Gewalt gegen christliche Flüchtlinge in Deutschland / Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen fordern Politik zu dringendem Handeln auf (FOTO)

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Die Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen AVC („Aktion für
verfolgte Christen und Notleidende“)/ Nidda, IGFM („Internationale
Gesellschaft für Menschenrechte“) / Frankfurt, Kirche in Not /
München, Open Doors / Kelkheim sowie der ZOCD („Zentralrat
Orientalischer Christen in Deutschland“) / München haben sich
zusammengeschlossen, um auf die zahlreichen Übergriffe gegen
christliche Flüchtlinge in deutschen Flüchtlingsunterkünften
hinzuweisen und von Politik und Behörden ihren wirksamen Schutz zu
fordern. Diesen besonderen Schutz fordern sie auch für andere
religiöse Minderheiten wie Jesiden, Bahai und weitere, die derselben
Problematik ausgesetzt sind.

Diskriminierung und Gewalt gegen christliche Flüchtlinge in
Flüchtlingsunterkünften geschieht weit häufiger, als dies Aussagen
von Behörden vermitteln. Obwohl Medien, Kirchenvertreter sowie Hilfs-
und Menschenrechtsorganisationen vielfach auf die steigende Anzahl
dokumentierter Übergriffe durch muslimische Flüchtlinge und
Wachpersonal in den Unterkünften verwiesen, haben die politischen
Entscheidungsträger zumeist keine ausreichenden Maßnahmen zum Schutz
der christlichen Minderheit ergriffen. Vielmehr verfestigt sich der
Eindruck,dass diese dramatische Entwicklung verdrängt, verharmlost
oder nicht beachtet wird. Häufig wird von den verantwortlichen
Entscheidungsträgern in Politik und Gesellschaft pauschal von
Einzelfällen gesprochen, die nicht religiös motiviert seien, ohne
dass hierfür eine belastbare Erhebung vorliegt.

Appell an Bundeskanzlerin: Menschenrecht Religionsfreiheit
schützen

Deshalb appellieren die Organisationen an die Bundeskanzlerin,
sich dieser unerträglichen Situation von schweren
Menschenrechtsverletzungen in Deutschland endlich zu widmen und dies
zur Chefsache zu machen. Es genügt nicht, wenn die Kanzlerin das
Menschenrecht Religionsfreiheit nur im Ausland anspricht. Wenn
christliche Flüchtlinge und andere religiöse Minderheiten in
Deutschland Schutz vor religiöser Verfolgung suchen und in den
Erstaufnahmeeinrichtungen genauso wie in ihren islamischen
Herkunftsländern diskriminiert und verfolgt werden, ohne Schutz zu
erhalten, dann ist dies eine eklatante Missachtung des Rechtes auf
Religionsfreiheit in Deutschland.

Gemeldete Vorfälle nur Spitze des Eisberges

Um Fehleinschätzungen entgegenzuwirken, die das Problem
verharmlosen, und um den Betroffenen eine Stimme zu geben, haben
mehrere Organisationen mit der Dokumentation religiös motivierter
Diskriminierung und Übergriffe auf christliche Flüchtlinge begonnen.
So hat das internationale Hilfswerk Open Doors, das sich weltweit für
verfolgte Christen einsetzt, binnen zwei Monaten bis zum Stichtag 15.
April 2016 im Rahmen einer systematischen Erhebung 231 Vorfälle aus
ganz Deutschland dokumentiert, die von Diskriminierung über
Körperverletzungen bis hin zu sexuellen Übergriffen und
Todesdrohungen die weitgehende Schutzlosigkeit christlicher
Flüchtlinge in den Unterkünften aufzeigen. Diese Dokumentation liegt
zur Verteilung vor und kann auf der Website des Werkes eingesehen
werden. Weitere Vorfälle, auch zu Übergriffen auf andere Minderheiten
wie Jesiden, sind bei der IGFM und AVC eingegangen. Jesidische Frauen
und Mädchen hatten sich an die IGFM gewandt, weil muslimische
Übersetzer sie bedroht oder ihre Aussagen in Anhörungsverfahren
falsch oder verkürzt übersetzt hatten. AVC hat bereits eine Petition
zum Schutz christlicher Flüchtlinge beim Generalsekretär der CDU
eingereicht. Der ZOCD unterhält aufgrund der zunehmenden Hilferufe
christlicher Flüchtlinge seit Juni 2015 ein bundesweites Netzwerk von
ehrenamtlichen Helfern für betroffene Flüchtlinge sowie eine
Notfall-Hotline, bei der an Spitzentagen bis zu 100 Anrufe
betroffener Christen eingehen, häufig mit Meldungen zu gewaltsamen
Übergriffen.

