Flüchtlinge erheben schwere Vorwürfe gegen Betreiber einer Unterkunft im Landkreis Gifhorn

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Flüchtlinge einer kommunalen Sammelunterkunft des
Landkreises Gifhorn haben schwere Vorwürfe gegen den Betreiber
erhoben. Der Umgangston sei rau und respektlos. Für Verstöße gegen
zum Teil willkürlich festgelegte Regeln würden Strafzahlungen
verlangt. Einmal sei sogar ein besonders brutales Propaganda-Video
der IS-Terrormiliz gezeigt worden, in dem einem Jungen der Kopf
abgeschlagen wird. „Wir leben in ständiger Angst. Meine Kinder haben
seit vier Tagen das Zimmer nicht verlassen“, berichtet ein Flüchtling
im Interview dem NDR Landesmagazin „Hallo Niedersachsen“.

Die Vorwürfe richten sich vor allem gegen Leiter Frank E., der die
Unterkunft mit seinem privaten Sicherheitsunternehmen Protector
Security betreibt. Einen Teil der Vorwürfe räumt er ein. Dass er
Flüchtlingen, die zum Teil aus dem syrischen Bürgerkrieg geflohen
sind, ein Gräuelvideo zeigte, begründet er gegenüber „Hallo
Niedersachsen“ auf Anfrage so: „Das Video habe ich aus dem Anlass
heraus gezeigt, weil in einer Diskussion mal wieder Thema war, zu
Hause sei alles besser. Da wollte ich mal veranschaulichen, was da so
Zuhause los ist.“ Weiter schreibt Frank E.: „Da ich, seitdem wir die
Flüchtlingsbewachung machen, immer wieder die gleiche Leier von den
Schutzbefohlenen zu hören bekomme“.

Der Umgangston von Frank E. sei laut und aggressiv, auch gegenüber
Kindern. Das beklagen Flüchtlinge. Dazu teilt der Leiter der
Einrichtung schriftlich mit: „Ja, es ist richtig, mein Ton ist
manchmal etwas rau. Werde mehrfach täglich mit den gleichen Fragen
von den gleichen Personen gelöchert.“

Im Haus hing zudem über Wochen ein „Sanktionskatalog“. Darauf sind
Strafzahlungen verzeichnet, die die Flüchtlinge bei Verstößen leisten
sollten. Zum Beispiel: „Besucher nicht angemeldet – 20 Euro, Essen
außerhalb des Gemeinschaftsraumes – 20 Euro“. Ein Flüchtling erzählt,
er habe 20 Euro Strafe bezahlen müssen, weil die Waschmaschine
übergelaufen sei. Frank E. bestätigt das. Solche Strafzahlungen sind
nach Angaben von Hilfsorganisationen wie DRK oder den Johannitern
nicht üblich.

Beschwerden über Frank E. hatten die Flüchtlinge bereits Ende Juli
beim zuständigen Landkreis Gifhorn vorgetragen. Die Kreisrätin Evelin
Wißmann bestätigt das gegenüber „Hallo Niedersachsen“. Es habe ein
Gespräch zwischen Frank E. und einem Mitarbeiter der Ausländerbehörde
gegeben, teilt Wißmann auf Anfrage mit. Zu den Sanktionszahlungen
sagt die Kreisrätin: „Wenn Flüchtlinge mutwillig etwas beschädigen,
dann müssen sie den Schaden ersetzen.“

Der betreffende Sanktionskatalog sei aber nicht in Absprache mit
dem Landkreis ausgehängt worden. Allerdings liegen „Hallo
Niedersachsen“ Dokumente vor, die aufzeigen, dass ein Mitarbeiter des
Landkreises Gifhorn durchaus von einem Sanktionskatalog gewusst habe.
Die Kreisrätin Evelin Wißmann sagt dazu: Es sei dabei lediglich um
Geld für Reparaturen bei mutwilliger Beschädigung gegangen. Der
tatsächlich aufgehängte Sanktionskatalog sei vom Landkreis aber nicht
kontrolliert worden. Der Sanktionskatalog hing offen einsehbar im
Eingangsbereich. Der Landkreis habe ihn mittlerweile abgehängt.

Kreisrätin Evelin Wißmann sagt, bisher habe sie die Unterkunft
noch nicht besucht, das sei geplant. Frank E. ist noch immer in der
Unterkunft im Dienst.

An die Redaktionen: Für Rückfragen stehen Ihnen bei „Hallo
Niedersachsen“ I Fernsehredaktion | Jörg Ihssen Tel. 0511 988 – 2410
gerne zur Verfügung.

Weitere Informationen unter ndr.de/niedersachsen

Pressekontakt:
NDR Norddeutscher Rundfunk
Presse und Information
Ralf Pleßmann
Telefon: 040 / 4156 – 2333
Fax: 040 / 4156 – 2199
r.plessmann@ndr.de
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