Gravierende Missstände im Reptilienhandel / Sachverständiger der Bundesregierung fordert Einschränkungen des Imports / „Report Mainz“, 23.8.2016, um 21.45 Uhr im Ersten

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Beim Import und Handel mit Reptilien für den
Heimtierbedarf kommt es zu gravierenden Missständen. Das berichtet
das ARD-Magazin „Report Mainz“ in seiner aktuellen Ausgabe
(23.8.2016). „Report Mainz“ stützt sich dabei unter anderem auf
Bilder von schwer verletzten und toten Tieren, die von der
Tierschutzorganisation PETA aufgenommen wurden. Die Bilder entstanden
bei Zulieferern großer Tiermärkte wie Dehner, Futterhaus und
Fressnapf.

Hintergrund ist der anhaltende Boom des Reptilienhandels in
Deutschland. 600.000 Reptilien werden jedes Jahr nach Deutschland
importiert. Nach weltweiten Recherchen von PETA sterben dabei bis zu
70 Prozent der Tiere. Die Verluste seien einkalkuliert, sagt die Peta
Veterinärmedizinerin Dörte Röhl dem ARD-Magazin: „Die Tiere werden in
Massen verfrachtet und eingekauft, das einzelne Tier hat dabei
eigentlich keinen Wert.“

Der Frankfurter Zoodirektor und Mitglied im Sachverständigenrat
für Umweltfragen der Bundesregierung Professor Manfred Niekisch
fordert gegenüber „Report Mainz“, den Import von Reptilien auf
besonders begründete Ausnahmefälle zu begrenzen. Es bestehe
dringender gesetzlicher Handlungsbedarf. „Wir wissen, welche
Auswirkungen der Massenhandel hat, also muss auch von politischer
Seite gehandelt werden“, sagt Niekisch. Neben den massiven
Tierschutzproblemen seien die schwer zu kontrollierenden Importe ein
großes Problem für den weltweiten Artenschutz.

Weitere Aufnahmen zeigen Bilder aus einem der größten deutschen
Zuchtbetriebe, der ebenfalls Tiermärkte beliefert. Zu sehen sind
Schlangen, die seit ihrer Geburt über viele Jahre in Plastikboxen
gehalten werden. Gegenüber „Report Mainz“ bezeichnete der Züchter die
Haltung, bei der die Schlangen sich nicht mal ausstrecken können, als
artgerecht. Für „nicht tragbar“ hält hingegen Biologe Manfred
Niekisch die dauerhafte Haltung in Plastikboxen: „Diese Tiere
vegetieren über Jahre nur vor sich hin.“ Neben Prof. Manfred Niekisch
fordert auch die baden-württembergische Tierschutzbeauftragte
Cornelie Jäger strengere Kontrollen und Auflagen für Züchter und
Händler, aber auch einen Sachkundenachweis für Käufer. Sie schlägt
eine Änderung und Erweiterung der Tierschutz-Heimtierverordnung vor.

Die zuständigen Bundesministerien reagierten auf Anfrage von
„Report Mainz“ abwartend. Der für den Tierschutz zuständige
Landwirtschaftsminister Christian Schmidt erklärte gegenüber dem ARD
Magazin, die Gesetze würden ausreichen, er wolle die Probleme weiter
wissenschaftlich untersuchen lassen. Zu den Importen verwies sein
Ministerium auf das Umweltministerium, was sich wegen EU-Rechts
skeptisch zu einem generellen Importstopp äußerte.

Die großen Tiermärkte Dehner, Fressnapf und Futterhaus haben
gegenüber „Report Mainz“ hingegen bereits Konsequenzen angekündigt.
Alle drei wollen zukünftig auf Importe von außerhalb Europas und auf
in der Natur gefangene Tiere verzichten. Dehner will das Sortiment
auf Schildkröten beschränken. Futterhaus kündigte an, nur noch Tiere
von eigens geprüften deutschen Züchtern anzubieten: „Auf Tiere, die
nicht in Deutschland gezüchtet werden, werden wir zukünftig
verzichten“, sagte der Futterhaus-Reptilienexperte Dominik Niemeier.

Weitere Informationen unter www.reportmainz.de. Zitate gegen
Quellenangabe „Report Mainz“ frei. Pressekontakt: „Report Mainz“,
Tel. 06131/929-33351

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