Die bislang gemeldeten Vorfälle stellen aus Sicht der
Organisationen nur die Spitze des Eisbergs dar.

Einige Gründe dafür, dass ein Großteil der christlichen
Flüchtlinge und anderer religiöser Minderheiten Vorfälle nicht
meldet, sind unter anderem

– weitverbreitete Angst, dass Todesdrohungen gegen das eigene
Leben sowie gegen im Heimatland verbliebene Angehörige umgesetzt
werden,
– die Erfahrung, dass eine Anzeige nichts bewirkt und zu einer
noch stärkeren Bedrohung und weiteren Übergriffen führt,
– die Erfahrung, dass der muslimische Wachschutz mehrmals selbst
zum Täter wurde und muslimische Übersetzer die Schilderungen der
Vorfälle nicht wahrheitsgemäß übersetzten.

Dass christliche Flüchtlinge in der Erhebung von Open Doors
angegeben haben, wie überrascht sie sind, „wegen ihres Glaubens in
Deutschland genauso schikaniert zu werden wie in ihrem Heimatland“,
zeigt, dass der Schutzauftrag, den die Aufnahmerichtlinie der EU
(2013/33/EU vom 26. Juni 2013) fordert, bislang nicht umgesetzt wird.
Politische Entscheidungsträger erwarten, dass Integration von
Flüchtlingen unmittelbar zu erfolgen hat. Da diese jedoch ein
langwieriger und schwieriger Prozess ist, der nicht auf dem Rücken
der christlichen Flüchtlinge und anderer religiöser Minderheiten
ausgetragen werden darf, stellen die Organisationen folgende
Forderungen anPolitik und Behörden:

1. Erfassung der Religionszugehörigkeit bei der Erstaufnahme und
Weiterleitung der Daten bei der Verlegung in andere
Unterkünfte.
2. Zusammenlegung von Minderheiten, so dass der Anteil der
Christen sowie anderer religiöser Minderheiten im Verhältnis zu
den Muslimen in etwa gleich ist.
3. Getrennte Unterbringung von Christen und anderen religiösen
Minderheiten, die bereits Opfer von Verfolgung und
Diskriminierung geworden sind. Dies sollte auch die Möglichkeit
einer dezentralen Unterbringung umfassen. Dezentrale
Unterbringung darf von Behörden nicht grundsätzlich blockiert
werden, insbesondere wenn entsprechend Wohnraum für betroffene
Christen angeboten wird.
4. Adäquate Erhöhung des nicht-muslimischen Anteils innerhalb des
Wachpersonals.
5. Regelmäßige Schulungen und Sensibilisierung der Mitarbeiter und
des Sicherheitspersonals in Flüchtlingsunterkünften
hinsichtlich Ursachen religiöser Konflikte und des Schutzes
religiöser Minderheiten.
6. Bereitstellung von Vertrauenspersonen christlichen Glaubens, an
die sich von Verfolgung betroffene Christen wenden können.

Pressekontakt:
Für weitere Fragen an die oben genannten Organisationen wenden Sie
sich bitte an unsere Pressekoordinationsstelle,Herrn Ado Greve, oder
direkt an die Organisationen.
T +49 6195 – 67 67 180
E pressebuero@opendoors.de
I www.opendoors.de

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