INSM-Bildungsmonitor 2016: Kein Fortschritt – viele neue Herausforderungen

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Zum ersten Mal erreichen die Bundesländer beim
INSM-Bildungsmonitor im Vergleich zum Vorjahr keine Fortschritte im
Gesamtbild der zwölf Handlungsfelder. Vor allem bei den
Bildungsabschlüssen ausländischer Schüler waren bereits vor der
jüngsten Flüchtlingswelle sogar Rückschritte zu beobachten. Für die
Bildungsintegration der Flüchtlinge – die zentrale Herausforderung
der kommenden Jahre – besteht folglich dringender Handlungsbedarf.
Hierfür sollten die jährlichen öffentlichen Bildungsausgaben um 3,5
Mrd. Euro erhöht werden.

Zu diesen Ergebnissen kommt der Bildungsmonitor 2016. Die
Vergleichsstudie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) im
Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)
untersucht, inwieweit die Bundesländer Bildungsarmut reduzieren, zur
Fachkräftesicherung beitragen und Wachstum fördern. Der
Bildungsmonitor wird in diesem Jahr zum 13. Mal veröffentlicht.

Die leistungsfähigsten Bildungssysteme haben Sachsen, Thüringen,
Bayern, Baden-Württemberg und Hamburg. In den vorderen fünf Ländern
zeigt sich trotz einer Reihe an Stärken auch weiterhin deutlicher
Handlungsbedarf. So erreicht Sachsen Spitzenplätze bei der
Forschungsorientierung, der Förderinfrastruktur und der
Schulqualität, hat aber seit einigen Jahren einen Zuwachs an
ausländischen Schulabbrechern. In Thüringen sind die Bildungsausgaben
je Schüler hoch, zudem sind die Betreuungsbedingungen sehr gut.
Gleichwohl hat Thüringen jedoch einen sehr hohen Anteil älterer
Lehrer, die in den kommenden Jahren nur schwer ersetzt werden können.
Bayern ist Spitze bei der beruflichen Bildung, bei der Vermeidung von
Bildungsarmut und dem effizienten Mitteleinsatz im Bildungssystem,
hat aber ebenso wie Baden-Württemberg weiterhin Nachholbedarf beim
Ausbau von Ganztagsplätzen. Hamburg ist führend bei der
internationalen Ausrichtung des Bildungssystems, ein hoher Anteil der
Schüler erreicht aber nicht die Mindestanforderungen im Lesen oder
der Mathematik.

Über einen längeren Zeitraum zeigen sich im Bildungsmonitor
deutliche Unterschiede im Fortschritt der Bildungssysteme der Länder.
So konnten im Vergleich zum Basisjahr 2013 das Saarland (+9,2 Punkte)
und Hamburg (+7,0 Punkte) deutlich zulegen, während
Schleswig-Holstein (-0,2 Punkte) sogar leicht zurückfällt, Sachsen
(+0,3 Punkte) und Baden-Württemberg (+0,3 Punkte) im gleichen
Zeitraum nur geringfügig zulegen können. Im zurückliegenden Jahr
konnte im Gesamtbild der Länder kein Fortschritt mehr erreicht
werden.

„Zum ersten Mal in 13 Jahren Bildungsmonitor haben die Länder im
Durchschnitt keine Verbesserungen gegenüber dem Vorjahr erreicht. Vor
allem bei der Integration ausländischer Schüler gibt es sogar
Rückschritte – so ist die Schulabbrecherquote unter Ausländern
innerhalb eines Jahres von 10,7 auf 11,9 Prozent gestiegen. Dies gibt
Anlass zur Sorge, denn mit der Bildungsintegration der Flüchtlinge
steht die Bildungspolitik vor einer neuen, riesengroßen
Herausforderung“, so Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer der INSM.
Pellengahr weiter: „Der Bildungsmonitor zeigt, dass die Länder im
Sinne des föderalen Wettbewerbs voneinander lernen könnten und
müssten. Leider findet dieser Wettbewerb nur sehr eingeschränkt
statt“.

Studienleiter Prof. Dr. Axel Plünnecke erklärt: „Die Länder müssen
der Bildung in den öffentlichen Haushalten einen höheren Stellenwert
einräumen. Im Jahr 2017 werden allein rund 98.500 zusätzliche
KiTa-Plätze für die Flüchtlingskinder benötigt. Dazu braucht es
Lehrkräfte für rund 200.000 zusätzliche Schulkinder und ein Ausbau
der Berufsvorbereitung. Im Jahr 2017 bedeutet dies zusätzliche
Bildungsausgaben des Staates in Höhe von 3,5 Mrd. Euro“. Plünnecke
weiter: „Aus humanitärer Sicht sind diese Ausgaben für eine bessere
Bildungsintegration dringend geboten. Und auch fiskalisch können sie
sich langfristig über eine bessere Arbeitsmarktintegration der
Flüchtlinge rechnen.“

Zur Studie „Bildungsmonitor“

In die Studie Bildungsmonitor 2016 werden 93 Indikatoren
einbezogen. Darunter Indikatoren zur Beschreibung der Infrastruktur,
beispielsweise die Verfügbarkeit von Ganztagsschulen und
Ganztagsbetreuungsmöglichkeiten sowie die Betreuungsrelationen an
Schulen. Des Weiteren sind es Indikatoren, die den Zugang zu Bildung
beschreiben, wie Schulabbrecherquoten, Abbrecherquoten von Ausländern
und der Anteil der Schüler, die von Bildungsarmut betroffen sind.
Außerdem werden Indikatoren einbezogen, welche die Qualität der
schulischen Leistung und den Zugang zu höheren Bildungsabschlüssen
abbilden. Damit messen die Indikatoren sowohl Aspekte der
Bildungsgerechtigkeit, als auch Impulse des Bildungssystems zur
Stärkung der Qualifikationsbasis der Volkswirtschaft. Die zu Grunde
liegenden Daten beziehen sich zumeist auf das Jahr 2014 oder 2015:
zum jetzigen Zeitpunkt liegen keine aktuelleren statistischen Daten
in Deutschland vor.

Neben einer Bestandsaufnahme zur Leistungsfähigkeit des
Bildungssystems werden die Ergebnisse des Bildungsmonitors 2016 auch
mit dem Vorjahr verglichen. So gibt die Studie auch darüber Auskunft,
welches Bundesland die größten Verbesserungen in seinem
Bildungssystem erreicht hat. Im Bildungsmonitor 2016 wurde als
Sonderkapitel die Bildungsintegration von Flüchtlingen näher
betrachtet.

Alle Ergebnisse des Bildungsmonitors 2016, sowie zahlreiche
Grafiken finden Sie unter www.insm.de/Bildungsmonitor.

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ist ein
überparteiliches Bündnis aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.
Sie wirbt für die Grundsätze der Sozialen Marktwirtschaft in
Deutschland und gibt Anstöße für eine moderne marktwirtschaftliche
Politik. Die INSM wird von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und
Elektro-Industrie finanziert.

Pressekontakt:
Pressesprecher INSM: Florian von Hennet, Tel. 030 27877-174;
hennet@insm.de
Studienleiter IW Köln: Dr. Axel Plünnecke, Tel. 0221-4981-701;
pluennecke@iwkoeln.de

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