Gesundheitsökonom kritisiert niedrige Zahl der Reha-Empfehlungen durch MDK / „Report Mainz“, 5.7.2016, um 21.45 Uhr im Ersten

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Der Bremer Gesundheitsökonom Prof. Heinz Rothgang
kritisiert die niedrige Prozentzahl der Reha-Empfehlungen durch den
Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK). Im Jahr 2015
wurden fast 1,5 Millionen Menschen in Deutschland begutachtet, nur
30.902 Fälle bekamen eine Reha-Empfehlung. Das sind gerade einmal 2,1
Prozent. Gegenüber „Report Mainz“ sagte Rothgang: „Wir wissen nicht
genau, wie die optimale Zahl wäre: Die Erfahrung, die wir haben aus
Begutachtungen, aus Berichten von Gutachtern ist, dass es eigentlich
deutlich mehr sein müsste. Sechs Prozent war unser Studienergebnis
und zwei Prozent ist da immer noch deutlich zu niedrig.“

Weiter kritisiert Rothgang die Reha-Bewilligungspraxis von
gesetzlichen Krankenkassen: „Für Krankenkassen gibt es diesen Anreiz,
Reha zur Verhinderung von Pflegebedürftigkeit nicht zu bewilligen.
Die Kassen stehen in einem scharfen Wettbewerb im Bereich
Krankenversicherung, und wenn sie Kosten produzieren, schlägt sich
das im Beitragssatz nieder. Das heißt, Beiträge nicht steigen zu
lassen, ist ein großes Ziel von Kassen und eine Methode, um dies zu
erreichen, ist Reha-Maßnahmen nicht zu bewilligen“, sagte Rothgang im
Interview mit „Report Mainz“. Reha-Maßnahmen führten nur zu einer
Entlastung der Pflegeversicherung, deren Kassen nicht im Wettbewerb
zueinander stünden.

2013 und 2014 haben die Medizinischen Dienste zusammen mit den
Kranken- und Pflegekassen ein wissenschaftliches Projekt („Reha XI“)
durchgeführt. Es sollte die „Reha-Bedarfsstellung in der
Pflegebegutachtung“ unter die Lupe nehmen. Dieses Projekt hat das
Institut von Professor Rothgang wissenschaftlich begleitet.

Um Reha-Empfehlungen in ihrer gesamten Breite und damit richtig
einschätzen zu können, reiche die alleinige Betrachtung der
Reha-Empfehlungsquote bei der MDK-Pflegebegutachtung nicht aus, sagte
der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund (MDS) gegenüber dem
ARD-Politikmagazin. Und weiter: „So ist zum Beispiel zu
berücksichtigen, dass ein großer Anteil der begutachteten
Versicherten im Jahr vor der Pflegebegutachtung bereits eine
Reha-Maßnahme erhalten hat. Im Jahr 2015 traf dies auf mehr als jeden
sechsten begutachteten Versicherten zu.“ Auch sei die Zahl der von
der gesetzlichen Krankenversicherung durchgeführten Reha-Leistungen
für Pflegebedürftige oder von Pflegebedürftigkeit bedrohte Personen
stark angestiegen. „So ist allein die Zahl der im Krankenhaus
erbrachten geriatrischen frührehabilitativen Leistungen nach der
offiziellen DRG-Statistik zwischen 2010 von 186.381 Fällen auf
248.000 Fälle im Jahr 2013 gestiegen“, sagte der MDS auf „Report
Mainz“ Anfrage.

Kritik an der Bewilligungspraxis von Rehabilitationen üben auch
Gesundheitspolitiker der CDU. Im einflussreichen Fachausschuss
Gesundheit und Pflege haben sie dazu einen Beschluss gefasst. „Wir
wollen, dass also derjenige, der von der Reha profitiert, auch die
Reha bezahlt und das ist in dem Fall die Pflegeversicherung“, sagte
der Bundestagsabgeordnete Erwin Rüddel, der Mitglied des Gremiums
ist, im „Report Mainz“ Interview. Außerdem wolle der Fachausschuss
das Antragsverfahren zur Reha ändern. Rüddel wörtlich: „Die Rolle der
Hausärzte soll dadurch gestärkt werden, dass also der Hausarzt nicht
mehr nur den Antrag stellt und dann der Patient Bittsteller bei der
Kasse ist, sondern der Hausarzt löst konkret die Reha-Maßnahme aus.“

Weitere Informationen unter www.reportmainz.de. Zitate gegen
Quellenangabe „Report Mainz“ frei. Pressekontakt: „Report Mainz“,
Tel. 06131/929-33351.

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