Europäisches Patentamt verhandelt den Einspruch von Ärzte der Welt gegen das Patent für das Hepatitis-C-Medikament Solvaldi / Entscheidung am 5. Oktober erwartet

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Das Europäische Patentamt verhandelt am 4. und 5.
Oktober in München im Rahmen einer öffentlichen Anhörung über die
Anfechtung des Patents auf den Wirkstoff Sofosbuvir durch Ärzte der
Welt.

Es ist das erste Mal in Europa, dass eine medizinische
Nicht-Regierungs-Organisation als Klägerin auftritt, um den Zugang zu
Arzneimitteln für Patienten zu verbessern. Denn das
„1000-Dollar-Medikament“ Sovaldi mit dem Wirkstoff Sofosbuvir des
Herstellers Gilead kann je nach Land zu Behandlungskosten von bis zu
60.000 Euro führen. In Deutschland sind die Krankenkassen mit
Milliardenkosten konfrontiert, die Preispolitik des Pharmakonzerns
steht europaweit in der Kritik. Der Patentanfechtung haben sich
mittlerweile neun Hersteller von Generika angeschlossen. Der
Einspruch wurde mit technischer und rechtlicher Unterstützung des
internationalen Netzwerkes I-MAK (Initiative For Medicines, Access
and Knowledge) und des Patentanwaltes Lionel Vial vorbereitet.

Auf welcher Grundlage ficht Ärzte der Welt das Patent an?

Der hohe Preis des Medikaments fußt nach Auffassung von Ärzte der
Welt auf einem ungültigen Patent.

Denn bei Einreichung der Dokumente vor dem Europäischen Patentamt
wurde nicht die exakte Formel für Sofosbuvir aufgeführt, sondern eine
wesentlich breiter gefasste chemische Zusammensetzung. In den
eingereichten Unterlagen wurde nach Einschätzung von Ärzte der Welt
zudem keine spezifische Methode vorgestellt, um Sofosbuvir
synthetisch herzustellen.

Außerdem waren Wirkstoffe wie Sofosbuvir bereits früher Gegenstand
der Forschung, gehörten also zum State of the Art. An der Universität
Cardiff/Wales hatte der Biochemiker Dr. Plinio Perrone den Wirkstoff
2007 bereits entdeckt. Daher hat Sofosbuvir nach Meinung von Ärzte
der Welt keinen innovativen Charakter.

Der Einspruch gegen ein Patent ist ein Rechtsmittel, mit dem die
Berechtigung des Patentes angefochten werden kann. Patenteinsprüche
wurden in der Vergangenheit von zivilgesellschaftlichen
Organisationen zum Beispiel in Indien, Brasilien, in Ägypten oder den
USA genutzt, um bereits erteilte Patente aufzuheben und die
Herstellung von kostengünstigeren Generika zu ermöglichen.

Podiumsdiskussion am 5. Oktober in München

Ärzte der Welt lädt anlässlich der Anhörung am 5. Oktober um 20
Uhr zu einer Podiumsdiskussion ins Münchner Künstlerhaus/Lenbachplatz
8 ein.

Experten aus dem Gesundheitswesen diskutieren die Ergebnisse der
Anhörung und erörtern mögliche Auswirkungen der drastischen
Preissteigerungen bei Arzneimitteln auf unser solidarisches
Gesundheitssystem. Dr. Werner Bartens, Wissenschaftsredakteur bei der
Süddeutschen Zeitung, moderiert die Veranstaltung.

Sowohl während der Anhörung als auch im Vorfeld der Veranstaltung
stehen Ihnen Interviewpartner aus Deutschland, Frankreich, Spanien
und Großbritannien zur Verfügung.

Eine europaweite Kampagne von Ärzte der Welt setzt sich
darüberhinaus für bezahlbare Medikamente ein:
www.derpreisdeslebens.org

Pressekontakt:
Ute ZURMÜHL
Leitung Medien & Kommunikation
Ärzte der Welt e.V.
Leopoldstr. 236, 80807 München,
t. +49 (0) 89 45 23 081-24,
m. +49 (0) 160 855 74 27
ute.zurmuehl@aerztederwelt.org
www.aerztederwelt.org

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