FreieÄrzteschaft warnt: Wohnortnahe Arztpraxen fallen Wirtschaft und Staat zum Opfer

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Das Gesundheitswesen entwickelt sich derzeit stark
in Richtung renditeorientierter Konzernmedizin. Zudem greift der
Staat seit Jahren immer mehr in die ambulante Medizin ein und fördert
poliklinikartige Strukturen. Beides bedrohe die ärztliche
Unabhängigkeit im Interesse der Patienten, kritisierte die Freie
Ärzteschaft (FÄ) am Freitag in Essen. „Wenn Medizin sich zunehmend am
Gewinnstreben privater Klinikkonzerne ausrichtet oder aber der
Kontroll- und Sparwut des Staates zum Opfer fällt, dann wird das
Arzt-Patienten-Verhältnis belastet“, sagte FÄ-Vorsitzender Wieland
Dietrich. „Die ärztliche Unabhängigkeit ist ein hohes Gut, das
Patienten und Ärzte verteidigen müssen – es darf weder durch
Wirtschaftsinteressen noch durch staatliche Eingriffe infrage
gestellt werden.“

Die privaten Klinikkonzerne übernähmen immer mehr das Ruder im
Gesundheitswesen. Mit eigenen Medizinischen Versorgungszentren und
Portalpraxen an Krankenhäusern wollten sie ambulante Patienten in die
Kliniken lotsen, um stationäre Behandlungen und Gewinn zu generieren.
Es müsse aber endlich das Gegenteil vertreten werden: das Prinzip
„ambulant vor stationär“. Dietrich betont: „Die wohnortnahen Haus-
und Facharztpraxen sind der effizienteste und patientenfreundlichste
Behandlungsort. Sie sind häufig schnell erreichbar und die Patienten
werden standardmäßig von einem Facharzt behandelt.
Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe und die Bundesregierung sind
dafür verantwortlich, dass die unabhängigen Arztpraxen zwischen
Konzernmedizin und den geplanten bürokratischen, staatlichen
Versorgungszentren zerrieben werden. Wir brauchen endlich
Bürokratieabbau und eine deutliche Verbesserung der wirtschaftlichen
Situation der wohnortnahen Arztpraxen.“ Nur so könne man auch dem
Ärztemangel entgegensteuern und das ambulante Gesundheitswesen
finanzierbar und effizient halten.

„Wenn am Ende die Wirtschaftsinteressen der Konzerne
Therapieentscheidungen steuern, dann gibt es keine unabhängige
ärztliche Tätigkeit mehr für den Patienten. Dann bestimmen Ökonomen“,
macht Dietrich klar. Patienten sollten sich darüber bewusst sein,
dass sie dann nicht unbedingt die Behandlung bekommen, die ihren
alleinigen gesundheitlichen Bedürfnissen entspricht. So würden in den
Kliniken Über- und Fehlbehandlungen entstehen, aus wirtschaftlichen
Gründen würden stationäre Behandlungen gemacht, die ambulant möglich
wären.

„Aber auch eine staatlich verwaltete, bürokratische
Schmalspurmedizin ist der falsche Weg“, warnt der FÄ-Chef. „Dies
belegen Erfahrungen aus England und Skandinavien mit monatelangen
Wartezeiten, fehlender freier Arztwahl und Checklistenmedizin.“ Die
Freie Ärzteschaft mahnt, nur der Grundsatz „ambulant vor stationär“
mit dem Vorrang für freiberufliche Haus- und Facharztpraxen biete die
Chance, Medizin in Deutschland bezahlbar und zugleich unabhängig im
Interesse der Patienten zu halten. Diese böten die beste Gewähr für
eine unabhängige Medizin, die die Bedürfnisse der Patienten
berücksichtigt.

Über die Freie Ärzteschaft e.V.

Die Freie Ärzteschaft e. V. (FÄ) ist ein Verband, der den
Arztberuf als freien Beruf vertritt. Er wurde 2004 gegründet und
zählt heute mehr als 2.000 Mitglieder: vorwiegend niedergelassene
Haus- und Fachärzte sowie verschiedene Ärztenetze. Vorsitzender des
Bundesverbandes ist Wieland Dietrich, Dermatologe in Essen. Ziel der
FÄ ist eine unabhängige Medizin, bei der Patient und Arzt im
Mittelpunkt stehen und die ärztliche Schweigepflicht gewahrt bleibt.

Pressekontakt:
Daniela Schmidt, Tel.: 0176 49963803,
E-Mail: presse@freie-aerzteschaft.de

V .i. S. d. P.: Wieland Dietrich, Freie Ärzteschaft e.V.,
Vorsitzender, Gervinusstraße 10, 45144 Essen, Tel.: 0201 68586090,
E-Mail: mail@freie-aerzteschaft.de, www.freie-aerzteschaft.de

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