Flüchtlinge in Deutschland: „Ein weiterer Schritt in Sachen Integration“

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„Die Sprache ist der Schlüssel. Ohne Deutsch geht gar nichts“, erklärt Projektleiter Otmar Dippel. Der Diplom-Berufspädagoge hat früher als Berufsschullehrer gearbeitet. Jetzt bringt er Menschen aus Ländern wie Afghanistan, Bosnien, Bulgarien, Russland, Kasachstan, Jemen, Dominikanische Republik, Syrien, Türkei und China die deutsche Sprache bei.

Die Teilnehmer sind hochmotiviert. „Es ist erstaunlich zu sehen, wie schnell sie gemeinsam lernen“, freut sich Otmar Dippel. Da sie aus verschiedenen Ländern kommen, haben sie keine gemeinsame Sprache. Daher müssen sie zwangsläufig auf ihre neuerworbenen Deutschkenntnisse zurückgreifen, um gemeinsam kommunizieren zu können.

Auch wenn es zu Beginn einige Verständigungsprobleme gab, geht es innerhalb der Gruppe sehr familiär und freundschaftlich zu, betont Otmar Dippel. Neben dem Deutschkurs gehören auch gemeinsame Freizeitaktivitäten zum Gruppenalltag.
Wissensdurst und Motivation

Die Kursteilnehmer sind zwischen 26 und 61 Jahre alt und verfügen über unterschiedliche Bildungshintergründe. Das Spektrum reicht von Akademikern und Facharbeitern bis hin zu Menschen, die nur über sehr wenig Schulbildung verfügen. „Einige Teilnehmer waren gerade einmal drei Jahre in der Schule und mussten danach sofort in der Landwirtschaft oder als ungelernte Kräfte in der Industrie aushelfen“, erklärt Otmar Dippel. Eine Teilnehmerin aus dem Jemen hat in ihrer Heimat nie eine Schule von innen gesehen. Sie hat sich selbst das Lesen und Schreiben beigebracht. Ihr Wissensdurst und ihre Motivation sind so groß, dass sie zu den besten Teilnehmern des Deutschkurses gehört. Mittlerweile hat sie in Deutschland den Führerschein gemacht und die theoretische Prüfung sogar auf Deutsch abgelegt. Derzeit bemüht sie sich um ein Praktikum in einer Arztpraxis.

Die beruflichen Möglichkeiten in Deutschland sind ein wichtiges Thema innerhalb der Gruppe. Zwei Teilnehmerinnen möchten mit einer Garküche bzw. Snackbar ihr eigenes Gewerbe eröffnen. Dabei greift ihnen der ehemalige Berufsschullehrer Otmar Dippel tatkräftig unter die Arme. Er begleitet seine Teilnehmer auf Behördengänge, unterstützt sie beim anfallenden Schriftverkehr und hilft ihnen bei der Suche nach möglichen Arbeits-, Ausbildungs- und Praktikumsplätzen.

Im Rahmen der Berufsorientierung haben Otmar Dippel und 15 seiner Teilnehmerinnen und Teilnehmer kürzlich den Homberger Kindermöbelproduzenten „Ehring Markenmöbel“ besucht. Die Ehring GmbH baut und entwickelt qualitativ hochwertige und pädagogisch wertvolle Spiel- und Kindermöbel, die in Partnerschaft mit der Aurednik GmbH an Kindergärten, Kinderkrippen und Schulen vertrieben werden. Außerdem betreibt die Firma Ehring seit November 2015 den Onlineshop ehring-shop.de, auf dem sie ein spezielles Sortiment an Kinder- und Spielmöbeln für Privatkunden anbietet. Für ihre Arbeit und ihr Engagement wurde sie bereits dreimal in Folge für den Deutschen Mittelstandspreis nominiert. 2015 wurde das nordhessische Unternehmen mit dem Finalistenpreis der Oskar-Patzelt-Stiftung ausgezeichnet. Das gesamte Möbelsortiment wird mit mehr als 75 Mitarbeitern auf rund 8.000 qm Fläche produziert. Dabei kommt ein moderner, CNC-gesteuerter Maschinenpark zum Einsatz.

Neben einer ausführlichen Betriebsbesichtigung präsentierte Führungskreismitglied Kathrin Corell den Besuchern fundierte Informationen über die deutschlandweit erfolgreiche Firma und die dort anfallenden Tätigkeiten und Berufsfelder. Dabei konnte sie auf sämtliche anfallenden Fragen eingehen. „Wir freuen uns, wenn wir Menschen bei der Berufs- und Chancenfindung helfen können“, so die Leiterin der Abteilung Marketing- und Vertrieb. „Als Ausbildungsbetrieb und regional engagiertes Unternehmen bieten wir gerne Betriebsführungen und Informationsveranstaltungen an. Für gewöhnlich besuchen uns örtliche Schulen und Kindergärten sowie sozial engagierte Gruppen und Vereine. Daher freut es uns besonders, dieses pädagogische Projekt unterstützen zu können.“

Wieder in den Unterrichtsräumen des Sprachförderkurses angekommen, verteilt Otmar Dippel Fragebögen, mit denen die Kursteilnehmer die erhaltenen Informationen Revue passieren und besprechen können. „Dieser Termin war eine große Hilfe“, so der Diplom-Berufspädagoge. „Wir haben einen tollen Einblick in einen interessanten Berufszweig erhalten und konnten außerdem sehen, wie es in einem modernen Unternehmen zugeht.“

Einige Kursteilnehmer haben bereits angekündigt, dass sie sich gerne für ein Praktikum bei Ehring Markenmöbel bewerben wollen. „Jetzt steht also erstmal das Thema „Bewerbungsschreiben“ auf dem Programm“, erklärt Otmar Dippel. „So greift eins ins andere und es ist schön zu sehen, dass alle Kursteilnehmer davon profitieren und gemeinsam einen weiteren Schritt in Sachen Integration gehen.“

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