Gemeinwohl gewinnt: Jede zweite Stiftung wird erben / Wer sind Deutschlands Stifterinnen und Stifter? Der Bundesverband Deutscher Stiftungen legt Studie zu Motiven und Engagement vor

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Fast 53 Prozent aller Stifterinnen und Stifter
wollen ihrer Stiftung Geld vererben, 34 Prozent werden schon zu
Lebzeiten das Kapital aufstocken. Dies sind Ergebnisse der Studie
„Stifterinnen und Stifter in Deutschland. Engagement – Motive –
Ansichten“, für die der Bundesverband Deutscher Stiftungen rund 700
Stiftende befragt hat.

Prof. Dr. Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbandes
Deutscher Stiftungen, heute auf der Pressekonferenz in Berlin: „Die
in Ausführlichkeit und Aktualität einzigartige Studie füllt eine
Wissenslücke. Mit der Befragung von fast 700 Stifterinnen und
Stiftern können wir detailliert beschreiben, wer, warum, wofür und
wie in Deutschland stiftet. Die Stifterstudie 2015 nimmt zudem die
Zukunft der Stiftungen in den Blick. Fast 80 Prozent der Stifter, die
zustiften wollen, planen das bestehende Stiftungskapital mindestens
zu verdoppeln. Rund 17 Prozent wollen das Kapital gar mehr als
verzehnfachen. Damit stehen die Stiftungsvermögen in Deutschland vor
einem immensen Wachstumsschub.“

Generalsekretär Hans Fleisch appellierte auch an die Politik,
Stifterinnen und Stiftern schnell mehr Flexibilität einzuräumen: „Die
Untersuchung hat ergeben, dass Stiftende sich zu 95 Prozent auch nach
der Gründung in ihrer eigenen Stiftung engagieren. Dabei sammeln sie
wertvolle Erfahrungen, die sie bei der Errichtung noch nicht hatten.
Wenn sie diese oder aktuelle Herausforderungen, wie die
Flüchtlingskrise, mit einer Änderung in der Stiftungssatzung
berücksichtigen wollen, wird das derzeit vom Stiftungsrecht
erschwert. Daher sollten Stifterinnen und Stiftern mehr Rechte
bekommen. Wir brauchen eine Flexibilisierung des Stiftungsrechts –
und das ist besonders dringlich, damit sich noch mehr Stiftungen für
Flüchtlinge engagieren können.“

Weiter kommt die Studie zu dem Schluss, dass die
Anerkennungskultur für Stiftungen verbessert werden muss.
Gleichzeitig sind die Stiftenden selbst gefordert mit ihren
Stiftungen stärker in die Öffentlichkeit zu treten – zum Beispiel, um
als Vorbild andere zum Stiften zu motivieren. Insbesondere Erben sind
unter den Stiftern noch wenig vertreten. Vom demografischen Wandel
und einer Erbschaftswelle von 2,6 Billionen Euro im kommenden
Jahrzehnt kann der Stiftungssektor profitieren, wenn mehr Erbinnen
und Erben für das Stiften gewonnen werden.

Die Autoren stellten zudem fest, dass neben der klassischen
Stiftung flexiblere Formen wie die Treuhandstiftung an Bedeutung
gewinnen und der Sektor damit heterogener wird.

Motive und Engagement

Stifterinnen und Stifter in Deutschland sind tatkräftige
Idealisten, die aus Verantwortungsbewusstsein heraus stiften (80
Prozent) und der Gesellschaft etwas zurückgeben wollen (69 Prozent).
Die meisten Befragten möchten, dass ihre Stiftung unabhängig von
Trends agiert und staatliches Handeln ergänzt, aber nicht ersetzt (80
Prozent). Um ihre Stiftungsziele zu erreichen, packen Stifter selbst
an. Sie stiften nicht nur Geld, sondern bringen auch Zeit und
Erfahrungen ein: 93 Prozent der Befragten sind entweder Mitglied in
einem Gremium oder in der Geschäftsführung ihrer Stiftung.

