Gute Nachrichten: Zu viel Negatives lähmt

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Ausfahrten aus der Katastrophen-Blase der Medien bot
der European Newspaper Congress heute im Wiener Rathaus.

„Die Differenz zwischen dem, was die Menschen bewegt, und was sie
in den Zeitungen finden, ist viel zu groß“, bewies Roland Schatz,
dessen Forschungsinstitut Media Tenor Zeitungsinhalte daraufhin
überprüft. Und was Menschen nicht in der Zeitung finden, bewegt sie
auch nicht: Wenn die EU-Berichterstattung in Europa nur 1,4 Prozent
der Inhalte betrifft, sei klar, dass Europa für die Menschen keine
Relevanz habe. Zeitungen berichten, aber nicht mit dem Blick auf die
Zukunft, lautete der Vorwurf von Schatz heute im Wiener Rathaus vor
den mehr als 400 Medienleuten, die zum European Newspaper Congress
2016 gekommen waren. Schatz warnte eindringlich vor Stereotypen: „Das
hat nichts mit Journalismus zu tun.“ Journalistische Geschichten auf
Stereotype und Zukunftsrelevanz zu überprüfen sei „eine Frage des
Handwerks, der Redaktionskonferenz“.

Das Übermaß an negativen Nachrichten schade der
Nachrichtenindustrie und zerstöre die Gesellschaft, sagte Jodie
Jackson beim European Newspaper Congress: „Bürgerinnen und Bürger
werden apathisch und nehmen immer weniger teil am politischen
Geschehen“, stellte die Britin Jackson fest, die als eine Vordenkerin
des Konstruktiven Journalismus gilt. Mit ihrem Onlinemedium
„whatagoodweek.com“ erzeugt sie „ein Gefühl des Eingebundenseins in
die Gesellschaft, das zu einem stärkeren Engagement führt“. Klar
machte Jackson, dass Konstruktiver Journalismus hohe Professionalität
braucht. BBC beispielsweise macht eigene Ausbildungsformate,
Forschungen begleiten den Trend.

Dass sich Journalisten nicht ausreichend der riesigen Datenmenge
bedienen, die beispielsweise die UNO zur Verfügung stellt, beklagte
Michael Moller, Generaldirekter des Genfer UNO-Büros. Diese Daten
könnten dem Konstruktiven Journalismus ausreichend Material liefern.

Gute Nachrichten gab es beim European Newspaper Congress im Wiener
Rathaus für Geschäftsführer von Leitmedien: „Die Werbewirtschaft
kommt ohne Leitmedien nicht aus“, sagte Sebastian Turner, Herausgeber
des „Berliner Tagesspiegels“: „In Deutschland zeigte sich, dass von
hundert Personen, die auf Facebook einer Marke ein Gefällt mir geben,
nicht einmal eine auch über diese Marke kommuniziert.“ Dem steht
gegenüber, dass „80 Prozent der wesentlichen Zitate in den digitalen
Medien von Leitmedien stammen“, berichtete Turner.

Der international tätige Zeitungsdesigner Norbert Küpper,
Mitveranstalter des European Newspaper Congresses, zeigte die Trends:
Webseiten passen sich den mobilen Geräten an, Bewegtbilder werden
verstärkt eingesetzt und gleichzeitig gibt es auch auf mobilen
Geräten einen Trend zu außerordentlich langen Texten. Im
Print-Bereich ist das von Skandinavien kommende visuelle Storytelling
auch in unseren Breiten angekommen, komplexe Geschichten werden in
unterschiedliche Darstellungsformen zerlegt, Coverseiten tendieren zu
noch größeren Bildern mit noch weniger Text und Magazine werden zu
Hochglanz-Produkten.

Der European Newspaper Congress wird vom Medienfachverlag Johann
Oberauer und Norbert Küpper, Zeitungsdesigner in Deutschland,
veranstaltet. Kooperationspartner wie JTI, die Stadt Wien und der
Verband der Österreichischen Zeitungsverleger unterstützen maßgeblich
die Veranstaltung.

Das komplette Programm und Anmeldung: www.newspaper-congress.eu

Pressekontakt:
Johann Oberauer, johann.oberauer@oberauer.com, Tel. 0043 664 2216643

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