Große Mehrheit der Bevölkerung fordert Rechtsverbesserungen für Flüchtlingskinder in Deutschland – Umfrage im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerkes

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Zwei Drittel der Bevölkerung in Deutschland fordert
eine Verbesserung der rechtlichen Situation von Flüchtlingskindern in
Deutschland. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage von
infratest dimap im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerkes. 67
Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass alle Kinder, die in
Deutschland leben, die gleichen Rechte und Möglichkeiten haben
sollten. 31 Prozent vertreten hingegen die Auffassung, man könne
Flüchtlingskindern nicht sofort die gleichen Möglichkeiten bieten.

Trotz differenzierter Sicht der Anhänger der verschiedenen
Parteien kommen jeweils große Mehrheiten der im Bundestag vertretenen
Parteien zur Aussage, alle Kinder in Deutschland sollten gleich
behandelt werden. Hier schwankt die Zustimmungsrate zwischen 80
Prozent bei den Grünen-Anhängern und jeweils 71 Prozent bei den SPD-
und Unions-Anhängern bis zu 66 Prozent bei den Linken-Anhängern. Die
höchsten Zustimmungsraten bei den Alterskohorten erreichen in dieser
Frage sowohl die 18 bis 29-jährigen als auch die über 60-jährigen mit
jeweils 70 Prozent. Bei den 45 bis 59-jährigen sind immerhin noch 68
Prozent dieser Ansicht, während bei den 30 bis 44-jährigen dem nur 59
Prozent zustimmen.

Die Hälfte der Bundesbürger (50 Prozent) kann sich vorstellen,
sich persönlich für Flüchtlingskinder beispielsweise durch Übernahme
einer Patenschaft oder durch ehrenamtliche Hilfe zu engagieren, wenn
den Kindern damit das Leben in Deutschland erleichtert werden könnte.
45 Prozent wären nicht bereit, sich persönlich einzubringen. Die
Bereitschaft zu persönlichem Engagement ist insbesondere bei den
Anhängern der Grünen (71 Prozent) hoch, und auch bei den
SPD-Anhängern (58 Prozent) und Unions-Anhängern (54 Prozent) bzw.
Linken-Anhängern (53 Prozent) sind immer noch mehr als die Hälfte der
Befragten dazu bereit. Besonders hohe Zustimmungsraten verzeichnet
die Umfrage in dieser Frage auch bei Höhergebildeten (65 Prozent) und
bei jungen Menschen im Alter bis 29 Jahren (60 Prozent). 3 Prozent
der Befragten gaben an, sich bereits für Flüchtlingskinder in
Deutschland zu engagieren.

Ob Staat und Gesellschaft genug tun, um Flüchtlingskindern in
Deutschland in ihrer besonderen Lebenssituation zu helfen, darüber
gehen die Meinungen der Bundesbürger auseinander. Knapp die Hälfte
(49 Prozent) der Deutschen ist der Ansicht, es werde sehr viel (12
Prozent) oder viel (37 Prozent) getan, um speziell Flüchtlingskinder
in Deutschland zu unterstützen. Fast ebenso viele sind jedoch
gegenteiliger Auffassung (45 Prozent). Größeren Handlungsbedarf sehen
mehrheitlich die Anhänger der Grünen (61 Prozent) und der Linken (56
Prozent), aber auch der SPD (51 Prozent), während gut die Hälfte der
Unions-Anhänger (55 Prozent) der Meinung ist, es werde bereits sehr
viel oder viel für Flüchtlingskinder getan.

„Insbesondere die hohe Bereitschaft der Bevölkerung, sich mehr als
bisher für Flüchtlingskinder in Deutschland zu engagieren, ist ein
ermutigendes Zeichen, dass die mit der Zunahme der Flüchtlingszahlen
verbundenen Herausforderungen gemeistert werden können. Hier kann im
Vergleich zu den Diskussionen zu Beginn und Mitte der 1990er Jahre
eine deutlich offenere Haltung gegenüber Flüchtlingskindern
konstatiert werden. Insbesondere die Engagementbereitschaft jüngerer
Menschen gibt Anlass zur Hoffnung, dass wir bei der Verbesserung der
Situation von Flüchtlingskindern in Deutschland langfristig auf die
Unterstützung der Bevölkerung bauen können. Die hohe Differenz
zwischen denjenigen, die zu persönlichem Engagement für
Flüchtlingskinder bereit sind und denjenigen, die schon tatsächlich
etwas tun, zeigt das enorme Potential, das es zu erschließen gilt.
Patenschaften und Mentoringprogramme können gute Instrumente sein, um
Flüchtlingskindern in den ersten Jahren in Deutschland zu helfen.
Hier sollten Bund, Länder und Kommunen eine entsprechende Offensive
starten, damit sich mehr Menschen als bisher dann auch tatsächlich
ehrenamtlich für Flüchtlingskinder engagieren“, betont Thomas Krüger,
Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes.

„Gleichzeitig sollten Bund und Länder die Diskriminierung von
Flüchtlingskindern in Deutschland beenden und ihnen endlich eine
Zukunftsperspektive geben. Denn das Asylbewerberleistungsgesetz
widerspricht der UN-Kinderrechtskonvention ebenso wie den
Grundgedanken des Kinder- und Jugendhilfegesetzes. Es grenzt
Flüchtlingskinder systematisch aus, gefährdet das Kindeswohl und
bewirkt, dass Kinder in Deutschland unter Bedingungen heranwachsen,
die ihnen elementare Lebenschancen und eine gesunde Entwicklung
vorenthalten. Flüchtlingskinder sind in erster Linie Kinder und
müssen dieselben Ansprüche auf Leistungen der bestehenden
Sozialsysteme haben wie andere Kinder auch. Die Umfrage zeigt
deutlich, dass Bund und Länder hier bei einer rechtlichen
Gleichstellung aller Kinder in Deutschland die deutliche Mehrheit der
Bevölkerung hinter sich hätten.“

Für die repräsentative Umfrage zu Flüchtlingskindern in
Deutschland wurden von infratest dimap im Auftrag des Deutschen
Kinderhilfswerkes deutschlandweit 1.000 Wahlberechtigte ab 18 Jahren
mittels computergestützter Telefoninterviews befragt. Die
Fehlertoleranz liegt zwischen 1,4 (bei einem Anteilswert von 5%) und
3,1 Prozentpunkten (bei einem Anteilswert von 50%).

Weitere Informationen und Rückfragen:
Uwe Kamp, Pressesprecher
Telefon: 030-308693-11
Mobil: 0160-6373155
Fax: 030-2795634
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