Alter, Geschlecht, Familienstand und Bildung

Das hohe persönliche Engagement erklärt sich auch durch das Alter,
in dem Menschen stiften: Neun von zehn Menschen stiften zu Lebzeiten,
die meisten in der sogenannten dritten Lebensphase – also kurz vor
dem oder im Ruhestand. Jeder zweite befragte Stifter war bei
Stiftungsgründung bereits Rentner. Damit hat sich das Alter, in dem
Menschen stiften, erhöht.

Es sind zwar immer öfter Frauen an Stiftungserrichtungen
beteiligt, insgesamt werden aber die meisten Stiftungen von Männern
gegründet. Bei knapp der Hälfte der Stiftungserrichtungen der
vergangenen 60 Jahre stiftete ein Mann allein oder mit einem anderen
Mann, bei weiteren gut 30 Prozent stifteten Männer gemeinsam mit
einer Frau.

Jede vierte Stiftung wurde ausschließlich von Frauen errichtet.
Gut 70 Prozent der befragten Stifterinnen und Stifter sind
verheiratet oder leben in fester Partnerschaft. Jeder zweite
Stiftende hat keine Kinder und schafft sich mit der Stiftung eine
geeignete Erbin.

Stifterinnen und Stifter verfügen über ein höheres Bildungsniveau
als der Durchschnitt der Bevölkerung in Deutschland: Rund 70 Prozent
der Befragten haben mindestens einen Hochschulabschluss.

Vermögen und Vermögensherkunft

40 Prozent der befragten Stifterinnen und Stifter gehören zu den
„High Net-Worth Individuals“, das heißt sie haben mehr als eine
Million Euro frei verfügbares Kapitalvermögen. Das gestiftete
Vermögen wurde zu 80 Prozent zumindest teilweise von den Stiftenden
selbst erwirtschaftet. 54 Prozent haben Geld aus selbstständiger
unternehmerischer Tätigkeit eingebracht. Erben stiften seltener.

Studiendesign und Förderer

676 Stifterinnen und Stifter antworteten schriftlich auf die
Umfrage und 15 Personen wurden persönlich interviewt. Das
Forschungsdesign baut auf der Vorgängerbefragung der Bertelsmann
Stiftung aus dem Jahr 2005 auf. Neu ist unter anderem der Fokus auf
Treuhandstifter und die Frage, ob Gründer dieser neuen und beliebten
Stiftungsform anders stiften. Die Befragungen wurden zwischen
September 2014 und Mai 2015 durchgeführt. Die Studie „Stifterinnen
und Stifter in Deutschland. Engagement – Motive – Ansichten“ ist mit
Unterstützung der Klaus Tschira Stiftung und des Stifterverbandes für
die Deutsche Wissenschaft erschienen.

Bibliografische Angaben

Leseberg, Nina / Timmer, Karsten: Stifterinnen und Stifter in
Deutschland. Engagement – Motive – Ansichten. Bundesverband Deutscher
Stiftungen (Hg.). Berlin 2015. 236 Seiten. ISBN 978-3-941368-78-1.
Die Studie ist als gedrucktes Buch (12,90 Euro / 9,90 Euro für
Mitglieder) und E-Pub (kostenlos) erschienen.

Bundesverband Deutscher Stiftungen

Als unabhängiger Dachverband vertritt der Bundesverband Deutscher
Stiftungen die Interessen der Stiftungen in Deutschland. Der größte
Stiftungsverband in Europa hat mehr als 4.000 Mitglieder; über
Stiftungsverwaltungen sind ihm 7.000 Stiftungen mitgliedschaftlich
verbunden. Damit repräsentiert der Dachverband rund drei Viertel des
deutschen Stiftungsvermögens in Höhe von mehr als 100 Milliarden
Euro.

Weiterführende Informationen unter www.stiftungen.org/presse
– Studie digital und Kurzfassung mit zentralen Grafiken, druckfähig
– Porträts, Fotos und Zitate von Stiftern und Stifterinnen
– Fakten zu Stiftungen in Deutschland

Pressekontakt:
Katrin Kowark | Pressesprecherin
Telefon (030) 89 79 47-77
Mobil (0176) 240 245 49
katrin.kowark@stiftungen.org

Matthias Deggeller
Telefon (030) 89 79 47-32
matthias.deggeller@stiftungen.org

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