Inkasso-Umfrage: Zahlungsmoral top, vonöffentlicher Hand aber flop / Insolvenzen sinken / EU-Datenschutzgesetz Gefahr für Zahlungsmoral und Gläubiger

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Das Zahlungsverhalten in Deutschland hat sich auf
hohem Niveau weiter verbessert. In ihrer Halbjahresumfrage melden 64
Prozent der Inkassounternehmen, dass Rechnungen jetzt genauso gut wie
vor sechs Monaten bezahlt werden. 20 Prozent haben sogar eine noch
bessere Zahlungsmoral beobachtet. Grund ist die gute Konjunktur,
verbunden mit einer niedrigen Arbeitslosigkeit und einem für
Unternehmen wie für Verbraucher attraktiven Investitionsklima.

Daher gehen auch die Firmeninsolvenzen weiter zurück. Der
Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) prognostiziert bis
Ende des Jahres etwa 22.500 Verfahren (2014: 24.085). Auch die
Verbraucherinsolvenzen gehen zurück – auf voraussichtlich rund
82.000, nach 86.298 in 2014.

Hauptgrund, warum Verbraucher schlecht zahlen, ist Überschuldung
(81 Prozent der Inkassofirmen melden das in der Umfrage), gefolgt von
einem unkontrollierten Konsumverhalten (72 Prozent) und einem
vorübergehenden Geldmangel (49 Prozent). Nur noch 46 Prozent nennen
Arbeitslosigkeit als Grund – vor zwei Jahren lag dieser Wert bei 66
Prozent.

Probleme mit der Rechnungstreue ihrer Kunden haben aktuell das
Handwerk (45 Prozent der BDIU-Mitglieder melden das), der Online-
beziehungsweise Versandhandel (44 Prozent) sowie die
Energieversorgungswirtschaft (37 Prozent). Vergleichsweise gut läuft
es im Gastgewerbe – hier berichtet nicht einmal jedes zwölfte
Inkassounternehmen von Schwierigkeiten.

Gegen den Trend: Öffentliche Hand zahlt schlechter

Völlig gegensätzlich zum guten allgemeinen Zahlungsverhalten ist
die Entwicklung bei öffentlichen Auftraggebern. 86 Prozent der
Inkassounternehmen melden, dass deren Zahlungsverhalten unverändert
schlecht ist. 11 Prozent berichten sogar von einer weiteren
Verschlechterung. „Die öffentliche Hand sollte beim Zahlungsverhalten
eine Vorbildfunktion haben“, mahnt BDIU-Präsident Wolfgang Spitz.
„Ein Grund, warum das leider nicht der Fall ist, dürfte wohl auch
darin zu sehen sein, dass viele Städte und Gemeinden selbst über kein
gutes, eigenes Forderungsmanagement verfügen.“

Alleine die Kommunen haben in Deutschland derzeit offene
Forderungen von über 20 Milliarden Euro. Spitz verweist auf das
Beispiel der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden. Diese setzt in
Fällen, wo sie selbst Forderungen nicht realisieren kann, auf
Verwaltungshilfe durch Inkassounternehmen. Spitz: „Das bringt
Mehreinnahmen, mit der die Stadt zum Beispiel Kinderspielplätze
bezahlt oder Schlaglöcher auf den Straßen stopft.“

Auf seinem Jahreskongress hatte der BDIU jüngst in Düsseldorf mit
NRW-Spitzenpolitikern zu dem Thema diskutiert. Der stellvertretende
SPD-Fraktionsvorsitzende Dr. Rainer Schmeltzer äußerte sich dabei
zwar zurückhaltend zum Beauftragen von Inkassounternehmen durch
Kommunen – bei hoheitlichen Aufgaben sei das nicht möglich. Er
stellte aber fest, dass das Wiesbadener Modell grundsätzlich auch für
Städte und Gemeinden an Rhein und Ruhr gangbar sei, wenn die
jeweilige Kommune das im Einzelfall wünsche. Etwa die Hälfte der fast
400 NRW-Kommunen befinden sich derzeit in einer Haushaltsnotlage
beziehungsweise entsprechenden Programmen. BDIU-Chef Spitz appelliert
an die Kämmerer dieser Städte, Mut auch zu bislang ungewöhnlichen
Finanzierungswegen zu finden. „Die Bürgerinnen und Bürger werden es
ihnen danken.“

EU-Datenschutz gefährdet Zahlungsmoral

Deutliche Kritik äußern die Inkassounternehmen an den Plänen zu
einer EU-Datenschutzgrundverordnung. Sie soll noch dieses Jahr auf
den Weg gebracht werden. Das könnte zur Folge haben, dass Gläubiger
bei der Beauftragung von Inkassounternehmen nachweisen müssen, dass
ihre Schuldner mit der Weitergabe ihrer Daten einverstanden sind. 83
Prozent der Inkassounternehmen glauben, dass dadurch die Durchsetzung
von Forderungen erheblich erschwert wird.

Auch Auskunfteien sind betroffen. Spitz: „Die Bonität von
Kreditnehmern kann dann nicht mehr zuverlässig ermittelt werden. Das
brächte mehr Zahlungsausfälle, deren Kosten wiederum alle redlichen
Verbraucher mittragen müssten, denn sie bezahlen zum Ausgleich höhere
Preise für Waren und Dienstleistungen.“

77 Prozent der Inkassounternehmen prognostizieren daher, dass sich
das Zahlungsverhalten wegen der Datenschutzgrundverordnung erheblich
verschlechtern wird.

Trend-Eintrübung bei jungen Schuldnern

Ein weiteres Thema der Inkassoumfrage ist das Zahlungsverhalten
junger Verbraucher. 57 Prozent der BDIU-Firmen bemängeln, dass 18-
bis 24-jährige Verbraucher Rechnungen schlechter begleichen als über
25-Jährige. Noch vor zwei Jahren lag dieser Wert nur bei 45 Prozent.

Die häufigsten Gläubiger jüngerer Verbraucher sind Online-
beziehungsweise Versandhändler. 89 Prozent der Inkassounternehmen
bestätigen das. 82 Prozent berichten, dass junge Verbraucher wegen
Konsumausgaben Schulden haben. „Vielen mangelt es offenbar an
Finanzkompetenz“, so BDIU-Vize Marion Kremer.

Sie begrüßt daher den Vorschlag von Bundesbildungsministerin
Wanka, ein Fach „Alltagswissen“ einzuführen, in dem junge Menschen
unter anderem lernen sollen, richtig mit Handyverträgen umzugehen.

Kremer weist darauf hin, dass die Inkassowirtschaft schon seit
langem die Einführung eines Schulfaches „Umgang mit Geld“ fordere.
„In einem solchen Fach sollten Kinder auch zur Eigenverantwortung
angeleitet und ermutigt werden. Unsere Gesellschaft und unser
Wirtschaftsleben werden immer facettenreicher. Das erfordert von
jungen Menschen heute mehr noch als früher die Fähigkeit, Dinge
kritisch zu hinterfragen. Das ist mindestens so wichtig wie die
Wissensvermittlung in Fächern wie Mathematik, Physik oder Deutsch.“

Alle Informationen:

www.inkasso.de/presse/zahlungsmoral-juni-2015

Pressekontakt:
BDIU, Friedrichstr. 50-55, 10117 Berlin
Pressesprecher: Marco Weber
030/206073640 / weber@inkasso.de

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