„HERZRASEN“ in der Spielzeit 2013/14

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„HERZRASEN“ – so ist die Spielzeit 2013/14 am Theater Heilbronn überschrieben. Mit rasendem Herzen, pochendem Puls, heißem Atem und brennendem Verstand, mit aller Vehemenz verfolgen die Generationen ihren Weg zum Glück, zum neuen Leben oder sie konservieren das Alte, schon immer so Gewesene. Diese Kontroversen bestimmen in der kommenden Saison oftmals die Geschichten in den Stücken. Die Suche nach einem selbstbestimmten Leben der Jungen geht nicht konfliktfrei an den Älteren vorüber. Der Verrat an den eigenen Idealen wird ans Licht gezerrt. Wir verfolgen die Jungen auf den verschlungenen Wegen zum „Erwachsenwerden“: das Herzklopfen der ersten Liebe, den Herzschmerz der Enttäuschungen, zeigen, wie sie mit Herzblut um ihre Utopien kämpfen. Und wir beobachten die Elterngeneration, die mal mit erdrückender Herzenswärme, mal mit herzloser Tyrannei die Entwicklung der Jungen zu steuern versucht. Immer unter der Maßgabe, alles sei zu ihrem Besten. Den „Kampf der Generationen“ gab es zu allen Zeiten, in allen Kulturkreisen. Mal ist dies ein sehr privater, intimer Vorgang, mal nimmt er Dimensionen gesellschaftlicher Veränderungen an, die dramatische Folgen für den Einzelnen haben.
Zwei URAUFFÜHRUNGEN in den KAMMERSPIELEN
26 Premieren stehen 2013/14 auf dem Spielplan – darunter zwei Uraufführungen. In „Zweier ohne“ (14. November 2013) nach der Novelle des renommierten Autors und Journalisten Dirk Kurbjuweit (aktuell auf den Bestsellerlisten mit „Angst“) stehen zwei Jungen im Mittelpunkt, deren Abnabelungsprozess von den Elternhäusern in eine gefährlichsymbiotische Abhängigkeit voneinander führt.
In „Hayatimsin – Du bist mein Leben“ (Premiere im April 2014), einem Auftragswerk für eine türkische Autorin, geht es um die Frage, wie innerhalb der zugewanderten Familien mit unterschiedlichen kulturellen Werten und Traditionen umgegangen wird, die aufeinanderprallen, wenn die junge Generation sich mehr und mehr in die westliche Welt integriert. Welche Probleme und Konflikte entstehen zwischen den Großeltern, Eltern und den Jugendlichen in den Familien und vor allem auch zwischen Mann und Frau? Die Inszenierung wird mit Mitteln des Innovationsfonds „Kunst“ des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg gefördert.
GROSSES HAUS
Eröffnet wird die Spielzeit am 21. September 2013 im Großen Haus mit der Komödie „Sein oder Nichtsein“ von Nick Whitby nach dem berühmten Film von Ernst Lubitsch. Hier spielt ein Schauspielensemble im von den Nazis besetzten Polen mit heißem Herzen um sein Leben.
Eine Woche später, am 28. September 2013, heißt es Vorhang auf für die speziell von Peggy Mädler für das Theater Heilbronn erstellte Bühnenfassung von „Homo faber“ nach Max Frisch. Herzklopfen aus Liebe, das war etwas, was sich der nüchterne Naturwissenschaftler Walter Faber überhaupt nicht vorstellen konnte. Dass es seine eigene Tochter ist, an die er sein Herz verliert, macht diese Liebe zur Tragödie antiken Ausmaßes.
„Emilia Galotti“ (16. November 2013) ist so sehr behütet, dass sie in der Welt der Intrigen mitten in der Blüte ihrer Jugend zugrunde geht. Ihre eigenen heißblütigen Reaktionen auf die Avancen des verführerischen Prinzen machen ihr Angst.
In „Enron“ (Premiere am 25. Januar 2014), dem Schauspiel um einen der größten Wirtschaftsskandale Amerikas, ist es die Gier nach Geld, die die Protagonisten antreibt. Die Stärke von Lucy Prebbles Stück ist es, die Akteure mit all ihren Machenschaften und menschlichen Abgründen zu zeigen.
Im Musical „Spring Awakening“ (22. März 2014) fordern die Jungen und Mädchen, die sich mit ihren ersten drängenden Frühlingsgefühlen herumplagen, Aufklärung von den Eltern und ein Ende des schulischen Drills, der sie zu gehorsamen Mitgliedern der Gesellschaft machen will. In Shakespeares „König Lear“ (17. Mai 2014) kommt es zu erbitterten Machtkämpfen der Jungen gegen die Alten. Und „Der Geizige“ (29. Juni) setzt sich komplett über die Bedürfnisse seiner Kinder in Sachen Eheschließung hinweg – seine einzige Leidenschaft, der er alles unterordnet, ist die Mehrung seines Reichtums.
