Ex-Bundesaußenminister Joschka Fischer bei „Precht“ im ZDF: „Meine Zielvorstellung sind die Vereinigten Staaten von Europa“ (FOTO)

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Vor drei Jahren erhielt die EU den Friedensnobelpreis, doch jetzt
treibt die Flüchtlingskrise die Gemeinschaft auseinander. Ist die
europäische Einheit, die vielbeschworene Wertegemeinschaft, nur eine
Fiktion? „Europa – Kaputte Gemeinschaft?“ – darüber spricht Richard
David Precht in seiner Philosophiesendung am Sonntag, 11.Oktober
2015, 0.00 Uhr, mit dem ehemaligen Außenminister und überzeugten
Europäer Joschka Fischer.

Mehr denn je zeigt sich Europa zerrissen zwischen supranationaler
Solidarität und nationaler Souveränität, zwischen politischen
Idealisten, noch mehr Lobbyisten und noch viel mehr desinteressierten
Bürgern, zwischen armen und reichen Ländern. Aber auch zwischen
Neumitgliedern wie Ungarn, Kroatien oder Tschechien, die ihren lange
unterdrückten Nationalstolz aufleben lassen, während die
unangefochtenen Hegemonialmächte Deutschland und Frankreich an allen
europäischen Instanzen vorbei ihr eigenes Süppchen kochen, so Precht.

Joschka Fischer ist optimistischer. Seine Vision: „Meine
Zielvorstellung ist, zumindest im Rahmen der Eurogruppe, eine volle
politische Integration. Das heißt: Die Vereinigten Staaten von Europa
(…).“ Doch zunächst müsse sich Europa um die Flüchtlingskrise
kümmern. Fischer: „Die kurzfristigen Herausforderungen machen es
notwendig, ein gemeinsames Grenzschutz-System und -Verfahren zu
haben.“ Wie aber sieht es mit einer europäischen Verteidigungspolitik
aus, fragt Precht. Joschka Fischer antwortet atlantisch: „Ich wünsche
mir, dass die Europäer im Rahmen der NATO sehr viel stärkere Beiträge
leisten. (…) Wir leben mit unserer Sicherheit immer noch von der
Sicherheitsgarantie der USA. Und wer das ändern will, der muss sehr,
sehr, sehr viel Geld in die Hand nehmen.“ Europa werde früher oder
später auch eine gemeinsame Armee haben, meint Fischer. „Aber solange
wir so abhängig sind von der Sicherheitsgarantie, empfehle ich die
NATO dringend, ganz dringend“, mahnt er die Europäer.

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