Im Frieden vereint / 50 Jahre deutsch-israelische Beziehungen: Begegnungsfest im südhessischen Bensheim bringt Menschen zusammen (FOTO)

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Am 12. Mai 1965 nahmen Deutschland und Israel ihre diplomatischen
Beziehungen auf. 20 Jahre nach der Shoah, dem von Deutschland
initiierten Völkermord an den Juden Europas. Besonders für Israel
kein einfacher Schritt. Doch für beide Länder eine historische Chance
für einen Neuanfang. Regelmäßig Staatsbesuche sollen die
Partnerschaft zukunftsfähig machen.

Dass es bei der Annäherung zwischen Israel und Deutschland nicht
zuletzt um die Begegnung auf gesellschaftlicher und kultureller
Ebene geht, verdeutlichte am vergangenen Sonntag (27.) eine
Veranstaltung im südhessischen Bensheim: Zahlreiche Menschen kamen am
Jerusalem-Friedensmal im kleinen Ortsteil Hochstädten zusammen, um
ein gemeinsames Zeichen für den Frieden zu setzen. Initiator Thomas
Zieringer sprach von einem „wichtigen Treffen der Generationen und
Nationen“. Der Künstler und Organisator wollte ein „Fest für das
Leben“ feiern. Trotz des sehr ernsten Themas: „Denn letztlich geht
es immer um das Leben. Und das hat viel mit Freude, Liebe,
Schönheit und Hoffnung zu tun. All das, wofür das Wort Yerushalayim
am Friedensmal steht.“ Für Zieringer ist Jerusalem auch eine
lebendige Vision einer menschlicheren Welt.

Holocaust-Überlebende: „Gerührt, hier zu sein“

Der Vorsitzende des Vereins Friedensmal Wendepunkt freute sich
besonders, dass einige internationale Gäste den Weg nach Südhessen
gefunden haben. Als Schirmherrin war die Shoah-Überlebende Batsheva
Dagan extra aus Israel nach Bensheim gekommen. Die 1925 in Lodz
geborene Kinderpsychologin und Autorin sagte, sie sei „gerührt, an
diesem wunderschönen Ort zu sein“. Als Botschafterin des Friedens und
der Annäherung engagiert sie sich seit vielen Jahren für eine offene
Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und die
Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen. „Es tut mir weh, dass
ich euch weh tun werde“, sagte die Zeitzeugin beim Rückblick auf ihre
Biografie – eine Geschichte von Flucht, Vertreibung, Leid und Tod.
Frau Dagan war in sechs Gefängnissen und Konzentrationslagern
inhaftiert, darunter in Auschwitz und im Frauen-KZ Ravensbrück.
Damals habe sie sich geschworen: „Sollte ich überleben, muss die Welt
die Wahrheit wissen.“

Begleitet wurde die 90-Jährige von der Ethnologin Prof. Sigrid
Jacobeit von der Berliner Humboldt-Universität. Die langjährige
Leiterin der Gedenkstätte Ravensbrück würdigte das Friedensmal als
einen Ort des Lebens, über den man nur glücklich sein kann. Zu
Batsheva Dagan gerichtet sagte Jacobeit: „Sie gehört hierher.“

Prominente Grußbotschafter

Das Begegnungsfest stieß auf große Resonanz. Unter den prominenten
Grußbotschaftern war auch Dr. Josef Schuster, Präsident des
Zentralrats der Juden in Deutschland. Er lobte das durch
Privatinitiative entstandene Friedensmal als „bedeutsames
Engagement“. Leider konnte Schuster aufgrund des zeitgleich
beginnenden jüdischen Laubhüttenfestes Sukkot nicht persönlich
anwesend sein. Er gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Begegnung
zwischen Menschen beider Nationen den positiven Gedanken des
Friedensmals in die Welt tragen und das deutsch-jüdische Verhältnis
weiter festigen werde.

„Überzeugende Darstellung einer Idee“

Kurz vor seinem Tod im August dieses Jahres würdigte der ehemalige
Bundesminister Egon Bahr das Friedensmal als „überzeugend gelungene
Darstellung einer Idee“. Die Installation inmitten der Landschaft sei
sowohl Bereicherung wie auch Perspektive für das Leben jedes
einzelnen Menschen.

Der Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Rhein-Neckar
erinnerte an die Annäherungen beider Staaten in den vergangenen fünf
Jahrzehnten: „Es sind immer wieder Wunder geschehen. Wir hoffen auf
weitere“, so Hannes Greiling in Bensheim. Die Gedenkstätte als
positiv besetzter Ort des Nachdenkens und der Versöhnung sei ein
sichtbarer Ausdruck des Wunsches, dass auch in Israel und seiner
Nachbarschaft endlich und dauerhaft Frieden herrschen möge.