KOMÖDIENHAUS
Herzrasen, vor allem aus Liebe, gibt es im kommenden Jahr auch im Komödienhaus. Im Musical „Die Tagebücher von Adam und Eva“ (27. September 2013) von Marc Seitz und Kevin Schroeder nach dem amüsanten Text von Mark Twain schauen wir dem ersten Liebenspaar der Welt beim Kennenlernen zu. In „Harry und Sally“ (23. November 2013) von Marcy Kahan versuchen die beiden Titelhelden jahrelang „nur“ Freunde zu sein, was eigentlich nach Harrys Überzeugung ein Ding der Unmöglichkeit ist.
„Ladykillers“ (14. März 2014) ist eine klassische Kriminalkomödie, in der eine liebenswürdige alte Dame mit stoischer Ruhe eine Verbrecherbande zunächst zu erhöhter Herzfrequenz treibt und schließlich zur Strecke bringt. Eine der erfolgreichsten Kino-Komödien der letzten Jahre „Ziemlich beste Freunde“ (9. Mai 2014) kommt nun auf die Theaterbühne. Erzählt wird die zu Herzen gehende Geschichte des schwerreichen, aber vom Hals abwärts gelähmten Philippe und seines ziemlich unkonventionellen Pflegers Driss, eines gerade aus dem Gefängnis entlassenen Kleinkriminellen.
Im MUSIKTHEATER wird die Kooperation mit dem Württembergischen Kammerorchester fortgesetzt, wieder mit einem Projekt, das sonst auf keinem Spielplan zu finden ist: „Relâche – heute keine Vorstellung“, ein Musiktheaterabend über den Komponisten Erik Satie, wird am 25. April 2014 Premiere haben.
MUSIKTHEATERGASTSPIELE aus dem Theater Ulm („Dialogues des Carmélites“ von Francis Poulenc – 6. Oktober 2013), der Staatsoperette Dresden („Hello, Dolly!“ von Jerry Herman – 9. November 2013) und dem Staatstheater Oldenburg („Otello“ von Giuseppe Verdi – 3. April 2014) komplettieren den Spielplan.
Für TANZTHEATERGASTSPIELE konnte wieder die großartige Compagnie des Wiesbadener Staatstheaters mit zwei Arbeiten von Stephan Thoss gewonnen werden: „Zwischen Mitternacht und Morgen: Schwanensee“ (4. Januar 2014) und „Ein Winternachtstraum“ (5. Juni 2014) .
Das Festival TANZ! HEILBRONN wird im Mai seine 6. Auflage erleben und die IMAGINALE, das Internationale Figurentheaterfestival, wird in der kommenden Spielzeit zum zweiten Mal herausragendes Figurentheater in Heilbronn präsentieren.
Entwicklung des Theaters Heilbronn und Ausblick
Das Team um Intendant Axel Vornam ist sich sicher, dass es auch mit dem „Herzrasen“ in der Spielzeit 2013/14 gelingen wird, die Herzen der Zuschauerrinnen und Zuschauer zu erobern und die seit fünf Jahren ungebrochen positive Entwicklung des Hauses fortzusetzen.
Mit 171.413 Besuchern 2012 und einer Auslastung der 550 Vorstellungen von 80,86 Prozent liegt die Marke so hoch, wie seit zehn Jahren nicht mehr. Dementsprechend wurden mit 2,1 Mio. Euro auch Einnahmen in einer Größenordnung erzielt, wie seit einer Dekade nicht mehr.
Getragen vom sehr großen Zuspruch der Zuschauer entwickelt sich das Theater Heilbronn auch wirtschaftlich weiterhin zu einem solide aufgestellten Haus. Wiederum ist es gelungen, mit den Zuschüssen von Stadt und Land auszukommen und das Budget einzuhalten, trotz der immensen tarifbedingten Kostensteigerungen im Personalbereich, die das Theater zu 50 Prozent allein aufbringen muss.
Sehr positiv wirkt sich der kontinuierliche Ausbau im Bereich der kulturellen Bildung aus: Mittlerweile haben 26 Schulen aus Heilbronn und dem Umland einen Kooperationsvertrag mit dem Theater Heilbronn. Auch das Staatliche Schulamt und das Seminar für Lehrerbildung arbeiten eng mit dem Theater zusammen. Der riesigen Nachfrage kann das Theater nur gerecht werden, weil dank finanzieller Förderung durch das Land eine dritte Theaterpädagogin eingestellt wurde.
Das Land Baden-Württemberg unterstützt auch die weitere Beschäftigung mit den Themen Zuwanderung und Integration wie zuletzt das Klassenzimmerstück „Tito, mein Vater und ich“ und nun die Entwicklung des Stücks „Hayatimsin- Du bist mein Leben“, das 2014 Premiere haben wird.
Verbesserung der Probensituation wichtigstes Ziel
Neben der kontinuierlichen künstlerischen und wirtschaftlichen Entwicklung des Hauses ist die Verbesserung der Probensituation für alle an den künstlerischen Entstehungsprozessen einer Inszenierung beteiligten Mitarbeiter das wichtigste Ziel. Wie vielfach in der Presse berichtet, ist der Zustand der Probebühnen miserabel und unzumutbar.
Die Stadt prüft gegenwärtig verschiedene Szenarien zur Behebung der Missstände und möchte noch vor dem Ende der laufenden Spielzeit einen Lösungsplan erarbeitet haben.

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