA sogar noch wichtiger als die EU werden könnten.

Zur Zeit sind vom zuständigen Energieministerium in Washington
sechs Genehmigungen für die Ausfuhr von Erdgas erteilt worden,
mehrheitlich nach Japan. Mengenmäßig handelt es sich dabei immerhin
um 12 bis 13 Prozent der gegenwärtigen Gasproduktion der USA.
Mindestens 23 weitere Anträge befinden sich noch im
Prüfungsverfahren. Bevor die Gasausfuhr nach Übersee im großen Umfang
aufgenommen werden kann, bedarf es noch kostenintensiver technischer
Vorbereitungen. Die dafür notwendigen Investitionen sind gesichert,
die Arbeiten haben begonnen. Erste Exporte beginnen vielleicht noch
in diesem Jahr. Voraussichtlich ab 2018 wird der Export von LNG im
großen Umfang laufen.

Was das Verbot der Erdöl-Ausfuhr angeht, liegt dem
Energieausschuss der US-Senats ein Gesetzentwurf zu dessen Aufhebung
vor, über den der Senat vermutlich schon im September, nach Ende der
Sommerpause, beraten und abstimmen wird. Der Export von Kondensat
(ultraleichtem Rohöl), hauptsächlich nach Europa und Asien, wurde
schon 2014 in großem Umfang genehmigt.

Der Umwelt zuliebe

Erdgas ist unschlagbar, wenn es um die Umwelt und damit um die
Zukunft geht. Auch Deutschland hat Gas als wichtigen Pfeiler seiner
„Energiestrategie 2050“ entdeckt, um es langfristig als
umweltschonende Überbrückungsenergie einzusetzen.

Teilweise ausdrücklich unter Hinweis, dass die Vereinigten Staaten
das Kernland der freien Marktwirtschaft seien, hat die Erdöl- und
Erdgasindustrie der USA bereits massiv mit Eigeninitiativen reagiert.

– Kohlekraftwerke wurden und werden aus ökonomischen und
ökologischen Gründen vermehrt auf Gas umgestellt.

– Nachdrücklich wird, gerade auch in Texas, die Umstellung von
Benzin und Diesel auf Gas bei PKWs, LKWs, Bussen, Schiffen, Zügen und
im Bergbau vorangetrieben. Das erfolgt zugleich auch mit dem Ziel,
die Energie-Effizienz zu steigern.

– Zur Zeit werden verstärkt Pipelines nach Mexiko verlegt, um Gas
aus USA dorthin exportieren zu können. Im südlichen Nachbarland ist
die Gasförderung seit 2008 um rund 16 Prozent gesunken und reicht
nicht aus, um den Eigenbedarf zu decken, während sie in den USA im
gleichen Zeitraum um 44,7 Prozent anstieg.

Die Zuversicht der Erdgas-Produzenten der USA in die künftige
Entwicklung wird durch die Tatsache bestärkt, dass der Gaspreis auf
dem nordamerikanischen Markt, im Gegensatz zum Ölpreis, in den
letzten Monaten relativ stabil geblieben ist. Mittelfristig vertrauen
die großen Unternehmen der Energiewirtschaft jedoch darauf, dass auch
der Wiederanstieg des Ölpreises nur eine Frage der Zeit ist. Das
drückt sich unter anderem darin aus, dass sie gegenwärtig zwar neue
Konzessionen erwerben, aber keine Tiefbohrungen durchführen. Denn
diese sind aufwendig und teuer. Damit sie rentabel werden, müsste der
Ölpreis, der zur Zeit knapp über 40 Dollar pro Barrel liegt, auf
mindestens 70 Dollar oder nach manchen Schätzungen sogar auf bis zu
90 Dollar ansteigen. Offenbar rechnet „Big Oil“ damit, dass das in
absehbarer Zeit der Fall sein wird. Wie zu erkennen: Firmen mit
Erfahrung nutzen diese Chance zum antizyklischen Verhalten.

© 3. 9. 2015 TEXXOL Mineralöl AG

Pressekontakt:
Dr. Sönke Harrsen
TEXXOL Mineralöl Aktiengesellschaft
Kirchenstraße 7
21244 Buchholz
Telefon: +49/(0)4181/21922-0
Telefax: +49/(0)4181/219 22-29
E-Mail: zentrale@texxol.de

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