„Gesellschaft braucht Kontrolleüber einige Algorithmen“ / BLM-Forum zu „Fake-News, Social Bots& Co: (Soziale) Medien und Wahlen“

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Ist die derzeitige Aufregung um den Einfluss von
Algorithmen, Social Bots, Fake News & Co auf politische Wahlen
berechtigt? Stellen die dadurch möglichen Manipulationsmöglichkeiten
über die sozialen Medien gar eine Gefahr für die demokratische
Gesellschaft dar? Der US-Wahlkampf habe ja schließlich genügende
Beispiele geliefert, heißt es teilweise in der Presse oder auch in
wissenschaftlichen Studien.

Größtenteils entspannt zeigten sich mit Blick auf das Wahljahr
2017 in Deutschland die Vertreter aus Wissenschaft, Politik und
Journalismus beim gestrigen BLM-Forum „Fake News, Social Bots & Co –
Soziale Medien und Wahlen“. BLM-Präsident Siegfried Schneider
verdeutlichte zum Auftakt die zentrale Frage: Wer solle am Ende des
Tages die Verantwortung übernehmen? „Wir müssen uns fragen, ob wir
die negativen Aspekte der sozialen Medien mit den vorhandenen
Instrumentarien in den Griff bekommen.“ Es gebe durchaus
Regelungslücken. Aus Sicht der Landesmedienanstalten wäre ein
koordiniertes Vorgehen von Bund und Ländern in dieser Frage wichtig.

Für die Bundestagswahl 2017 erwartet die Informatikerin Prof. Dr.
Katharina Zweig momentan keine Manipulation durch Algorithmen.
Allerdings dürfte die Macht der Algorithmen auch nicht unterschätzt
werden, warnte die Mitgründerin der Initiative „Algorithm Watch“. Die
Infrastruktur im Internet und die Monopolstellung wichtiger
Intermediäre wie z.B. Facebook und Google ermögliche die Manipulation
der Algorithmen und damit die Einflussnahme auf die Nutzer. Derzeit
sehe sie dafür aber keine belastbaren Anzeichen. Als Problem sieht
sie die so genannten Social Bots, computergesteuerte Fake-Accounts in
sozialen Netzwerken, die automatisch Texte verfassen. Diese Bots
agierten wie Menschen und manipulierten damit die Algorithmen. Auf
jeden Fall brauche die Gesellschaft Kontrolle über manche
Algorithmen, so Zweigs Fazit. Um all diese Zusammenhänge zu erkennen,
brauche es auf der Nutzerseite Medienkompetenz und das Vertrauen in
journalistisch arbeitende Medien.

Wie wichtig das Vertrauen in die journalistische Arbeit sei, das
Populisten wie Trump oder die AfD zerstören wollen, betonte auch
Journalismus-Professor Stephan Weichert im Interview mit Moderator
Richard Gutjahr. Die Direktkommunikation politischer Akteure über
soziale Netzwerke zum Wahlvolk sei an sich nichts Schlechtes, aber
bei Populisten eben sehr gefährlich.

Bierzelt oder Facebook, was sei in heutigen Zeiten wichtiger für
die Politik, so die Frage von Gutjahr an den CSU-Politiker Markus
Blume auf dem Podium. Beides sei wichtig, könne aber nicht
miteinander verglichen werden, antwortete Blume und plädierte dafür,
die Diskussion über Fake News, Social Bots und Co „ohne Hype“ zu
führen. Wichtig und notwendig sei die Diskussion dennoch, sagte Simon
Hegelich, Professor für Political Data Science an der Hochschule für
Politik München. Denn die derzeitigen Veränderungen in der
Kommunikation bedeuteten einen Umbruch, der durchaus mit der
Erfindung des Buchdrucks zu vergleichen sei. In puncto Fake News
warnte er zwar davor, aus falsch interpretierten Daten einen Hype zu
machen. Von Schuldzuweisungen halte er aber nichts, eher sehe er die
Frage nach der Verantwortung. Deshalb gebe es mit Blick auf
Internetunternehmen wie Facebook eine politische Pflicht zur
Regulierung.

Für die Direktorin der Medienanstalt Berlin-Brandenburg, Dr. Anja
Zimmer, sind Facebook und Google „mehr als technische Unternehmen“.
Mit Bezug auf Hatespeech plädierte sie dafür, zunächst die
strafrechtliche Verfolgung zu verstärken. Generell sollte im Rahmen
der Debatte über Manipulationen durch Fake News & Co überlegt werden,
wer diese Themen künftig reguliere.

Und wie gehen Redaktionen in der Praxis mit Fake News um? Daniel
Fiene, Leiter redaktionelle Digitalstrategie der Rheinischen Post,
sieht es kritisch, wenn Medienunternehmen zu sehr den Faktencheck
betonten: „Was signalisiere ich damit dem Leser?“ Eigentlich sollte
der Faktencheck Grundlage jeder journalistischen Arbeit sein. Das
Problem ist laut Fiene der politische Missbrauch redaktionellen
Materials. So wären Fotos aus Berichten über Messie-Haushalte in
anderen Zusammenhängen aufgetaucht, um Flüchtlinge zu diskreditieren.

Damit Journalisten besser lernen, mit der Entstehung und
Wirkungsweise von Algorithmen, Fake News und Social Bots umzugehen,
werden sie wohl dazulernen müssen, so die pragmatische Antwort von
Hegelich auf eine Nachfrage aus dem Publikum: „Programmieren lernen
hilft.“

Fotos und den Vortrag aus der Veranstaltung sind unter
http://ots.de/sXsAZ zu finden.

Pressekontakt:
Bettina Pregel
Stellv. Pressesprecherin
Tel. (089) 63808-318
bettina.pregel@blm.de

Original-Content von: BLM Bayerische Landeszentrale f?r neue Medien, übermittelt durch news aktuell

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