Politik würdigt Friedensmal-Projekt

Auch zahlreiche Vertreter der Kreis- und Kommunalpolitik folgten
der Einladung zum Begegnungsfest. Der neue Bergsträßer Landrat
Christian Engelhardt (CDU) sah in der Veranstaltung eine
unmissverständliche Botschaft für den Frieden in der Gegenwart und in
der Zukunft. Er betonte die historischen Konflikte zwischen Israel
und Syrien – einer Region, aus der aktuell viele Flüchtlinge nach
Deutschland kommen. „Wo Frieden herrscht, gibt es keinen Grund zur
Flucht“, mahnte der Kreispolitiker. Der Bensheimer Bürgermeister
Rolf Richter (CDU) sprach von einer würdigen Veranstaltung. Er dankte
Thomas Zieringer und dem Verein für die Ausdauer und das stete
Engagement bei der Realisierung des Projekts. Das Vorhaben war in
seiner über 15-jährigen Entwicklung mehr als einmal ausgebremst
worden, ist aber immer wieder auch auf internationale Beachtung
gestoßen.

Israelische und deutsche Musik im Einklang

Musikalisch umrahmt wurde das Begegnungsfest von der Sängerin
Dganit Daddo und dem Pianisten Yuval Keidar – beide aus Israel –
sowie dem deutschen Liedermacher Eloas Lachenmayr. Das
Zusammenklingen deutscher und israelischer Lieder wirkte gerade in
ihrer Verschiedenheit spannend und harmonisch zugleich. Höhepunkt war
die gemeinsame Vertonung des Psalms 126 („Die mit Tränen säen, werden
mit Freuden ernten“). Eine Uraufführung, neu auf deutsch getextet von
Eloas Lachenmayr nach einer israelischen Melodie.

Atmosphärische Intensität

Viele der Gäste lobten die atmosphärische Intensität der
Veranstaltung, die zum Abschluss noch einmal ein eindrucksvolles
Bild von Partnerschaft und Annäherung bot: Schüler des Bensheimer
Goethe-Gymnasiums positionierten sich zusammen mit Gastschülern aus
Haifa an der „Friedensrose“ im Zentrum der Stätte. Gemeinsam mit
Dganit Daddo sangen sie das Lied „Jerusalem aus Gold“. Im Anschluss
legten sie Kieselsteine aus Marmor an den „Erinnerungsstein“ für
Jerusalem, dessen Banner im Sonnenlicht über der Installation wehte.

Darunter die Flagge von Hessen. Beide mit einem Löwen im Zentrum.
Für Thomas Zieringer ein verbindendes Element von starker
Symbolkraft. Der Löwe sei eine Metapher für mutiges und gerechtes
Handeln. Freiheit brauche mutige und gerechte Menschen. Er wünscht
sich, dass der Ort des Friedensmals als Sinnbild der Freiheit und
der Meinungsfreiheit in Zukunft noch stärker wahrgenommen werde.

Hintergrund: Jerusalem Friedensmal

Das private Projekt hat Thomas Zieringer erstmals 1998 im Kontext
seines Buchs „Vision einer neuen Menschlichkeit“ beschrieben. Ziel
war eine öffentliche Installation als symbolisch aufgeladenes
Zeichen der Versöhnung und Begegnung. Zugleich soll das Bauwerk für
eine wache Erinnerungskultur und Selbstreflexion stehen. „Frieden
beginnt im Innern jedes Einzelnen. Nur dort können wir etwas in uns
und damit auch in der Gesellschaft verändern“, so Zieringer. Die
Stätte nimmt Bezug auf Jerusalem als tiefste Wurzel der europäischen
Kultur wie auch auf die tiefe Verletzung in dieser Beziehung. Daher
verweist die Friedensstätte auf die historische Verantwortung
Deutschlands im Kontext einer lernenden Aufarbeitung der
Vergangenheit. Der Ort ist allen Menschen gewidmet. Er steht für
Schönheit und die Würde des Lebens und als positives Beispiel einer
vorwärts gerichteten Gedenkkultur.

Das Jerusalem Friedensmal liegt am Europäischen Fernwanderweg E8
im Unesco-Geopark Bergstraße-Odenwald bei Bensheim. Das ist zirka 50
Kilometer südlich von Frankfurt am Main zwischen den Städten
Heidelberg, Mannheim und Darmstadt.

Pressekontakt:
Friedensmal Wendepunkt e. V.
Bensheim
Telefon: 0049 – 6251 – 860 9177 * Handy: 0151 – 4160 3140
E-Mail: friedensmal@gmail.com
www.jerusalem.vision

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